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Winsen Lange Verfahren sorgen für Unsicherheit
Celler Land Winsen Lange Verfahren sorgen für Unsicherheit
15:33 03.01.2019
Quelle: Lothar H. Bluhm
Winsen

Es war das fünfte Weihnachtsfest und der fünfte Jahreswechsel, den Sharafadin Abdulla Markouni in Winsen verbringt, während seine Frau und sein Sohn Achmed im Sudan sind. Rund 6500 Kilometer weit entfernt, bei ad Damir, einer 120.000-Einwohner-Stadt am Nil, nordöstlich der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Der gemeinsame Sohn ist inzwischen sieben Jahre alt und geht zur Schule. Ihn und seine Frau hat Sharafadin Abdulla Markouni seit Beginn seiner Flucht nicht mehr gesehen.

Sharafadin Abdulla Markouni ist einer der ersten zehn Sudanesen, die im Juni 2014 der Gemeinde Winsen zugewiesen wurden und dann im Dienstzimmer der Integrationsbeauftragten Karina-Könun Ibrahimova standen. „Ich weiß es noch ganz genau, wie sich Sharaf immer hinter den anderen versteckt hat“, erinnert sich Ibrahimova. Er habe sehr viel Schreckliches im Sudan erlebt, hat die Frau im Laufe der Zeit herausgefunden. Haft und Folter durch den Geheimdienst habe er erlebt, bevor er im April 2012 flüchtete. Es folgten Aufenthalte in Libyen, Ägypten und in der Türkei. Über Griechenland und die Balkanroute ist er nach Deutschland gekommen. Da er dem Stamme der Nuba angehöre und er gegen die sudanesische Regierung opponiere, drohe ihm – im Gegensatz zu seiner Frau und seinem Kind – im Sudan wahrscheinlich politische Verfolgung.

Sharafadin immer arbeiten und Geld verdienen

Während sich die meisten Flüchtlinge an Sprachkursen beteiligten, wollte Sharafadin immer arbeiten und Geld verdienen. So hat er recht schnell eine sozialversicherungspflichtige Anstellung als Melker gefunden. Zweimal täglich ist er mit dem Fahrrad morgens und abends zum Melken gefahren. Bei Wind und Wetter. Er sei oft schon um drei Uhr am Morgen losgefahren, um pünktlich im Stall zu sein, berichtet er. Nachdem er einen Führerschein gemacht habe, sei ihm von der ehrenamtlichen Helferin Karin Bussmann ein Auto zur Verfügung gestellt worden. Es sei eine gute, aber auch schwere Zeit gewesen, fasst der Sudanese zusammen. Immerhin konnte er so Geld an seine Frau schicken.

Leider sei das Arbeitsverhältnis beendet worden. Sharafadin Abdulla Markouni begann einen Deutschkurs. Das sei alles gut, sagt er. Was nicht gut sei, seien die langen Verfahren.

In Ungarn Asylantrag gestellt

Da er über Ungarn nach Europa eingereist ist, stellte er dort einen Antrag auf Asyl. Dieser wurde abgelehnt. Ein in Deutschland gestellter Asylantrag wurde zunächst als unzulässig abgelehnt, die Abschiebung nach Ungarn angeordnet, denn die ungarische Seite hatte seine Rückübernahme angeboten. Ein Jahr später wurde die Abschiebung aufgehoben, das Verfahren sollte doch in Deutschland durchgeführt werden. Zudem wurde ein Abschiebungsverbot ausgesprochen.

Jetzt beantragt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beim Verwaltungsgericht Lüneburg, die Berufung zuzulassen. Es geht dabei auch um das Abschiebungsverbot. Der Antrag liegt bereits seit Mai dem Gericht vor. Die Zeit vergeht, die Unsicherheit bei Sharafadin Abdulla Markouni nimmt zu.

Jeder Vierte hat eine familiäre Einwanderungsgeschichte

„Unser Land braucht diese Menschen, die zupacken und sich selbst versorgen können“, steht für Karina-Könun Ibrahimova fest. Er sei der einzige der damaligen Geflüchteten, der die Abschiebung erhalten habe. Einer lebe in Italien, zwei seien hier in Arbeitsprozessen, zwei studieren an der Uni Braunschweig, zwei absolvieren momentan eine Ausbildung und zwei hingen in der Luft. „Alle anderen haben das Bleiberecht erhalten.“ So könnten Depressionen mit möglichen Drogen- oder Alkoholproblemen entstehen, fürchtet die Integrationsbeauftragte. Immerhin habe Sharaf Steuern bezahlt. Man sollte allen Menschen die gleichen Chancen geben – unabhängig von ihrer Herkunft. Das hätten auch Teilnehmer der Jubiläumsveranstaltung des Amtes der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatsministerin Annette Widmann-Mauz festgestellt, zu der Ibrahimova jetzt eingeladen war. „Wir alle sind Deutschland“, sagte Widmann-Mauz. „Jeder Vierte in unserem Land hat eine familiäre Einwanderungsgeschichte. Es ist in unserem eigenen Interesse, diese Vielfalt als Chance zu nutzen.“

Von Lothar H. Bluhm

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