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Winsen Neue Ideen für die alte Schmiede in Meißendorf
Celler Land Winsen Neue Ideen für die alte Schmiede in Meißendorf
13:48 13.06.2010
Lee Henry (links) will wieder neuen Schwung in die alte Schmiede bringen. Rechts im Bild: Nachbar Gustav Thies Quelle: nicht zugewiesen
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Meißendorf

„No, no never“, ist Lee Henry ganz sicher, dass er überhaupt nichts vom Inventar in der alten Schmiede verkaufen wird. Es waren schon oft Leute da, die den alten Amboss mitnehmen wollten oder die alten Geräte, wie den großen Schleifstein. Oder die Schränke. Aber da bleibt der 44-jährige Lee Henry eisern. Vielmehr beschreibt der Engländer, der seit neun Jahren mit seiner Familie auf dem Grundstück an der Bruchstraße Ecke Schaftstrift wohnt, was er einmal mit dem alten Gebäude machen möchte: eine urgemütliche Schmiede-Gaststätte, eine historisch geprägte Wirtschaft, eine Art Schmiedemuseum, in dem die alte Handwerkskunst nachvollzogen werden kann. „Das braucht aber noch ein wenig Zeit…“, übersetzt Tochter Samantha vorsichtig den Traum ihres Vaters.

Dabei ist nach den Darstellungen des ehemaligen Meißendorfer Heimatpflegers Dirk Kraemer die frühere Schmiede die Namensgeberin der westlichsten Straße in dem neu erschlossenen Baugebiet in Meißendorf. Bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts sei die Schmiede nicht nur ein Treffpunkt bei ungünstiger Witterung gewesen, sondern vor allem auch für die Gesundheit der Pferde unverzichtbar.

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Daran erinnert sich auch Gustav Thies (83), der in Meißendorf geboren ist und in der Nachbarschaft der Schmiede aufwuchs: „Nach meinem Wissen war seit 1930 hier eine Schmiede.“ Da gab es den Holzbohlenfußboden, auf dem die Pferde zum Beschlagen standen. „Ja, ja, beim Pferdebeschlag traf man sich immer.“ Eigentlich kam man öfter, als neue Hufeisen nötig waren. „Damals wurde noch sehr viel repariert.“ Pflüge, Wagenräder und andere landwirtschaftliche Gerätschaften.

Als Zehnjährige zog Wilhelmine Dettmer 1930 auf das Land mit der Schmiede, in der sich ihr Vater, der Schmiedemeister Wilhelm Soltau, selbstständig gemacht hatte. „Es gab damals eine Annonce in der Schmiedezeitung, dass in Meißendorf ein Schmied gesucht wurde“, erinnert sich die 89-Jährige an ihren Umzug von Altenmedingen nach Meißendorf. „Da wurde sofort mit viel Fleiß angefangen, umzubauen: Die Schmiede war eine Scheune mit Schweinestall.“

Auch ihr Bruder wurde Schmiedemeister. Der letzte in Meißendorf. „Die Gemeinde Winsen hätte die Schmiede kaufen müssen, als sie Ende der 80er Jahre schloss“, sind sich Thies und Dettmer einig. „Das wäre ein Schmuckstück gewesen, das hätte so erhalten bleiben müssen.“

Aber wenn sich die Träume von Lee Henry erfüllen, ist die Schmiede bald ein Schmuckstück, in dem man sich wieder wie früher gern trifft.

Winser Geschichtsblätter: Archivarin Annegret Main empfiehlt die neueste Ausgabe der Winser Geschichtsblätter. Schließlich wird auch über einen Flugzeugabsturz, über die Thörener Bastelfrauen und über Häuser in Bannetze berichtet: „Die Geschichtsblätter liegen im Rathaus, beim Verkehrsverein und in vielen Winser Geschäften für fünf Euro zum Verkauf.“

Von Lothar H. Bluhm