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Winsen Polizist muss Schmerzensgeld zahlen
Celler Land Winsen Polizist muss Schmerzensgeld zahlen
16:44 14.07.2011
Von Simon Ziegler
Lüneburg: Beschluss im Fall E. erwartet Quelle: nicht zugewiesen
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Meißendorf

LÜNEBURG. Dreieinhalb Jahre, nachdem ein Celler Polizist ein damals 17-jähriges Mädchen aus Meißendorf in der Disco Inkognito krankenhausreif geschlagen hat, gibt es ein Urteil. Das Landgericht Lüneburg verkündete am Mittwoch, dass der Beklagte dazu verurteilt wird, an die Klägerin Raphaela E. aus Meißendorf 4429,75 Euro plus Zinsen zu zahlen. Zudem wird der heute 32 Jahre alte Mann verpflichtet, E. alle weiteren materiellen und immateriellen Schäden zu ersetzen, also beispielsweise Kosten für Operationen, wenn diese medizinisch notwendig sein sollten.

Die heute 21-jährige Frau äußerte sich in einer ersten Reaktion enttäuscht über das Urteil. Sie hatte 8000 Euro Schmerzensgeld gefordert. „Wirklich toll ist es nicht, ich finde das Urteil nicht gut“, sagte sie. Nach ihren Angaben habe ein vom Gericht in Auftrag gegebenes unabhängiges Gutachten ergeben, dass ihre Wange für immer taub bleibe. Zudem nehme sie bis heute regelmäßig Schmerztabletten. Die Meißendorferin klagt auch über Nasenbluten.

Am 17. Februar 2008 hatte der Polizist, der als Privatmann im Inkognito war, gegen vier Uhr morgens dem 17-jährigen Mädchen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dem voraus sollen Annäherungsversuche gegangen sein, bis Raphaelas Freund dazwischen ging. Das Mädchen erlitt bei dem Schlag des Mannes einen dreifachen Bruch der Nase und eine Fraktur des Augenhöhlenbodens, so ihr Anwalt Uwe Beller. Das strafrechtliche Verfahren war gegen eine Geldauflage von 900 Euro im Mai 2009 eingestellt worden. „Er hat sich freigekauft“, sagte Beller damals, der von einem „Deal“ sprach. Daraufhin strengte das Opfer ein zivilrechtliches Verfahren an. Erstmals in einem Gerichtsaal wurden die Vorfälle Ende 2010 in Lüneburg verhandelt. Das Gericht vernahm mehrere Zeugen.

Der Anwalt kündigte nach dem Urteilsspruch vom Mittwoch an, mit dem Opfer zu prüfen, ob es sinnvoll sei, gegen das zivilrechtliche Urteil in Berufung zu gehen. Traditionell seien deutsche Gerichte bei der Bemessung von Schmerzensgeld sehr zurückhaltend, kritisierte er.

Der Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg, der frühere Celler Sprecher Guido Koch, sagte gestern der CZ, dass es nach Abschluss des Strafverfahrens 2009 ein dienstrechtliches Verfahren gegen den Mann gab. Die Prüfung durch die Polizei habe eine disziplinarrechtliche Ahndung zur Folge gehabt, so Koch. Details nannte er nicht.

Ute Rettel, Anwältin des Beklagten, verwies darauf, dass das Gericht Anfang 2011 einen Vergleichsvorschlag gemacht habe. Demnach hätte sich ihr Mandant bereit erklärt, 4800 Euro zu zahlen. Das sei von der Gegenseite abgelehnt worden. Allerdings hätte dieser Vergleich vorgesehen, dass alle weiteren Ansprüche abgegolten wären. Laut Rettel habe das Gericht nicht feststellen können, dass es sich um eine vorsätzliche Körperverletzung gehandelt habe.