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Winsen Prozessauftakt in Stade
Celler Land Winsen Prozessauftakt in Stade
13:21 13.06.2010
Von Simon Ziegler
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Winsen (Aller)

Im Prozess um die tödliche Messerattacke auf zwei junge Frauen aus Winsen auf einem Campingplatz in Cuxhaven hat der Angeklagte die Bluttat gestern gestanden. Weil er die Trennung von seiner Freundin Nadine T. nicht verwunden habe, habe er die 27-Jährige und ihre gleichaltrige Bekannte Anne G. im August 2009 getötet, sagte der 30-jährige Thomas H. zum Prozessauftakt. „Ich bedauere und bereue das zutiefst.“ Er habe „wie im Rausch“ immer wieder auf die beiden Frauen eingestochen, erklärte der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft legt dem bisher nicht vorbestraften Mann aus Peine Mord und Totschlag zur Last.

Die beiden Freundinnen hatten beide in Winsen gelebt. Nadine T. stammt aus Einbeck und lebte ab 2006 in Wieckenberg. Im April 2008 zog sie in die Celler Westkreis-Gemeinde in ein ehemaliges Seniorenwohnheim an der Wolthäuser Straße. Sie hatte im Jahr 2008 als Heilerziehungspflegerin in einem Alten- und Pflegeheim in Hornbostel gearbeitet. Zuletzt war sie in einem Heim für psychisch Kranke in Wieckenberg beschäftigt. Ihre Freundin Anne G. zog im Jahr 2008 aus Laatzen nach Winsen. Sie soll in der Celler Straße gelebt haben.

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Der 30-jährige mutmaßliche Täter stand dem Gericht zwei Stunden lang Rede und Antwort und schilderte zitternd unter Tränen die Tatnacht. Der gelernte Gabelstaplerfahrer war zu dem Campingplatz gefahren, wo die beiden Frauen ihren Urlaub verbrachten. Ein Küchenmesser habe er mitgenommen, räumte er ein. Eine Tötungsabsicht aber habe er nicht gehabt. „Nein, warum auch? Ich wollte sie zurückhaben“, erklärte er. Er habe mit dem Messer lediglich die Reifen von Nadines Auto zerstechen wollen, damit sie ihn anrufe und um Hilfe bitte. Seinen Plan aber habe er nicht in die Tat umgesetzt.

Eigenen Angaben zufolge drang er in den Wohnwagen ein und saß mehr als eine Stunde lang an Nadines Bett, beobachtete sie beim Schlafen. Irgendwann sei seine Ex-Freundin aufgewacht und habe ihn bemerkt, sagte er. Er habe ihr gesagt, dass er sie liebe, doch sie habe ihn mit den Worten beschimpft: „Du blöder Ossi, du glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich zurücknehme“, sagte der in Dresden geborene Angeklagte. Da habe er schließlich zugestochen. Der Lärm weckte die andere Frau, auch sie tötete er. Wenige Stunden später nahm ihn die Polizei fest.

Der Tat war offenbar ein monatelanges Hin und Her in der Beziehung vorausgegangen. Der Angeklagte gab an, das spätere Opfer im August 2008 im Internet kennengelernt zu haben. Im Juli 2009 habe die 27-Jährige mit ihm Schluss gemacht.

Seit dem 26. August sitzt Thomas H. in Untersuchungshaft. Die Kammer hat bis zum 1. Februar fünf Verhandlungstage anberaumt.