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Winsen Raritäten auf Wiese im Celler Land
Celler Land Winsen Raritäten auf Wiese im Celler Land
18:07 25.07.2016
Bannetze

Lammers geht mit offenen Augen durch die Landschaft und hat einen Blick für alles, was wächst und blüht. Auch in der Vogelwelt kennt er sich aus und bemerkt, wenn seltene Exemplare im Celler Luftraum unterwegs sind. Den Hohlzahn hat er vor Jahren bei einer Wanderung mit Experten im Raum Bispingen gesehen. Zwei Pflanzen standen dort. Auf einer kleinen Wiese, deren Lage Lammers nicht preisgeben will, hat der 61-Jährige zwölf weiß blühende und sogar zwei rot blühende Hohlzahn-Pflanzen entdeckt. Von den roten soll es in ganz Niedersachsen nur noch fünf geben.

Die Pflanzen lieben leichte Böden, die nicht zu viel Kalk enthalten dürfen. "Dort ist kein Pflanzenschutz betrieben worden", gibt er als Grund für das Vorkommen der seltenen Blüher an. Vor fünf Jahren hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz auf der Fläche Ackerwildkräuter angesät. Entdeckt hat Lammers in der vorletzten Woche erst die weißen Blüten, denn diese Pflanzen sind deutlich höher als die mit den roten oder eher rosa bis violett gefärbten Blüten. Stängel, Blätter und Kelch sind behaart, der Mittellappen der Unterlippe weist einen gelben Schlundfleck auf. Die Blütezeit des Hohlzahns ist im Juli und August.

"Ich bin so glücklich, dass das geklappt hat", sagt der Bannetzer, denn gehofft hat er schon, dass die Pflanzen auftauchen. Jetzt hofft er, dass nach der Blüte auch die Saat auf fruchtbaren Boden fällt und im kommenden Jahre weitere Pflanzen auflaufen. Das Saatgut halte nicht ewig.

Mit der Pracht seltener Pflanzen kann es schnell wieder vorbei sein. Etwa wenn gespritzt wird. Erlebt hat Lammers schon, dass nach einem Spritzeinsatz Orchideen, die mit dem Begriff Knabenkraut bezeichnet werden, verschwanden. Auch weiß der Bannetzer, dass seltene Pflanzen einfach ausgegraben und im heimischen Garten angesiedelt werden. "Lungen-Enzian war nach einer Führung einfach weg", sagt er. Die Enzian-Art ist in Deutschland ebenfalls stark gefährdet.

Der Saat-Hohlzahn soll nicht "verschleppt" werden, weshalb sich Lammers auch bedeckt hält, wenn er nach dem Standort gefragt wird. "Ich will ihn erhalten", sagt der Bannetzer.

Wenn er in der Natur unterwegs ist, richtet er seinen Blick nicht nur auf den Boden, sondern nimmt auch die Vogelwelt wahr. Vergangenes Jahr hatte er ein besonderes Erlebnis: Unweit seines Heimatortes sah er fünf Steinschmätzer. Das war gleich das komplette Vorkommen des gefährdeten Vogels im Landkreis.

Von Joachim Gries