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Winsen Kritischer Blick auf Hermann Löns
Celler Land Winsen Kritischer Blick auf Hermann Löns
06:00 08.10.2019
Von Simon Ziegler
Umstrittenes Symbol: Auf dem Hermann-Löns-Stein in Winsen ist eine Wolfsangel abgebildet.
Winsen

Schüler der Winser Oberschule wollen einen kritischen Blick auf Hermann Löns werfen. In einem gemeinsamen Projekt mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen werden sie sich mit dem Löns-Gedenkstein in der Gemeinde auseinandersetzen. Auf dem, der an der Allerbrücke steht, ist eine Wolfsangel zu sehen.

Viele Diskussionen um Denkmäler

Die Deutung von Geschichte ist Wandlungen unterworfen: Was früher angemessen erschien, wird heute kritisch gesehen oder abgelehnt. Vielerorts gibt es deshalb Diskussionen um Straßenumbenennungen oder um Denkmäler – insbesondere, wenn diese im Zusammenhang mit der NS-Zeit stehen, heißt es bei der Gedenkstätte.

Lange galt Löns als unpolitischer Heidedichter

Der Hermann-Löns-Gedenkstein wurde 1966 aufgestellt. Lange galt Löns als unpolitischer „Heidedichter“. Heute würden seine Werke jedoch zunehmend im Kontext des Anfang des 20. Jahrhunderts aufkommenden völkischen Denkens gesehen, das ideologisch den Weg zur NS-Diktatur ebnete, so die Gedenkstätte. Entsprechend nutzten die Nationalsozialisten den Löns-Kult für ihre Blut-und-Boden-Propaganda.

Hinweistafel soll einordnen

Am Löns-Gedenkstein in Winsen soll eine erläuternde Hinweistafel aufgestellt werden. Die Inhalte der Tafel werden Winser Schüler unter Leitung von Lehrer Dominic Sauerbier in enger Kooperation mit der Gemeinde Winsen und der Gedenkstätte Bergen-Belsen erarbeiten. Den Startschuss für das Projekt gaben jetzt Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann, der Leiter der Schule im Allertal, Bodo Theel, und der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Jens-Christian Wagner.

Bürgermeister und Schulleiter stehen hinter Projekt

„Die deutsche Geschichte, gerade die von den Nazis beeinflusste, begegnet uns auch heute noch an vielen Stellen in unserer Gemeinde. Es ist wichtig, gerade das Augenmerk der jungen Generation darauf zu legen und ihr ein Gefühl dafür zu vermitteln, was kritisch gesehen werden muss und was nicht. Die Wolfsangel zum Beispiel war jahrhundertelang ein unkritisches Symbol, das vor gut 100 Jahren 'zweckentfremdet' wurde. Man kann es nicht ausradieren, also muss man wissen, dass es in alten Wappen seine Berechtigung immer noch hat, im politischen Kontext aber völlig unangebracht und sogar verboten ist“, merkt Winsens Bürgermeister Oelmann als Motiv für das gemeinsame Projekt an.

Gemeinsames Projekt (von rechts): Bürgermeister Dirk Oelmann, Schulleiter Bodo Theel, Projektleiter Dominic Sauerbier und Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Schulleiter Bodo Theel ergänzt: „Wir sehen es als unsere Pflicht und Verantwortung an, dass unsere Schüler über die Bedeutung dieser alten Symbole Bescheid wissen, denn oftmals werden diese Zeichen leichtfertig benutzt, ohne dass unsere Schüler über die Hintergründe Bescheid wissen“, so Theel.

"Kritisches Geschichtsbewusstsein fördern"

„Unsere Aufgabe ist es, kritisches Geschichtsbewusstsein in der Gesellschaft zu fördern“, sagte Wagner. „Mit dem Gemeinschaftsprojekt wird am Löns-Stein ein neuer Lernort entstehen, der Hermann Löns und das Symbol der Wolfsangel wissenschaftlich fundiert in einen sozial- und ideologiegeschichtlichen Kontext stellt.“

Debatte um Lindhorst-Wolfsangel

Bereits im Frühjahr war in Winsen hitzig über eine Wolfsangel diskutiert worden. Stein des Anstoßes war ein Findling der Familie Lindhorst an der Einfahrt zu ihrem Privatgelände in Schmalhorn. Auf dem Stein steht der Name Lindhorst, außerdem ist eine Wolfsangel abgebildet. Wagner hatte Jürgen Lindhorst, viele Jahre Kopf der Lindhorst-Gruppe, kritisiert – auch weil man auf dem Weg zur Gedenkstätte an dem Stein vorbeifährt. Der Unternehmer hatte darauf verwiesen, dass die Wolfsangel auf etlichen Städte- und Familienwappen abgebildet sei.

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