Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Winsen Sonderausstellung des Heimatvereins öffnet am Sonntag
Celler Land Winsen Sonderausstellung des Heimatvereins öffnet am Sonntag
14:58 13.06.2010
Sonderausstellung "Winsen um1885": Felicitas Bergner zeigt einige Ausstellungsstücke. Quelle: Anne Friesenborg
Anzeige
Winsen (Aller)

Zwischen Butterfass, Karren und Sense kniet Felicitas Bergner über einem kleinen Karton. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Heimatvereins Winsen nimmt vorsichtig ein filigran besticktes Taufkleid in die Hände – vielleicht eines der schönsten Stücke, die ab morgen im „Dat Groode Hus“ auf dem Winser Museumshof gezeigt werden.

„Das Kleid stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde ursprünglich als Brautkleid genäht“, erklärt Bergner. Später sei es dann umgearbeitet und von zwei Generationen als Taufkleid benutzt worden. „Damals hat man alles geflickt oder wiederverwertet“, sagt Bergner. „Das war noch eine ganz andere Zeit.“

Anzeige

Eine Zeit, in die jetzt die Sonderausstellung „Winsen um 1885“ entführen soll. Pünktlich zum 125-jährigen Jubiläum des Celler Landkreises hat der Winser Heimatverein mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Helfer Ausstellungsstücke zusammengetragen, die bis zum 30. Mai einen Einblick in das Leben auf dem Lande im Jahr 1885 ermöglichen soll. Aufgeteilt ist die Ausstellung in die Bereiche Verwaltung, Landwirtschaft, Schule, Kirche und Brandverhütung.

„Die Ausstellungsstücke stammen alle aus privaten Spenden von Winser Bürgern“, erklärt Bergner. Alte Schulbücher sind ebenso darunter zu finden wie ein Löscheimer. „Jeder Haushalt hatte damals so einen Ledereimer“, sagt Bergner. Durch die offenen Feuerstellen in den Bauernhäusern sei es um 1885 oft zu Bränden gekommen. Das Löschen war zu dieser Zeit noch mühsame Handarbeit.

„Wir wollen hier kein Bild idealisieren, sondern zeigen, wie das Leben auf dem Land damals wirklich war“, erklärt Bergner. Winsen war im 19. Jahrhundert ländlich-bäuerlich geprägt, die Menschen waren Selbstversorger. Ihr Alltag war hart, anstrengend und gefährlich. „Umso interessanter ist es, was die Menschen sich damals haben einfallen lassen, um sich das Leben zu erleichtern“, sagt Bergner. Butterfass und Handwagen gehören zu jenen Utensilien, die die tägliche Arbeit ein Stück einfacher machten.

Neben den Gegenständen von damals zeigt die Ausstellung auch das Modell einer Bockwindmühle, das Otto Taxweiler entworfen hat. „In Winsen steht im Mühlenweg auch das Original, die einzig noch existierende Bockwindmühle im Celler Landkreis“, erklärt Bergner, die überzeugt ist: „Die Besucher werden besonders an den vielen Objekten Spaß haben.“ Sie selbst findet das Thema mehr als spannend: „Bei jeder Ausstellung lernt man etwas dazu.“

Vortrag: Den Eröffnungsvortrag hält am Sonntag, 18. April um 11.30 Uhr Martin Stöber vom niedersächsischen Institut für Historische Regionalforschung, Hannover.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist mittwochs und sonnabends von 15 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr und vom 1. Juni bis 31. August zusätzlich von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für den Museumshof beträgt drei Euro.

Führungen: Auf Anfrage finden Führungen – beispielsweise für Schulklassen – auch außerhalb der Öffnungszeiten statt. Informationen gibt es beim Winser Heimatverein unter s (05143) 8140 oder www.winser-heimatverein.de

Von Birte March