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Winsen Straßensanierung hat Wolthäuser finanziell ruiniert
Celler Land Winsen Straßensanierung hat Wolthäuser finanziell ruiniert
17:00 16.01.2018
Von Simon Ziegler
"Ich war absolut am Ende": Bernd Beckmann vor seinem Elternhaus in Wolthausen. Quelle: Oliver Knoblich
Wolthausen

Angefangen hat das finanzielle Desaster mit der Sanierung der Straße vor seinem Haus, sagt er. Es geht um das Grundstück an der Straße An der Örtze, es ist „das größte und älteste Gebäude in Wolthausen“, so der 55-Jährige.

Über das Thema Straßenbeiträge wird in Winsen derzeit heiß debattiert. Ende des Monats will der Gemeinderat entscheiden, ob die Straßenausbaubeiträge abgeschafft werden und die Grundsteuer stattdessen drastisch erhöht wird. Beckmann fände das unfair, nachdem er seinen Straßenbeitrag mühsam abgezahlt hat.

„Am 5. November 2000 kam die Rechnung“ – das Datum weiß Bernd Beckmann noch ganz genau. 80.000 Mark sollte er für die Sanierung der Straße bezahlen. Erst dachte er an einen schlechten Scherz, ging er doch von einem viel niedrigeren Betrag aus. Doch die Gemeinde hatte keinen Witz gemacht. Die Anlieger An der Örtze bekamen nicht nur eine neue Straße, sondern auch einen Abwasseranschluss – zu zahlen von den Grundeigentümern. Erschwerend kam für Beckmann die Größe des Anwesens, das früher landwirtschaftlich genutzt wurde, hinzu.

Jahrelang musste Bernd Beckmann seine Raten abbezahlen, bis letzten Monat. „Ich habe die Wiese hinter dem Haus verkauft, um meine Restschuld zu tilgen“, sagt der Wolthäuser. Eigentümer seines Elternhauses war er da schon längst nicht mehr.

Im Jahr 2014 lagen seine Gesamtschulden bei 80.000 Euro. Eine teure Heizungssanierung und eine neue Küche hatten das finanzielle Elend verschlimmert. Vor allem aber verlor er seinen Job als stellvertretender Leiter eines Baumarktes. „Ich war absolut am Ende.“ Die Kredite konnte er nicht mehr bedienen. Er dachte darüber nach, das Haus zu verkaufen. Doch niemand wollte ihm ein akzeptables Angebot machen, weil das Dach des über 500 Quadratmeter großen Hauses marode ist. Bernd Beckmann entschied sich, das Haus mitsamt der Kredite auf seine Kinder zu überschreiben. Die zahlen jetzt seine Schulden für Küche und Heizung ab.

Der 55-Jährige, der seit ein paar Monaten im Sicherheitsgewerbe arbeitet, hat eine eindeutige Meinung, sollten die Gemeindevertreter die Straßenbeiträge kippen. „Klares Nein zur Grundsteuererhöhung. Das ist für alle, die ihre Anliegerstraßenkosten bezahlt haben, ein Schlag ins Gesicht“, sagt Beckmann. Zwar wäre er nicht mehr direkt betroffen, aber seine Kinder würden dann „die Straße ein zweites Mal bezahlen“, sagt er. Beziehungsweise die neuen Straßen von anderen finanzieren. Wolthausens Ortsbürgermeister Christian Peters sagt, dass er Verständnis dafür hat, dass „Bürger, die jahrelang Straße und Kanal abgezahlt haben, jetzt wenig begeistert sind, wenn sie deutlich mehr Grundsteuer bezahlen sollen.“

So wie Bernd Beckmann dürften viele Winser Hausbesitzer denken, die in den vergangenen Jahren „ihre“ Straße bezahlt haben. Sollte jetzt die Grundsteuer in Winsen verdoppelt werden, wie im Gespräch ist, würden sie quasi zweifach bestraft. Bei Politik und Verwaltung ist das Problem bekannt. Das Dilemma: Es gibt keine gerechte Lösung. Vor einigen Wochen hatte der Südwinser Martin Florian berichtet, dass er 50.000 Euro für die Sanierung der Straßen In den Dünen und Am Weinberg zahlen soll. Er hofft, dass die Straßenausbaubeiträge abgeschafft werden. Das sei viel gerechter, argumentiert er. Die Kosten seien für jeden planbar, außerdem werde die Last auf alle Straßennutzer verteilt – und nicht nur auf die Immobilienbesitzer.

Es ist eine Frage der Perspektive.

Dreifeldhalle, Jugendzentrum und Sportpark: Im Winser Westen soll in diesem Jahr Baubeginn für das nächste Millionen-Projekt in der Gemeinde sein. Im ersten Schritt sollen hinter dem Oberschulkomplex am Meißendorfer Kirchweg Jugendzentrum und Sporthalle errichtet werden. Baubeginn soll in der zweiten Jahreshälfte 2018 sein, sagte Bürgermeister Dirk Oelmann. Die Fertigstellung ist für Ende 2019 geplant.

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Erneut kursieren im Internet Fotos, die einen Wolf mitten in Winsen zeigen sollen. Gestern Nachmittag wurden bei Facebook Bilder eines wolfsähnlichen Tieres an der Bahnhofstraße in Südwinsen veröffentlicht. Die Bilder sollen gestern entstanden sein.

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Lange hat er mit sich gerungen, jetzt ist es raus: Amtsinhaber Dirk Oelmann will bei der Winser Bürgermeister-Wahl im Oktober erneut kandidieren. Das bestätigte der 50-jährige Sozialdemokrat gegenüber der CZ. „Ich will unsere Heimatgemeinde in die Zukunft führen und für Winsen etwas erreichen“, begründete Oelmann seine erneute Kandidatur.

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