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Der Norden Herrchen stirbt nach Schmusen mit Hund an Infektion
Der Norden Herrchen stirbt nach Schmusen mit Hund an Infektion
15:30 28.11.2019
Die Zunge eines Hundes. Foto: Victoria Bonn-Meuser/dpa/Archivbild Quelle: Victoria Bonn-Meuser

Bremen (dpa) - In einem medizinischen Ausnahmefall ist ein Mann in Bremen nach dem Schmusen mit seinem Hund an einer Infektion gestorben. Bei dem 63-jährigen Patienten sei das Bakterium Capnocytophaga canimorsus nachgewiesen worden, das im Hundespeichel vorkommt, berichten die behandelnden Ärzte vom Rotes-Kreuz-Krankenhaus RKK in der Hansestadt.

Der Mann kam im August 2018 mit Anzeichen einer schweren Blutvergiftung ins Krankenhaus. Er starb trotz Behandlung mit Antibiotika rund zwei Wochen später an multiplem Organversagen, schreiben die Ärzte im «European Journal of Case Reports in Internal Medicine». Der Mann sei zwar zuvor von seinem Hund abgeleckt, aber nicht gebissen worden.

Das Infektionsrisiko bei Tierbissen ist bekannt. Die Infektion könne aber auch durch Lecken erfolgen, wenn der Erreger in kleine Hautdefekte eindringt, berichtete das RKK. Wenn es zu einem schweren Verlauf komme, spielten meist Risikofaktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, Alkoholkrankheit oder eine Milzentfernung eine Rolle, sagte Martin Langenbeck, Chefarzt der Notaufnahme am RKK. Der Bremer Patient gehörte aber zu keiner dieser Risikogruppen.

Das RKK betont, wie selten dieser spezielle Fall ist. Weltweit sei bislang erst ein weiterer Patient mit einem so schweren Krankheitsverlauf bekannt, der weder gebissen wurde, noch ein geschwächtes Immunsystem aufwies.

Das Krankenhaus wollte deshalb keine Verhaltensregeln aufstellen, dass man besser nicht mit seinen Haustieren schmust oder sich ablecken lässt. «Wenn man aber Symptome bekommt, die sehr merkwürdig sind, und man hat ein Haustier, dann sollte man das dem Arzt mitteilen», sagte eine Sprecherin am Donnerstag der dpa.

Der Erreger Capnocytophaga canimorsus findet sich häufig in der Mundschleimhaut von Hunden und in der Mundhöhle von Katzen, wie Lisa Sprague vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena auf Anfrage erklärt. In ganz seltenen Fälle sei es auch bei Kaninchen gefunden worden.

«Humane Infektionen sind in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa, Australien und Südafrika aufgetreten», sagte Sprague, die zu Zoonosen forscht. Zoonosen sind Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Eine Infektion mit Capnocytophaga canimorsus sei nach allen Studien extrem selten, verursache aber schwere Krankheitsverläufe, sagte Sprague. Das Löffler-Institut ist auf Tierkrankheiten spezialisiert.

Der Bremer Chefarzt Langenbeck zog das Fazit: «Lassen Sie Tierbisse immer vom Arzt reinigen und versorgen, damit möglichst wenig Keime in die Wunde gelangen und die Gefahr schwerer septischer Verläufe reduziert wird!» Bei Tierbissen sollten Menschen mit hohem Infektionsrisiko Antibiotika erhalten. Die Frage einer generellen Vorbeugung mit Antibiotika nach Hunde- oder Katzenbissen sei nicht abschließend geklärt.

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