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Der Norden Niedersachsen will muslimische Gefängnisseelsorge verbessern
Der Norden Niedersachsen will muslimische Gefängnisseelsorge verbessern
06:21 18.02.2020
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Osnabrück

Osnabrück (dpa/lni) - Niedersachsen möchte die vor sieben Jahren eingeführte muslimische Gefängnisseelsorge weiter verbessern. An der Universität Osnabrück wird dazu am Dienstag (13.00 Uhr) ein Forschungsprojekt vorgestellt, das die Professionalisierung der muslimischen Seelsorge hinter Gittern zum Ziel hat. Hintergrund ist ein Eckpunktepapier, in dem die Bundesländer sich darauf verständigt haben, die Seelsorge für Muslime auf demselben Niveau wie die christliche Seelsorge anzubieten. Unter anderem geht es um die professionelle Ausbildung der Seelsorger. Für das Forschungsprojekt in Osnabrück ist das Institut für Islamische Theologie gemeinsam mit dem Justizministerium zuständig.

Wie das Ministerium mitteilte, wächst der Anteil muslimischer Gefangener in Niedersachsen. Im Jugendvollzug liegt der Anteil zur Zeit bei rund 30 Prozent, im Erwachsenenvollzug bei etwa 20 Prozent. Das bedeutet, dass es in niedersächsischen Gefängnissen derzeit rund 1000 Häftlinge muslimischen Glaubens gibt. Um sie kümmern sich derzeit 23 muslimische Seelsorger, die für ihren zumeist ehrenamtlichen Einsatz geschult worden sind.

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Eine erste Vereinbarung zwischen dem Land und den muslimischen Verbänden zur Gefängnisseelsorge, die es zuvor bereits vereinzelt gab, wurde Ende 2012 geschlossen. Neben Imamen entsenden die Verbände auch geschulte Helfer in die Haftanstalten. 2014 wurde die Zusammenarbeit aufgewertet und die Seelsorger wurden offiziell vom Ministerium berufen. Seit 2016 gibt es gemeinsame Fortbildungen von muslimischen und christlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern. Seit 2015 bietet das Institut für Islamische Theologie in Osnabrück zudem einen Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Seelsorge an.

Der muslimischen Seelsorge in Haftanstalten messen die Behörden auch vor dem Hintergrund der Prävention einer islamistischen Radikalisierung hinter Gittern hohe Bedeutung bei. Für Wirbel sorgte vor einem Jahr die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem türkischen Moscheeverband Ditib in der Gefängnisseelsorge durch das Justizministerium in Hannover. Hintergrund war eine befürchtete Einflussnahme der Türkei auf die Seelsorger der Ditib. Betroffen waren allerdings nur 3 der damals 19 Seelsorger.

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