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Der Norden Verdi: Betriebsbedingte Kündigungen keine Option bei Tuifly
Der Norden

Verdi: Betriebsbedingte Kündigungen keine Option bei Tuifly

11:10 15.06.2020
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild Quelle: Christophe Gateau
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Hannover (dpa) - Vor dem Krisengespräch mit der niedersächsischen Landesregierung zum Jobabbau bei Tuifly mahnen Gewerkschafter das Management zur Einhaltung geltender Regelungen beim Kündigungsschutz.

Es gebe eine gültige Tarifvereinbarung, die Entlassungen ausschließe, hieß es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Außerdem sehe eine bis Ende 2021 laufende Betriebsvereinbarung für den Konzern den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vor. «Wir müssen in eine konstruktive Diskussion darüber kommen, wie eine sozialverträgliche Lösung aussehen kann», betonte Verdi. «Tuifly muss in Deutschland weiterhin eine Perspektive haben.» Am Montagvormittag (ab 11.00 Uhr) sollten im Wirtschaftsministerium in Hannover Vermittlungsgespräche laufen.

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Das Kontrollgremium, in dem auch Verdi vertreten ist, hatte die Entscheidung über Details des Kürzungsprogramms bei Tuifly nach der Einladung von Minister Bernd Althusmann (CDU) zunächst vertagt. Geschäftsleitung, Betriebsräte und Gewerkschafter wollen mit dem Land nun erst einmal über die Lage beraten. Eine «Verringerung der Flotte auf nur noch 17 Flugzeuge und viele Standortschließungen» könnten nicht Ausgangsposition der Verhandlungen sein, hieß es. Zuletzt war von womöglich bis zu 900 zu streichenden Vollzeitstellen die Rede.

Auch in der Verwaltung sowie in der Technik und Wartung der Maschinen dürfe es keinen Kahlschlag geben, forderte Verdi. Vor allem die «base maintenance» - also regelmäßige, längere Checks von Flugzeugen - dürfe am Hauptstandort Hannover nach früheren Sparrunden nicht noch weiter ausgedünnt werden: «Dafür braucht man weiter qualifiziertes Personal - auch im Interesse der Flugsicherheit.» Das Management überlege, große Teile nach Großbritannien und Belgien zu verlagern.

Tuifly muss wie viele andere Airlines wegen der Umsatzeinbrüche in der Corona-Krise massiv sparen. Die Zahl der Maschinen soll etwa halbiert werden, Hunderte Arbeitsplätze und drei Standorte stehen auf der Kippe. Weite Teile der Belegschaft lehnen das als unzumutbar ab.

Der Tui-Konzern bekommt einen staatlichen Milliardenkredit, um die schlimmsten Krisenfolgen abfedern zu können. In einem Brief an die Führung warnte ein «Krisenstab» der Belegschaftsvertreter davor, mit öffentlichem Geld einen Arbeitsplatzabbau durchzuziehen. Es sei in den vergangenen Jahren überdies versäumt worden, die finanzielle Basis des Unternehmens hinreichend abzusichern - auch wegen der Auszahlung hoher Dividenden an die Aktionäre. «Pauschale Schließung von Stationen darf nicht sein», so ein Verdi-Vertreter. «Auch der Technik- und Verwaltungsstandort Hannover muss gesichert werden.»

Beim staatlich geretteten Ferienflieger Condor droht wegen der Corona-Krise ebenfalls ein Jobabbau. «Ich denke, wir werden, wie die anderen Fluglinien auch, etwa 15 bis 25 Prozent der Stellen abbauen müssen», sagte Chef Ralf Teckentrup der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Das wären bei uns zwischen 650 und 1000 Stellen.»

Von Tuifly hieß es, die möglichen Stationsschließungen bezögen sich auf Standorte, von denen bereits seit längerem keine eigenen Abflüge mehr angeboten würden. Allerdings seien dort noch einzelne Crews stationiert. Der Chef des Wirtschafts- und Energieausschusses im Bundestag, Klaus Ernst (Linke), betonte: «Wenn der Tui-Konzern Corona-Staatshilfen bekommt, muss auch Beschäftigung gesichert werden. Lösungen sind nur dann akzeptabel, wenn sie gemeinsam mit den Verdi-Vertreterinnen und -Vertretern getragen werden.»