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Hintergrund Probleme früh erkennen
Mehr Hintergrund Probleme früh erkennen
15:59 15.11.2018
Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle

17 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 7 und 17 Jahren haben eine psychische Auffälligkeit. Das sind weniger als noch vor rund 10 Jahren. Da waren es nach der Langzeitstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland des Robert-Koch-Instituts (KIGGS-Studie) 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen.

Wie Professor Anke Bramesfeld, Referentin im Referat Psychiatrie im Niedersächsischen Sozialministerium, jetzt während der Gesundheitskonferenz des Landkreises Celle betonte, seien insbesondere die Verzahnung und die bessere Kooperation der Anbieter von Hilfen auf regionaler Ebene im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie – zum Beispiel durch die Gesundheitsregionen – das Interesse des Landes Niedersachsen. „Dazu hat die Landesregierung 2016 den Landespsychiatrieplan herausgegeben, der die politischen Ziele im Bereich Psychiatrie und psychische Gesundheit für die nächsten zehn Jahre definiert.“

Entsprechend werden Projekte und Vorhaben, die zur Umsetzung des Landespsychiatrieplanes beitragen, gefördert. „Unter anderem wird die Landesregierung im kommenden Jahr die Implementierung von Gemeindepsychiatrischen Zentren mit Geldern fördern“, sagte Bramesfeld.

Die Ergebnisse von KIGGS zeigen, dass das Risiko für psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen veränderbar ist. In den zehn Jahren seit der ersten KIGGS-Erhebung sei eine Reihe von unterschiedlichen Dingen umgesetzt worden, von denen angenommen wird, dass sie einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben. So seien durch verbesserte Kita-Betreuung und Schulprojekte zu einer besseren Konflikt- und Aggressionsbewältigung Schritte der Gesundheitsförderung und universellen Prävention psychischer Störung vorgenommen worden. Hinzu komme auch das Einführen des gezielten Screenings für Verhaltensauffälligkeiten in den Vorsorgeuntersuchungen U6 und U11. Bramesfeld: „Koordination und Kooperation geht nur vor Ort, da wo das Leben der Menschen stattfindet und da wo die Anbieter von Hilfen agieren. Und hier kommen die Gesundheitsregionen ins Spiel, denn die können ein geeignetes Instrument sein, um die Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Risiko für psychische Störungen und Erkrankungen besser miteinander zu vernetzen.“

Die Konferenz widmete sich auch der Frage, was bei Kindern und Jugendlichen noch normales Verhalten im Zuge der Entwicklung ist und ab wann es auffällig wird. Der Leiter der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Celle, Stephan Förster, stellte fest, dass Depression und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) die häufigsten Diagnosen der über 100 Celler Patienten seien, bei denen die durchschnittliche Therapie etwa drei Monate dauert. Allerdings betragen die Wartezeiten sechs bis zwölf Wochen. „Das führt zu Frust bei den Eltern“, sagte Förster.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamburg-Eppendorf, Diplom-Soziologin Franziska Reiß, verdeutlichte, dass das Familienklima ein wichtiger Schutzfaktor ist. Ein guter Familienzusammenhalt ist dann vorhanden, wenn beispielsweise jeder auf die Sorgen und Nöte des anderen eingeht, jeder das Gefühl hat, dass ihm zugehört wird und die Familie häufig etwas gemeinsam unternimmt. „Bei Kindern mit einem guten Familienklima ist die Chance, depressive oder Angstsymptome zu zeigen, etwa halbiert.“ Und: Rund drei Viertel aller Kinder sind nicht auffällig.

Ebenfalls Teil der Konferenz war eine Diskussionsrunde mit Celler Experten zum Thema „Eine gemeinsame Herausforderung für den Landkreis Celle: Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen erkennen, vorbeugen, (be-)handeln“. Warnsignale für das mögliche Vorliegen einer psychischen Störung und wann welche Unterstützung für Eltern sinnvoll und angebracht ist, wurde aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

„Wir haben mit dem Thema offenbar einen Nerv getroffen“, fasst die Koordinatorin der Gesundheitsregion Celle, Christina Torbrügge, die Konferenz zusammen. „Viel mehr Anmeldungen hätten es nicht sein können.“ Schließlich war der Kreistagssaal voll besetzt, als sich Fachkräfte und interessierte Bürger zu dem Thema „Kinderseele in Gefahr – Psychische Probleme erkennen und handeln“ austauschten.

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Von Lothar H. Bluhm

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