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Interview Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht
Mehr Interview Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht
17:57 22.07.2011
Von Gunther Meinrenken
Jürgen Scheurer, Pressesprecher von Verivox Die Energieunternehmen drehen wieder kräftig an der Preisschraube. Ist nicht irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht? - Leider nicht, ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Zum 1. August und zum 1. September planen 90 Unternehmen eine Erhöhung der Tarife um durchschnittlich 11 Prozent. Wir gehen davon aus, dass noch im August weitere Erhöhungen für Oktober angekündigt werden. - Also rechtzeitig vor dem Winter. - Es ist schon ein Ritual bei den Versorgern, vor der Heizperiode den Gaspreis zu erhöhen. - Worin liegen die Ursachen für die jetzige Erhöhung? Viele Versorger begründen ja die Preissteigerung mit der Ölpreisbindung. - Die Ölpreisbindung wirkt nicht mehr so stark auf den Endverbraucherpreis wie früher. In jüngster Zeit war der Ölpreis deutlich angestiegen, aber der Gaspreis nicht. Das lag zum einen daran, dass durch die Weltwirtschaftskrise große Gasmengen auf dem Markt verfügbar waren. Zum anderen sind die unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Vorlieferanten dafür verantwortlich. Diese haben zum Teil selbst in den Verträgen mit den Gasproduzenten eine Ölpreisbindung vereinbart. Da dies zu Wettbewerbsnachteilen führen kann, wollen einige ihren Gasbezug über die Börse erhöhen. Gleichfalls haben viele Stadtwerke langfristige Verträge mit Ölpreisbindung mit den Vorlieferanten. Allerdings besorgen sich immer mehr überregionale Anbieter ihre Gasmengen über die Börse. Die Preise sind flexibler, unterliegen aber auch stärkeren Schwankungen. - Was kann der Verbraucher machen? - Den Anbieter wechseln. Die Schwankungen im Preisgefüge sind so hoch, dass es sich lohnt, einen anderen Versorger zu suchen. In Ballungsgebieten sind regelrechte Preiskämpfe zu beobachten. - Hat das Insolvenzverfahren gegen einen der bisher günstigsten Anbieter, Teldafax, nicht das Vertrauen der Verbraucher in den Anbieterwechsel erschüttert? - Die Teldafax-Kunden haben über die Jahre vie Quelle: nicht zugewiesen
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Die Energieunternehmen drehen wieder kräftig an der Preisschraube. Ist nicht irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht?

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Leider nicht, ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Zum 1. August und zum 1. September planen 90 Unternehmen eine Erhöhung der Tarife um durchschnittlich 11 Prozent. Wir gehen davon aus, dass noch im August weitere Erhöhungen für Oktober angekündigt werden.

Also rechtzeitig vor dem Winter.

Es ist schon ein Ritual bei den Versorgern, vor der Heizperiode den Gaspreis zu erhöhen.

Worin liegen die Ursachen für die jetzige Erhöhung? Viele Versorger begründen ja die Preissteigerung mit der Ölpreisbindung.

Die Ölpreisbindung wirkt nicht mehr so stark auf den Endverbraucherpreis wie früher. In jüngster Zeit war der Ölpreis deutlich angestiegen, aber der Gaspreis nicht. Das lag zum einen daran, dass durch die Weltwirtschaftskrise große Gasmengen auf dem Markt verfügbar waren. Zum anderen sind die unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Vorlieferanten dafür verantwortlich. Diese haben zum Teil selbst in den Verträgen mit den Gasproduzenten eine Ölpreisbindung vereinbart. Da dies zu Wettbewerbsnachteilen führen kann, wollen einige ihren Gasbezug über die Börse erhöhen. Gleichfalls haben viele Stadtwerke langfristige Verträge mit Ölpreisbindung mit den Vorlieferanten. Allerdings besorgen sich immer mehr überregionale Anbieter ihre Gasmengen über die Börse. Die Preise sind flexibler, unterliegen aber auch stärkeren Schwankungen.

Was kann der Verbraucher machen?

Den Anbieter wechseln. Die Schwankungen im Preisgefüge sind so hoch, dass es sich lohnt, einen anderen Versorger zu suchen. In Ballungsgebieten sind regelrechte Preiskämpfe zu beobachten.

Hat das Insolvenzverfahren gegen einen der bisher günstigsten Anbieter, Teldafax, nicht das Vertrauen der Verbraucher in den Anbieterwechsel erschüttert?

Die Teldafax-Kunden haben über die Jahre viel gespart. Die Wechselbereitschaft ist unseren Erkenntnissen nach kaum beeinträchtigt worden. Auch der Aspekt der Vorauskasse spielt unserer Meinung nach nicht die Rolle, der ihm von den Medien zugemessen wird.

Derzeit gibt es einen Trend hin zur Rekommunalisierung der Strom- und Gasversorgung. Können sich die Verbraucher Hoffnung darauf machen, dass die Preise günstiger werden, wenn die Kommunen wieder mehr das Sagen bei der Energieversorgung haben?

Wir können nicht erkennen, dass Stadtwerke oder Kommunen die Preise deutlich gesenkt hätten. Letztlich hat ja auch der Kämmerer gewisse Erwartungen, dass aus der Energieversorgung Geld in den Haushalt fließt. Um Energie billiger zu machen ist unserer Meinung der Staat gefragt, der auf Energie den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent anwenden müsste. Energie ist immerhin ein lebensnotwendiges Gut.

Ist denn langfristig durch den Umstieg auf erneuerbare Energien mit einer Preisstabilität zu rechnen?

Kurzfristig haben die Energieunternehmen dadurch höhere Kosten, etwa weil sie in neue Kraftwerke investieren müssen. Langfristig wird der Einsatz erneuerbarer Energien preisdämpfend wirken.

Welche Rolle spielt dabei Geothermie?

Geothermie ist wie Biomasse eine vielversprechende Energie, die auch in der derzeitigen Diskussion leider zu wenig beachtet wird. Leider werden die meisten Fördermittel in Solaranlagen fehlgeleitet - sie brauchen große Flächen und liefern dafür nur geringen Strommengen.