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Interview Faisal Kawusi kommt nach Celle: Comedian spricht Klartext
Mehr Interview Faisal Kawusi kommt nach Celle: Comedian spricht Klartext
18:13 18.01.2018
Von Katharina Baumgartner
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Celle Stadt

Ihr erster Name lautet Mohammad. Wie schwierig ist es, mit diesem Namen in Deutschland aufzuwachsen?

Die Probleme gab es nur in der Familie. Der Name ist Familientradition und wird weitergegeben. Wenn bei uns jemand anruft und nach Mohammad fragt, dann habe ich drei im Angebot: Meinen Vater, meinen Bruder und mich – aus organisatorischen Gründen verzichte ich deshalb auf den Namen.

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Auf der Bühne sprechen Sie immer wieder über Vorurteile. Ist das ein dankbares Thema?

Vorurteile sind Bestandteil der menschlichen Psyche. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Ich sehe mich als Sprachrohr meiner Generation – gerade auch weil ich einen Migrationshintergrund habe. Nur wenn wir über Vorurteile sprechen, wenn wir wissen, wie wir denken und fühlen, kommen sich die Kulturen näher.

Sie teilen auch gegen andere aus – zum Beispiel gegen Türken oder schwule Flugbegleiter.

Ich bin mit Türken aufgewachsen und spreche deren Sprache. Da lass ich mir nicht sagen, dass ich nicht wüsste, was da abgeht. Ich mache Witze über alles und lasse mir den Mund nicht verbieten. Und zu homosexuellen Menschen: Ich verurteile niemanden dafür, wen er liebt. Wenn es ein cooler Mensch ist, ist doch alles klar. Ich unterscheide nur zwei Typen von Menschen: die positiven und negativen. Mit Ersteren gebe ich mich ab. Schlechten Menschen gehe ich aus dem Weg, denn das sind absolute Energiesauger.

Darf man über Terrorismus Witze machen?

Wir sind tagtäglich von Terrorismus betroffen, wir hören, sehen und lesen davon. Witze sind immer eine Art Feststellung einer Tatsache und meine Form der Kritik. Wenn wir dann darüber lachen, machen wir doch genau das, was die nicht wollen.

„Keine Sorge, das ist nur mein Bauch. Kein Bombengürtel.“ Sie stoppen auch nicht davor, sich selbst durch den Kakao zu ziehen.

Ich will ein Signal senden und jungen Menschen Mut machen. Man muss sich so akzeptieren, wie man ist. Und da muss man auch mal über sich selbst lachen können. Es heißt: „Es ist ist in Ordnung, wie ich bin – egal wo ich herkomme oder wie viel ich wiege.“

Sie haben eine Lehre zum Bankkaufmann gemacht. Das klingt nach einem typisch deutschen, wenig aufregenden Job.

Ich habe mal am Fließband gearbeitet – das war langweilig. Der Bankjob war super und gar nicht öde. Ich kann gut mit Zahlen umgehen. Bei der Arbeit habe ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen gearbeitet. Mit den Kollegen habe ich noch heute Kontakt, gerade habe ich mit meinem ehemaligen Ausbilder ein Wintergrillen gemacht – er ist wirklich das Paradebeispiel eines typischen Deutschen.

Was ist denn typisch deutsch?

Das ist diese „Ich kann mich nicht beschweren“-Mentalität. Der Deutsche sagt nur etwas, wenn er meckern kann. Über Schönes wird nicht gesprochen. Aber Afghanen können wiederum auch viel von den Deutschen lernen. Ich liebe die Disziplin und das Akkurate der Deutschen.

Was können Deutsche von Afghanen lernen?

Mehr Lebensfreude. Afghanen sind unglaublich gastfreundschaftlich. Wir sind gerne unter Menschen. Wenn wir feiern, stehen da 50 Paar Schuhe vor der Tür – das ist aber keine Swingerparty, sondern eine ganz normale Familienfeier. Es läuft Musik, es wird getanzt, jemand holt die Trommeln raus und auf der Toilette werden politische Diskussionen geführt. Ich war Weihnachten mal bei meiner Ex-Freundin. Das war nur Kuchen und Quatschen – das ist nicht so meine Welt.

Über was können Sie gar nicht lachen?

Gewalt und Machtmissbrauch – in der Politik und auch unter den Geschlechtern. Wenn Männer ihre Frauen schlecht behandeln und sie gar schlagen, das geht gar nicht. Auch für Homophobie und Sexismus fehlt mir jedes Verständnis.

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