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Mittendrin Celler Immobilien zu alt
Mehr Mittendrin Celler Immobilien zu alt
17:56 28.06.2010
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Celle Stadt

„Celle schafft es nicht, die Attraktivität im Vergleich zu Hannover zu stärken. Wir haben hier auffällig wenige Neubauten zu verzeichnen. Es wird nahezu nur mit Bestandsimmobilien gehandelt – und das sind alte 60er-, 70er- und 80er-Jahre-Bauten“, sagt Bernd Peschke, LBS-Gebietsleiter für Celle und Soltau-Fallingbostel. Diese Kluft zwischen Hannover und Celle schlägt sich nicht nur auf der Qualitätsebene, sondern auch bei den Immobilienpreisen durch: Hannover ist Niedersachsens teuerste Großstadt. Für gebrauchte Reihenhäuser werden in der Landeshauptstadt die höchsten Preise verlangt. Der mittlere Standardpreis eines 110 Quadratmeter großen Reihenhauses liegt bei 1491 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Stadtgebiet von Celle sind es 1052 Euro. Nachzulesen ist dies im Kaufpreisspiegel der LBS Nord für das erste Quartal 2010. Die Auswertung wird in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut empirica erstellt. Peschke ruft in Erinnerung, dass die letzten Neubauaktivitäten in Celle „sechs Jahre her sind“ – in Wietzenbrauch. Dabei sehe es auf der Nachfrageseite für die meist unter 100 Quadratmeter großen Wohnflächen „im Moment gut aus“. Währungsängste und günstige Zinsen lassen laut Peschke den Begriff des „Betongoldes“ wieder aktuell werden: „Die Kunden legen ihr Geld wieder in Zinshäusern an. Bei einer guten Immobilie liegt die Verzinsung bei sechs bis sieben Prozent“, so Peschke. Allein: Geeignete Objekte in guten Wohnlagen sind momentan rar. Die Preise seien noch nicht gestiegen, sodass die Besitzer mit dem Verkauf noch warten würden. „Die LBS kann den Bedarf nicht bedienen: Es gibt zuwenig adäquaten Wohngrund“, sagt Peschke. Viele Bauten verfügten zudem nicht über eine aktuelle Heiztechnik, wie etwa Wärmepumpen, oder eine ausreichende Wärmedämmung, was sie für potenzielle Käufer weniger interessant mache. In Celle trügen die Immobilieneigentümer wenig zur Werterhaltung oder -steigerung ihres Wohngrundes bei: „Kunden, die schon lange in ihren Häusern wohnen, modernisieren den Innenbereich, agieren aber im Außenbereich äußerst verhalten“, so der LBS-Gebietsleiter. Gerade alternative Heiztechniken hätten die Leute nicht auf dem Zettel: „Die Älteren sagen, dass sollen unsere Erben machen.“ Er empfehle Kunden, in alternative Heiztechnik zu investieren, um sich von den Energieversorgern unabhängig zu machen. Verkäufer hätten es sonst schwer, ältere Häuser an den Mann zu bringen. Die Käufer seien teilweise „unverschämt“ bei ihren Angeboten. Sanierte Häuser zu verkaufen sei daher das Gebot der Stunde.

Laut Peschke fehlt es in der Celler Innenstadt an attraktivem Wohnraum. Dies würde sich erst durch die Fertigstellung der Umgehungsstraße oder des Projekts Allerinsel sowie durch einen Campus ändern. „Wir müssen junge Leute hierher bringen, sonst werden wir dramatisch überaltern“, lautet Peschkes Fazit.

Von Paul Gerlach