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Mittendrin Die Bühne ist mein Leben
Mehr Mittendrin Die Bühne ist mein Leben
13:37 13.06.2010
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EVERSEN

Diskret stülpt er sich eine Kaffeemütze über den Kopf und überlässt das verliebte Paar sich selbst.

Eva Fliesenberg mit ihren 20 Lenzen – das war die junge Gunhild Brettnacher vor weit über 40 Jahren in ihrer ersten Rolle bei der Dorfbühne Eversen in dem Stück „Der verkaufte Großvater“. Seit dieser Zeit stand sie Jahr für Jahr auf der Bühne, als junge Frau, als tüchtige Magd, als alte Kräuterhexe. Eine Vorweihnachtszeit ohne die vier Aufführungen der Eversener Laienspieler – das kann sich die heutige Gunhild Rumpel überhaupt nicht vorstellen.

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Wieder Freude ins

Dorf bringen

„Du kannst dat doch“, hatte sie 1962 Martha Eggers auf dem Schützenfest angesprochen und ließ ein „ne, dat glöv ik nicht“ überhaupt nicht gelten. Sie suchte neue Mitglieder für ihre Dorfbühne, die sie im Herbst 1945 ins Leben gerufen hatte. Es sollte wieder ein wenig Freude ins Dorf kommen, meinte sie und hatte bald eine Handvoll junger Mädchen um sich geschart, die mit Begeisterung bei der Sache waren – auch wenn der Bühnenvorhang ein Bettlaken war und statt Eintrittsgeld Kohlen mitgebracht werden mussten.

Gunhild Rumpel hat ihren damaligen Entschluss nie bereut. Mit Feuereifer war sie fortan dabei, und ihr Engagement brachte ihr neue Ehren: 1975 übernahm sie von „Schauster“ Alfred Stratmann die Leitung der Dorfbühne, der die allseits verehrte, heute knapp 90-jährige „Tante Martha“ abgelöst hatte. Mit 19 Frauen und Männern aus Eversen und Sülze bringt sie jährlich ein neues Stück auf die Bühne. „Mehr würden wir gar nicht schaffen“, sagt sie, „denn jeder von uns hat neben Beruf und Familie auch noch andere Hobbys“.

Aus den plattdeutschen Aufführungen sind im Laufe der Jahre hochdeutsche geworden. Sie hat zur Zeit nur zwei gebürtige ‚Plattler’ in ihrer Truppe und versucht stets, neue Mitglieder zu finden, die Plattdeutsch lernen möchten.

„Es gehört einfach hierher zu uns. Und wenn wir nicht möchten, dass diese Sprache verloren geht, müssen wir etwas dagegen unternehmen“, sagt sie nachdrücklich. Eine Zusammenarbeit mit der Schule schwebt ihr da vor, Schulfeste, bei denen die Schüler kleine Stücke aufführen: „Gemeinsam könnten wir die plattdeutsche Sprache erhalten.“

Vorsitzende, aktive Spielerin, Maskenbildnerin, Pressefrau – Gunhild Rumpel hat viele Aufgaben übernommen, um „ihre“ Dorfbühne, von Bergens ehemaligem Bürgermeister Helmut Wegner als „wahre Örtze-Perle“ gewürdigt, in immer neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Seit gut 20 Jahren verwandelt sie ein „Gesicht im besten Alter“ in ein verrunzeltes Greisenantlitz, verpasst einem glatten Kinn einen prächtigen Bart, lässt einen vollen Haarschopf unter einer Glatzenperücke verschwinden oder zaubert aus einem weißen Jüngling einen kleinen Mohrenjungen. „Ich hab mir das alles so angeeignet“, spielt sie ihre perfekte „Maskerade“ herunter, „wenn einem etwas Spaß macht, gelingt es auch“. Die Kostüme, die sie brauchen, suchen sich Gunhild Rumpel und ihre Gruppe im Dorf zusammen, muss es etwas Ausgefallenes sein, wie etwa ein Pagenkostüm, ein Frack oder eine kunstvolle Knotenperücke, bitten sie schon mal das Celler Schlosstheater um „kollegiale“ Nachbarschaftshilfe. Auch die Kulissen entstehen in Eigenarbeit. „Da haben wir uns so ein paar Ideen beim Ohnsorg-Theater abgeguckt“, gesteht Gunhild Rumpel. Für das Stück „Mannslüd sünd Dickköpp“ wurde 1986 eine neue Dekoration eingeweiht.

Ganz groß raus kamen die Eversener Laienspieler, als 1988 in ihrem Dorf für das Fernsehen die Serie „Petticoat“ gedreht wurde. Tante Martha, Walter Wi

Von Evelyn Kretzschmar