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Mittendrin Die Heimat erklären als Aufgabe
Mehr Mittendrin Die Heimat erklären als Aufgabe
14:26 13.06.2010
Hobby-Historiker Hans-Heinrich Euhus am 12.08.2008 auf seine Tour mit Touristen in Müden (Örtze). Quelle: Torsten Volkmer
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Müden (Örtze)

Hans-Heinrich Euhus wurde 1938 in Müden geboren, und zwar in dem Haus, in dem er heute noch wohnt. „Hausgeburt musste sein“, sagt Euhus, „meine Großmutter war nämlich die letzte Ortshebamme von Müden“. Sie hätte es nachgerade als kränkend empfunden, wenn ihre Tochter den Enkel irgendwoanders zur Welt gebracht hätte. Eigentlich führt Hans-Heinrich Euhus als dritten Vornamen noch „Otto“, aber den hat er im Laufe der Jahre verschwinden lassen.

Nach Ende der Schulzeit begann Euhus eine Lehre als Lebensmittel-Kaufmann in Hermannsburg, die einen speziellen Kurs für Milch einschloss. Seine Wehrpflicht leistete er 1959/1960 in Lüneburg ab, im Jahr darauf übernahm er das Lebensmittelgeschäft seines Vaters, das sich ebenfalls im Haus in dem jetzigen Neubauernweg 8 in Müden befand. „Wir sind damals noch zusätzlich mit zwei Wagen durch den Ort gefahren und haben verkauft“, erinnert sich Euhus. Damit war aber Ende 1973 Schluss und Hans-Heinrich fing 1974 als Kraftfahrer auf dem Fliegerhorst Faßberg an. 1994 ging er in den Vorruhestand.

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Von Ruhe konnte allerdings nicht die Rede sein, denn dazu war Euhus viel zu agil. Dafür sorgte schon die damals erhaltene Ansichtskarte. Sie regte ihn an, mehr über die Heimat herauszufinden. So bat er Bekannte, ihm alte Postkarten mit Ansichten von Müden und Umgebung zu geben. Bald hatte er eine größere Sammlung zusammen, informierte sich über die abgebildeten Gebäude oder Landschaften und fand manch Interessantes heraus. Darüber hielt er 1967 und 1968 Lichtbildervorträge in der Kirche. „So bin ich `reingerutscht“, sagt Euhus heute und meint damit, dass er mehr oder weniger zufällig zum Hobby-Heimatforscher wurde. Mit der Feststellung: „Du kennst doch Müden wie Deine Westentasche“, trat vor gut zehn Jahren Ilse Bädke, die seinerzeitige Leiterin des Müdener Verkehrsvereins, an ihn heran und bat, zwei junge Damen einzuweisen, die örtliche Touristenführungen durchführen sollten. Das tat Euhus zwar gern, übernahm jedoch – als eine Dame sich später von der Aufgabe zurückzog – selbst Führungen. Zunächst blieb es bei Rundgängen durchs Dorf, später wurde die Tätigkeit ausgeweitet und der räumliche Radius wurde größer. Führungen über den Kieselgurwanderweg oder zu den Heidschnuckenherden kamen hinzu, ebenso Radwanderungen zum Hausselberg oder auf den Wietzer Berg bei Willighausen. Immer konnte Euhus interessante Einzelheiten berichten, wie etwa die Tatsache, dass gerade auf dem Wietzer Berg im Jahre 1921 der erste von insgesamt 142 Löns-Steinen in Deutschland errichtet wurde. Hans-Heinrich Euhus gab gern Hintergrundwissen preis und wusste stets durch seine Art des Erzählens zu gefallen. Nie wirkte er belehrend, sondern lockerte vielmehr seine Vorträge mit „Dönekens“ auf. So ist die Geschichte von dem „Heidschnuckenbockhornkrümmer“, die Euhus stets mit möglichst neutraler Miene den Touristen erzählte, bei den Einheimischen bekannt und sorgt für Schmunzeln. Die Fremden jedoch schwanken, ob die Sache wahr ist – aber wenn die EU sogar Verordnungen herausgibt, die sich beispielsweise mit der richtigen Krümmung von sauren Gurken befasst, dann erscheint Manches glaubhaft. Absolut der Wahrheit entspricht jedoch ein weiterer Hinweis von Euhus, dass die charakteristischen Pferdeköpfe an den Giebelseiten der Dächer nach außen schauen – zumindest in der Südheide, in der Nordheide blicken sich die Pferdeköpfe nämlich an. Den Grund dafür weiß selbst Euhus trotz vielerlei und langer Recherchen nicht, er hat lediglich eine Vermutung, die letztlich auf das bekannte „schon immer so gewesen“ hinausläuft. Euhus selbst nimmt die Tatsache, dass er manche Frage nicht beantworten kann zum Anlass, sich mit dem Thema näher zu befassen. „Keine Frage ist dumm“, sagt er, „sie ist für mich ein Anstoß, so viel wie möglich über die angesprochene Sache herauszufinden“.

Hans-Heinrich Euhus gilt als absolute Fachautorität für die Heimatkunde von Müden, generell der Gemeinde Faßberg und deren Umgebung. Sein diesbezüglicher Einsatz wurde im Jahre 2007 durch die Verleihung des „Findling“ gewürdigt. Damit werden Personen, die sich um die kulturellen oder sozialen Belange der Gemeinde besonders verdient gemacht haben, ausgezeichnet. In einer kurzen Laudatio hat seinerzeit der Landtagsabgeordnete Rolf Meyer den Satz gesagt: „Ich bin froh, dass es noch Menschen wie Hans-Heinrich Euhus gibt, die uns die Heimat erklären können“. Das Wissen von Hans-Heinrich Euhus hat sich sogar bis ins Fernsehen herumgesprochen, wie seine mehrmaligen Auftritte im NDR 3-Programm zwischen 2002 und 2005 belegen.

Ein weiteres Interessensgebiet, in dem sich Hans-Heinrich Euhus mit Hingabe bewegt, ist das „Platt“. „Eine

Von Udo Genth