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Mittendrin Erfolg aus Gemeinschaft erwachsen
Mehr Mittendrin Erfolg aus Gemeinschaft erwachsen
13:21 13.06.2010
Eckhardt Hallmann erreichte in seiner Laufbahn viele sportliche Erfolge als Schwimm-Trainer und tauscht nun das Schwimmbrett gegen das Pflanzbrett. Quelle: Torsten Volkmer
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Nienhagen

Im Sommer ist er fast jedem Nachmittag im Freibad. Hier steckt sein Herzblut drin, hier steckte es schon sein ganzes Leben lang. Archäologe wäre vielleicht auch ein Beruf für ihn gewesen, denkt er sich heute. Aber dann würde in Nienhagen wohl einiges anders sein. Eckhard Hallmann, der sich zwischen Grundschule und Sportplatz sein Heim errichtet hat, hat vieles verändert – und das eigentlich kaum gemerkt. „Ich habe getan, was mir Spaß gemacht hat – und daraus sind Verpflichtungen entstanden.“ Ganz erstaunt war er, als Bürgermeister Klaus Gärtner kürzlich seine unzähligen Erfolge für die Gemeinde aufzählte und ihn zum Ehrenbürger ernannte. „Es ist gut, dass so vieles gelungen ist“, sagt Hallmann heute, „und das Meiste ist aus der Gemeinschaft erwachsen.“

Für den Traumberuf

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nach Westdeutschland

Drei Jahre Volksarmee, um die Treue zum DDR-Regime zu beweisen, dann drei Jahre am Hochofen, um sich als guter Proletarier zu zeigen – das blühte Hallmann, als er 1955 die Abiturprüfung in Halberstadt abgelegt hatte. Lehrer wollte er werden, das war in der ehemaligen DDR mit hohen Hürden verknüpft. Zu hoch. Hallmann versuchte es zunächst mit Maschinenbau, doch das war nicht sein Fach. 1957 zog er in den Westen, nach Hannover. Fern der ostdeutschen Repressalien konnte er endlich Pädagogik studieren – Mathematik und Sport waren seine Fächer.

Als 1961 sein Landschulpraktikum anstand, wollte er in den Landkreis Celle: „Ich muss da hin“, erinnert er sich an seine Worte zum Professor, „wie soll ich sonst zum Wasserball kommen?“ Er hatte Glück. Im Sommer konnte er acht Wochen an der „Mittelpunktschule“ in Nienhagen verbringen. Rektor Willi Lochte wurde sein Mentor.

„Ich wollte den Schülern Schwimmunterricht geben“, erinnert sich der Pädagoge, „aber doch nicht in diesem alten Becken.“ Das alte Schwimmbad gefiel ihm überhaupt nicht. Das sagte er auch zu Lochte, und dieser reagierte spontan: „Denn bauen wir halt ein neues.“ Doch der junge Lehrer konnte nicht bleiben. Zunächst musste er nach Ehra-Lessien, um seine Lehrer-Ausbildung abzuschließen. Im gleichen Jahr heiratete er seine Marlies, seine neue Stelle wird ihre Hochzeitsreise. „Erá-Lecien“, scherzt Hallmann mit französischem Akzent.

Als er 1963 sein Examen machte, hatte er kurze Zeit später eine Postkarte im Briefkasten: „Sie ungetreue Tomate“, stand dadrauf, „jetzt, wo wir nach Ihren Wünschen ein Schwimmbad bauen, kneifen Sie?“ Rektor Lochte lud ihn zur Besichtigung der Baustelle ein – und ließ ihn direkt als neuen Sportlehrer einweisen. Und tatsächlich: Als er 1965 erfolgreich das zweite Examen abgelegt hatte, schuf die Schule eine neue Planstelle für ihn – er konnte anfangen.

158 Quadratmeter, eine Sonnenblume und ein Schreibtisch – so sah die Schulleiterwohnung aus, in die der junge Lehrer direkt einziehen durfte. Sein erstes Ziel: Natürlich der Schwimmunterricht. „75 Prozent Nichtschwimmer hatte die Schule damals“, erinnert er sich. Das wollte er so schnell es nur ging umdrehen, und das gelang ihm auch. Viele heutige Nienhagener Bürger haben in der Kindheit bei Hallmann das Schwimmen gelernt.

Ferien-Schwimmkurse

und Olympia-Silber

Sogar in den Ferien gab er Schwimmkurse im neuen Papenhorster Freibad, und da waren einige richtig gute Schwimmer dabei. So gut, dass Hallmann 1966 die gemeinsame Schwimmabteilung des SV Nienhagen und des VfL Wathlingen gründete, die er bis 1991 leitete. Und so gut, dass seine Schwimmerinnen schon 1970 bei der VoW-Meisterschaft antraten – den Wettkämpfen für „Vereine ohne Winterschwimmbad“. Aber das reichte Hallmann nicht. „Wenn man sich entwickeln will, muss man trainieren können“, stellt er klar. So ist das nun einmal.

Im Rat gab es Streit, doch Hallmann gewann auch Unterstützer. Am Ende setzte er sich durch: 1972 wurde das Europabad eingeweiht. Und der Erfolg stellte sich schnell ein. 1981 war es Svenja Schlicht, die im Alter von 14 Jahren ihren ersten Deutschen Meistertitel erschwamm. Drei Jahre später gehörte sie zur Lagenstaffel bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, die hinter den USA Silber gewann – ein Jahr später aber verließ Schlicht den SVN. Stolz ist Hallmann dennoch auf sie, bis heute.

Inzwischen war er Leiter der Grundschule Nienhagens geworden, gab immer noch Schwimmunterricht: „Ich habe Spaß und Beruf verbunden“, sagt er lächelnd, „was könnte besser sein?“

Seinen Lebensmittelpunkt hatte Eckhard Hallmann mittlerweile in die Mitte seiner Aktivitäten verlegt – zwischen Schule, Sportplatz und Hallenbad baute er mit seiner Frau ein Haus – auf einer Schweinewiese. Er musste lange diskutieren, bis er endlich die Baugenehmigung bekam. Zu laut war ihm das nie, denn: „Kinderkrach beruhigt.“ Wenn er mittags aus der Schule kam, wurde schnell gegessen, dann musste Hallman wieder los. Mathelehrer an der Bohrmeisterschule war er zu dieser Zeit schließlich auch noch. Kam er vom Nachmittagsunterricht zurück, griff er sich seine Sporttasche und eilte weiter – Schwimmunterricht stand auf dem Programm. Seine Frau und die drei Kinder teilten seine Leidenschaft, „sonst wäre das niemals in dieser Intensität möglich gewesen“, sagt er.

Fernweh

und Heimat

Mit einer Umwelthausnummer für ökologisches Wohnen und naturnahes Gärtnern hat ihn die Samtgemeinde Wathlingen mittlerweile ausgezeichnet: „Weil ich nichts wegschmeißen kann“, erläutert Hallmann und muss lachen. Seinen Garten zeigt er trotzdem stolz. Seit er im Jahr 2000 in den Ruhestand gegangen ist, hat er endlich Zeit für solche Dinge: „Ich hätte noch zwei Jahre machen können“, erinnert er sich, „aber was hätte ich davon gehabt?“ Die erste Zeit nutzt er für ein ganz besonderes Projekt: die „Geschichten eines Hagendorfes“, der dritte Band der Orts­chronik Nienhagens.

Jetzt hat Eckhard Hallmann endlich Zeit für Neues. Sein Traum? „Inselhüpfen vor Italien. Am liebsten mit dem Rucksack.“ Aber das ist dann doch etwas zu viel. Stattdessen bereist der Griechen- und Römerfan, gemeinsam mit seiner Frau, die Ruinen alter Kulturen. Und manchmal fährt er einfach nur in seine alte Heimat, zum Skifahren in den Harz.

Lebenslauf

✐1937 in Halberstadt

geboren

✐1955 Abitur

✐1955–1957 Maschinenbau-

studium in Magdeburg

✐1957–1961 Studium an

der Pädagogischen

Hochschule in Hannover

✐1961 Landschul-

praktikum in Nienhagen

✐1961 Hochzeit mit Marlies

✐1961–1963 Lehrer

in Ehra-Lessien

✐1963–1965 Lehrer

in Neindorf

✐1964 Tochter Stefanie

✐1966 Sohn Jens

✐1972 Tochter Elke

✐1972 Trainerausbildungs

lehrstab des Nds.

Schwimmverbandes

✐1972–1986 Mathematik-

lehrer an der Bohrmeister-

schule in Celle

✐1978 Goldene Leistungs-

nadel des SV Nienhagen

✐1979 Hausbau

✐1980 Ernennung zum

Landesstützpunkttrainer

✐1980–2000 Rektor der

Grundschule Nienhagen

✐1984 Ehrenmitglied

des SV Nienhagen

✐1991 Goldene

Ehrennadel des Nds.

Schwimmverbandes

✐2002 Erscheinen der

„Geschichten eines

Hagendorfes“, Band 3

Von Isabell Prophet