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Mittendrin „Erstes Jahr nach der Wende war spannend“
Mehr Mittendrin „Erstes Jahr nach der Wende war spannend“
14:51 13.06.2010
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Celle Stadt

„Die Beziehung zu Quedlinburg ist keine Städtepartnerschaft im herkömmlichen Sinn“, stellt Wolfgang Fischer von der Stadt Celle klar. „Solche kommen nur mit ausländischen Städten zustande. Nach der Wende war es notwendig, dem ostdeutschen Verwaltungsapparat unter die Arme zu greifen und da Celle bereits kurz nach dem Mauerfall Kontakte zu Quedlinburg knüpfte und Hilfe leistete, war eine Beteiligung an der Städteunion vorauszusehen.“

Von einer Städtefreundschaft spricht Fischer heute, der 1990 für ein Jahr die Geschäftsführung der Städteunion zwischen Celle, Hameln, Hannoversch Münden, Herford und natürlich Quedlinburg übernahm. Die Union nahm sich zum Ziel, die Entwicklung eines demokratischen Gemeinwesens zu fördern und beim Aufbau einer kommunalen Selbstverwaltung der Stadt Hilfestellung zu leisten.

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Da Fischer in den 80er Jahren zahlreiche Jugendfahrten in die DDR organisierte und in den Oster- und Herbstferien Gruppen von 15 bis 19 Jahre alten Jugendlichen nach Erfurt oder Dresden begleitete, hielt man ihn für prädestiniert für den Vorsitz der Union. „Das erste Jahr nach der Wende war spannend“, sagt er heute.

Viele westdeutsche Verwaltungsangestellte wurden 1990 in den Osten entsendet, um in den Rathäusern Hilfestellung zu geben. Auch die Quedlinburger importierten Verwaltungsmodelle aus Celle. „Sabine Bahß, die dort eine Pressestelle aufbauen wollte, besuchte uns für einige Wochen“, erzählt Fischer. „Ihre Eindrücke nahm sie mit nach Quedlinburg und orientierte sich in ihrer Arbeit am Celler Vorbild. Auch in den Bereichen Sparkassen und Stadtwerke erwies Celle sich als wegweisend in den ersten Monaten.

Schon im zweiten Jahr der Union mit Hameln in der Geschäftsführung ließ die abenteuerliche Anfangszeit nach. Heute besteht zwischen den ursprünglichen Unionspartnern noch eine lockere Städtefreundschaft. Fischer selbst war auch nach dem ersten Jahr noch oft privat in Quedlinburg und viele Feuerwehren und Sportvereine pflegen bis heute private Kontakte.

Von Stefan Kübler