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Mittendrin Siegfried Müller gibt auch als 70-Jähriger das Steuer des Bustouristik-Unternehmens nicht aus der Hand
Mehr Mittendrin Siegfried Müller gibt auch als 70-Jähriger das Steuer des Bustouristik-Unternehmens nicht aus der Hand
16:53 16.01.2018
Quelle: Michael Schäfer
Hustedt

Seit mehr als 60 Jahren lebt der Gründer von Müller Bus Touristik in Hustedt. „In Celle geboren bin ich aber nicht“, erzählt der 70-Jährige. „Meine Eltern stammen ursprünglich aus Westpreußen, wir haben nach dem Krieg in Holstein eine Landwirtschaft gehabt.“ 1953 zieht es die Familie in den Landkreis Celle – „zu Verwandten, wo wir weiter Landwirtschaft betrieben“. Als jüngstes von drei Geschwistern besucht Müller zunächst die Volksschule in Hustedt, später dann die Hauptschule in Westercelle, und steigt schließlich in den elterlichen Hof ein. „Das war sowohl Neigung als auch Notwendigkeit“, erinnert er sich. „Damals nach dem Krieg, das waren eben schlechte Zeiten, da hat man einfach jede Hand gebraucht.“

Doch berufliche Weiterentwicklung hat in Müllers Leben schon immer eine große Rolle gespielt: „Nach sechs Jahren Berufspraxis in der Landwirtschaft habe ich meine Gesellenprüfung gemacht“, berichtet er. „Ende der Sechziger habe ich dann ein Jahr lang die Thaer-Schule in Altenhagen besucht, und als staatlich geprüfter Wirtschafter abgeschlossen.“ 1981 – der Landwirtschaft in Niedersachsen geht es zusehends schlechter – sagt Müller, nur halb im Scherz, zu einem Bekannten, der bei der Stadt Celle arbeitet: „Ich glaub‘, ich fange lieber bei euch an.“ Einige Tage später klingelt sein Telefon: „Da hat man mir doch tatsächlich eine Stelle im Gartenamt der Stadt angeboten“, sagt der 70-Jährige schmunzelnd. „Ich musste noch nicht mal eine Bewerbung schreiben.“

Siegfried Müller ist keiner, der Chancen vorbeiziehen lässt, wenn sie sich ihm bieten. „Natürlich habe ich bei der Stadt zugesagt, obwohl ich zu der Zeit noch 25 Milchkühe hatte“, erklärt er. „Also bin ich jeden Morgen um vier aufgestanden, habe die Kühe gemolken und bin danach zur Arbeit nach Celle gefahren. Die Milchwirtschaft habe ich aber dann im Lauf des Jahres langsam auslaufen lassen.“

Bäume pflanzen, Lkw fahren – im Gartenamt der Stadt Celle macht der damals 33-Jährige erstmal alles. „1982 habe ich dann eine Festanstellung als Lkw-Fahrer bekommen“, sagt Müller und erzählt gleich darauf, dass er 1985 zum Personalratsvorsitzenden gewählt wurde: „Ich war eigentlich von Anfang an immer die Mutter Theresa im Betrieb“, meint er augenzwinkernd. „Der Personalrat war eine wirklich schöne Zeit – ich hab‘ mich immer bemüht, sachlich zu argumentieren, und sowohl die wirtschaftliche Seite als auch die Seite der Arbeitnehmer zu berücksichtigen.“

Als das Gartenamt 1988 von Privatisierungsabsichten der Stadt Celle bedroht zu sein scheint, macht Müller in weiser Voraussicht seinen Busführerschein. „Die Privatisierung kam dann doch nicht zum Tragen“, erzählt er: „Ich bin dann aber nebenberuflich für eine hiesige Firma Bus gefahren.“ Zu der Zeit sei er in Stadt und Landkreis schon bekannt gewesen wie ein bunter Hund, so Müller lachend. „Ich bin dann oft von Freunden und Bekannten angesprochen worden, ob ich was organisieren könnte – also habe ich mir einen Bus geliehen und eigene Fahrten gemacht.“

1993 meldet Siegfried Müller schließlich sein eigenes Gewerbe an – und legt so den Grundstein für sein heutiges Busunternehmen. „Ich habe mit einem gebrauchten 15-Sitzer angefangen“, erinnert er sich. Er schüttelt den Kopf. „Ich war ein absoluter Seiteneinsteiger – niemals hätte ich gedacht, dass sich das alles so entwickeln würde.“ Bis 1998 ist Müller aber dennoch hauptberuflich im Gartenamt beschäftigt – dann wird es immer schwieriger, alles unter einen Hut zu bekommen, und er scheidet aus dem Dienst der Stadt Celle aus. Sich als Unternehmer selbstständig zu machen, hat der heute 70-Jährige aber nie bereut. „Ich bin ursprünglich Landwirt von Beruf, da bin ich mit Risiko groß geworden“, sagt er. „Man muss eben damit leben, dass auch mal etwas nicht klappt. Und überhaupt: Wenn man etwas wirklich gern macht, dann macht es doch umso mehr Spaß, je größer das Risiko ist.“

Sich für andere einzusetzen, Menschen eine Freude zu machen – das ist Müller besonders wichtig. Um seine Reisegäste zu überraschen, verkleidet er sich beispielsweise schon mal als Nikolaus und taucht mit einem Sack voller Geschenke bei einer Tagesfahrt auf. Seit zehn Jahren engagiert er sich zudem ehrenamtlich für das Seniorenkino der Stadt Celle, das regelmäßig in der Alten Exerzierhalle stattfindet. „Ich kümmere mich um den kaufmännischen Bereich, als Selbstständiger habe ich da ja genug Erfahrung“, erklärt er. Mehr als 20 Jahre hat Müller zudem schon den Posten als zweiter Vorsitzender des Gewerbevereins Groß Hehlen-Scheuen-Hustedt inne. „Wir haben gemeinsam den Herbstmarkt hochgezogen“, erzählt er, „da steckt viel Herzblut drin.“

Kraft zieht der Macher aus seiner Familie. „Mein Unternehmen habe ich gemeinsam mit meiner Frau aufgebaut, die mich bis heute tatkräftig unterstützt. Mein Sohn Wilfried und meine Schwiegertochter Anna sind auch schon seit 20 Jahren dabei – die Nachfolge ist also gesichert“, sagt er zufrieden. Stolz ist Müller auch auf seine zehn Enkelkinder. „Von klein auf waren vor allem Lena und Lisa überall dabei, sie haben sogar ein eigenes Zimmer bei uns zu Hause“, erzählt er. „Aus dem Zusammensein mit ihnen ziehe ich so viel – sie sind meine Lebensenergie.“ Daran, das Steuer seines Busunternehmens aus der Hand zu geben, denkt der 70-Jährige nämlich noch lange nicht: „Von 100 auf 0, das ist so überhaupt nicht mein Ding.“ Er lacht. „Ich bin noch jeden Tag im Betrieb – und solange ich gesund bin, kann das auch so weitergehen.“

Von Christina Matthies

Vor 70 Jahren startete die Volkshochschule Celle (VHS) mit 25 Kursen. „Das war noch eine andere Zeit“, erzählt VHS-Leiterin Liliane Steinke. Damals wollten viele Teilnehmer „Steno“ lernen und schneller beim „Maschineschreiben“ werden. Es gab Vorträge und Leserunden. Im ersten Halbjahr 2018 kommt die VHS nun auf 750 verschiedene Angebote. Viele Teilnehmer wollen gemeinsam nähen oder basteln, sich mit dem Lernen einer Fremdsprache geistig fit halten, etwas für ihre Work-Life-Balance tun oder sich beruflich weiterbilden.

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