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Reportage Archäologen in Groß Hehlen trotzen in der Hitze
Mehr Reportage Archäologen in Groß Hehlen trotzen in der Hitze
17:25 08.08.2018
Quelle: Oliver Knoblich
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Celle Stadt

Groß Hehlen. Am Freitag soll die Arbeit abgeschlossen werden, weshalb die Aufgaben draußen weniger werden und Tätigkeiten wie das Waschen und die Dokumentation der Funde im Gemeindehaus im Vordergrund stehen. „Sonst hebe ich das Fundewaschen immer für die Regentage auf“, spielt Hauke Kenzler lachend auf die andauernde Trockenheit an.

Der Arbeitstag beginnt um 7 Uhr, wenn die Temperaturen noch auszuhalten sind. Zum Glück liegt nur ein kurzer Weg zwischen den Wohnungen im alten Gemeindehaus, in denen die Archäologen untergebracht sind, und ihrem Arbeitsplatz. Je mehr Zeit vergeht, desto heißer wird es auch in der Ausgrabungsfläche. Gegen Mittag, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, verlagert sich die Arbeit an kleinere Stellen unter zwei Pavillons, die wenigstens etwas Schutz vor der Sonne bieten. Ansonsten machen Sonnencreme, Hut und ausreichende Flüssigkeitszufuhr die Arbeit erträglicher.

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Fundstellen dokumentieren

Der erste Schritt bei einer Ausgrabung ist es zunächst immer, mit einem Bagger den dunklen Oberboden herunterzuziehen, da in diesem archäologisch nichts zu sehen ist. Darunter wird es dann aber interessanter, wenn der helle Boden genauer betrachtet wird. Die dunklen, meist runden Gruben signalisieren, dass dort Funde zu erwarten sind. Kleine Zettel mit einer Nummer an jeder dieser Fundstellen stellen sicher, dass Fotografien, Zeichnungen und auch Fundstücke später eindeutig zugeordnet werden können. Bis jetzt sind die Studierenden in Groß Hehlen auf mehr als 100 Befunde gestoßen.

Um eine solche Fundstelle genauer zu untersuchen, befeuchtet die Studentin Laura Grimm den ausgetrockneten Boden zunächst mit einer Gießkanne. Eine kurze Zeit lang – bis die Sonne den Boden wieder getrocknet hat – hebt sich die dunkle Färbung im Boden deutlicher hervor. Auf dem Boden kniend macht sich Laura Grimm daran, den Befund zu schneiden. Hierzu wird zunächst eine rote Schnur quer über den Befund gezogen. Die Schnur teilt den Befund somit in zwei Hälften. Als Nächstes wird eine der Hälften senkrecht geschnitten, was es ermöglicht, den Befund im Profil zu betrachten.

Laura Grimm ist so sehr in ihre Arbeit versunken, dass sie die Sonne gar nicht spürt, die ihr auf Rücken und Kopf scheint. Erst Ausgrabungsleiter Hauke Kenzler, der seine Studierenden im Blick hat, merkt, dass Laura Grimm nicht mehr im schützenden Schatten arbeitet und sorgt daraufhin dafür, dass der Pavillon verschoben wird, sodass die Arbeit der 29-Jährigen erleichtert wird. Vor allem die Vielfalt gefällt der Studentin: „Mal muss man zeichnen, mal viel denken, mal körperlich arbeiten, mal braucht man Fingerspitzengefühl“.

Die abwechslungsreichen Tätigkeiten entstehen dadurch, dass es keine festgelegten Aufgabenbereiche gibt. Jeder bekomme einen Befund zugeteilt und mache dann alles, was rund um diesen anfalle, so Laura Grimm. Die täglich anstehenden Arbeitsabläufe sind dabei auch immer vom Fortschritt der Ausgrabung abhängig. Auch die anhaltende Hitze beeinflusst die von Hauke Kenzler festgelegte Struktur des Tages. So können bestimmte Arbeiten wie das Fotografieren nur morgens ausgeführt werden, um die besseren Lichtverhältnisse zu dieser Zeit zu nutzen. „Die Schwierigkeit ist es, den Überblick zu behalten, damit kein Leerlauf entsteht“, erklärt der selbstständige Archäologe.

Zeichnungenvon Skeletten

An einer anderen Stelle in der Ausgrabungsfläche putzt Helen Stamer ein weiteres, bereits freigelegtes Profil, damit es am nächsten Morgen fotografiert werden kann. Von den Profilen werden auch Handzeichnungen angefertigt. So durfte Helen Stamer ein sehr gut erhaltenes Skelett zeichnen, was ihr in besonderer Erinnerung bleiben wird: „Es ist spannend, die Skelette freizulegen, sie zu zeichnen und dabei auch etwas über Anatomie zu lernen.“

Wenn die Studierenden die Profilzeichnung erfolgreich angefertigt haben, nehmen sie die zweite Hälfte des Befundes aus. Die gemachten Funde werden zum Waschen in das Gemeindehaus gebracht. Drinnen ist es dunkel und angenehm kühl – ein deutlicher Gegensatz zur Ausgrabungsfläche in der Sonne. Ein Raum im ersten Stock dient als Arbeitsplatz für Roisin O‘droma und Leah Röslein, die augenscheinlich froh darüber sind, der Hitze – wenn auch nur für kurze Zeit – entfliehen zu können. Mit einer Zahnbürste und einem Eimer Wasser ausgestattet, befreien sie die Fundstücke vom gröbsten Schmutz. Wenn ein Fundstück sauber ist, wird es neben den anderen bereits gewaschenen Funden auf einem großen Tisch getrocknet. Sobald sie trocken sind, werden sie noch verpackt und mit Fundzetteln versehen. „Unsere Arbeit ist dann erledigt“, spielen die Studentinnen darauf an, dass danach nur noch Hauke Kenzler für den Abschlussbericht und die Auswertung verantwortlich ist. Die gemeinsame Arbeit des Teams ist am Freitag abgeschlossen.

AngenehmesUmfeld in Celle

Nach Feierabend und am Wochenende stehen gemeinsame Unternehmungen wie Spaziergänge, Kartenspiele oder Ausflüge zum Silbersee auf dem Programm. Auch das Umfeld nehmen alle als sehr angenehm wahr. So sei die Gemeinde sehr interessiert. „Die Nachbarn haben uns sogar Eis und Muffins gebracht, das hat man nicht überall“, erzählt O‘droma. Auch Hauke Kenzler hebt die gute Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde hervor. Nicht jeder Bauherr sei der Archäologie gegenüber so aufgeschlossen.

Wie die Studierenden ist auch Kenzler zum ersten Mal in Celle. Vor kurzem hat er in Israel gearbeitet und sich bei den hohen Temperaturen dort kühles Wetter wie in Norddeutschland gewünscht. „Jetzt bin ich wieder in Deutschland und hier ist es so warm wie in Israel“, sagt er und lacht. Dennoch wäre Regen der Hitze nicht vorzuziehen. Bei idealen Wetterbedingungen wäre es bedeckt, 20 Grad Celsius, dazu ein leichter Nieselregen nachts.

Von Vanessa Fillis