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Reportage Celler Schüler gehen im Weltvogelpark Walsrode auf Federfühlung
Mehr Reportage Celler Schüler gehen im Weltvogelpark Walsrode auf Federfühlung
18:49 17.01.2018
Quelle: Kirsten Glatzer
Celle Stadt

Celle.

Gelegenheit, diese und weitere gefiederte Zweibeiner persönlich kennenzulernen, Interessantes und Amüsantes über sie zu erfahren sowie Zootierpfleger und Falkner Jan Pflugstedt mit Fragen zu löchern, hatten 29 Schüler der Klasse 5 b des Celler Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums.

Zu diesen speziellen Unterrichtsstunden war es durch den Anruf des Vaters einer Schülerin gekommen. Kira sollte ein Referat über Greifvögel halten und ihr Papa meinte, es sei eine super Idee, dafür einen Falkner mit gefiedertem Anschauungs- und Flugobjekt in die Schule zu bitten. Also wandte er sich mit seinem Anliegen an den Vogelpark. Da es aber für die Vögel zu stressig wäre, in einer fremden Umgebung und womöglich noch im Klassenzimmer aufzutreten, wurde die Schulklasse kurzerhand nach Walsrode eingeladen und bekam dort eine dreistündige Sonderführung von Zoomitarbeiter Jan Pflugstedt.

Auf Tuchfühlung mitSchleiereule Schnarchi

Für den war einst schnell klar, wohin die Reise bei der Berufswahl gehen würde. Auch Jans Mutter war Tierpflegerin. Er absolvierte einige Praktika und schrieb mehr als 150 Bewerbungen, ehe er 2011 seine Ausbildung zum Zootierpfleger im Weltvogelpark Walsrode beginnen konnte. Nach einem zweijährigen „Gastspiel“ im Serengetipark Hodenhagen ist er seit März 2017 nun wieder in „seinem“ Vogelpark. „Wenn man sich einmal für die Vögel entschieden hat, kommt man nicht mehr davon los“, erklärt er voller Überzeugung.

Auch beim zehnjährigen Kai aus der Celler Schulklasse ist das Interesse am Federvieh früh erwacht. „So mit fünf Jahren“, schätzt er. Und nachdem er als Achtjähriger ausnahmsweise an einem Hobby-Tierpfleger/Vogeltrainer-Tag im Weltvogelpark teilnehmen durfte – eigentlich ist das erst ab zehn Jahren möglich – war es vollends um ihn geschehen. Das ist genau sein Ding, erzählt er begeistert. Und Kai kennt sich super aus, wie sich an diesem Tag in Walsrode zeigt.

Beim ersten Stopp lernen die Schüler verschiedene Eulen und Greifvögel kennen. Sie machen Bekanntschaft mit einem Lachenden Hans namens Hans, Malaienkauz Burma, Schleiereule Schnarchi, Uhu Berta und Wüstenadler Nelson. Für die Kinder ist das, was sie von Jan Pflugstedt über die gefiederten Zweibeiner erfahren, höchst interessant und spaßig. Zum Beispiel, wie Schleiereule Schnarchi zu ihrem Namen kam. „Sie hat eine ziemlich lange Leitung und braucht immer etwas Zeit, bis sie versteht, was wir von ihr wollen“, erzählt Jan grinsend.

Auch dass der Lachende Hans zur Familie der Eisvögel gehört, würde man nicht unbedingt vermuten. Ist er doch viel größer, aber dafür gar nicht so farbenfroh wie der bei uns heimische Eisvogel. Bei ihm ist, wie auch bei vielen anderen Arten, die Bestimmung des Geschlechts nur mittels einer Federprobe möglich, da sich Männchen und Weibchen optisch nicht voneinander unterscheiden. Und wie wird verhindert, dass die Tiere, die im Sommer bei der Flugshow mitmachen, einfach auf und davon fliegen? Nun, zum einen sind viele von ihnen Handaufzuchten und somit eng an „ihre Menschen“ gebunden. Zum anderen macht ihnen ein gelber Becher, in dem sich als Belohnungshäppchen Mehlwürmer befinden, die Entscheidung leicht, lieber im Vogelpark zu bleiben.

Nach einem Abstecher in die Futterküche, wo die Schüler etwas über die Ernährungsgewohnheiten der Vögel erfahren, geht’s weiter zu den Papageien. Rico, die sprechende und singende Gelbnackenamazone, Gelbhaubenkakadu Sidney und der Hellrote Ara Kyra haben sofort neue Fans gewonnen.

Zum Abschluss des „Unterrichts“ geht es für die Schüler gruppenweise aus der winterlichen Kälte hinein ins feuchtwarme Klima der Kolibri-Zucht- und -Arterhaltungs-Station. Weltweit gibt es nur drei solcher Stationen: in Italien, Frankreich und eben in Deutschland. Die Walsroder sind übrigens am erfolgreichsten mit ihren Nachzuchten, im vergangenen Jahr gab es hier 55 Jungtiere. Und auch zum Thema Kolibris gibt es Erstaunliches zu hören und zu sehen. Weltweit gibt es 363 Arten, ein Kolibri-Ei hat die Größe eines Tic-Tac-Dragees und das geschlüpfte Jungtier ist so klein wie der Fingernagel des kleinen Fingers eines Kindes. Die Brutzeit beträgt rund 16 Tage und die Fruchtfliegen, das bevorzugte Futter, werden mithilfe von Bananenschalen in der Station „gezüchtet“. Somit duftet es bei den Kolibris ziemlich bananig, wohingegen der Geruch in der Futterküche den Schülern nicht so behagte.

Das für Vogelpark-Besucher zugängliche Kolibri-Haus wurde 2012 eröffnet. Die winzigen Vögel gibt es nur in wenigen Zoos in Europa zu bewundern, da ihre Haltung sehr schwierig ist. Im Walsroder Kolibri-Haus jedoch herrschen ideale Bedingungen, sodass sich die Winzlinge hier wohl fühlen.

Sondertouren bietenBlick hinter die Kulissen

Seit dem vergangenen Jahr gibt es im Rahmen des Vogelpark-Edutainment-Programmes unter anderem das „Winter-Special Meet & Greet“. Die Wortschöpfung Edutainment (auf Deutsch „unterhaltsames Lernen“) setzt sich aus den englischen Begriffen Education (Bildung) und Entertainment (Unterhaltung) zusammen. Unterhaltsam und lehrreich sind die zweistündigen Individualführungen, die an den Winter-Wochenenden für ein bis zwei Personen angeboten werden. Während im vergangenen Jahr Pinguine Themenschwerpunkt waren, geht es in diesem Jahr um Eulen, Greifvögel und Papageien. Die Touren bieten den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen, wie er sonst nicht möglich wäre, und sind außerdem ein gutes Training für die Tiere, um sich schon mal auf die bevorstehende Saison, die am 17. März beginnt und bis zum 28. Oktober dauert, vorzubereiten. Das „richtige“ Training beginnt Mitte Februar.

Und wie hat es den Schülern gefallen? „Es war zwar kalt, aber cool“, fasst es Marlene in einem Satz zusammen. Und Hannah meint: „Es war echt interessant. Dass man die Vögel so nah erlebt hat, war toll.“ Medina und Kimo sind da ganz ihrer Meinung. der zehnjährige Melwin hat einen ganz klaren Favoriten: „Am besten fand ich den Vogel, der sprechen kann.“ Tja, den Sprachkünsten und dem virtuosen Gesang von Gelbnackenamazone Rico kann eben kaum jemand widerstehen …

Von Kirsten Glatzer

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