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Reportage Glück in Sicht
Mehr Reportage Glück in Sicht
13:04 06.12.2019
Von Michael Ende
Herrlich entspannen am Ostseestrand. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Glücksburg

Es kann direkt vor einem liegen, und man sieht es nicht. Verborgen vom Schmutz, fast schon vergessen, dass es das gibt. Und dann funkelt es einen plötzlich und unvermutet an, man bückt sich, hebt es auf und weiß: Jetzt hat man Glück gehabt. Zum Beispiel dann, wenn man im schwarzen Tang am weißen Strand der Halbinsel Holnis einen honigfarbenen Bernstein findet. Den dürfte es hier eigentlich fast gar nicht geben – so weit weg vom wilden offenen Meer, das nach Stürmen das Gold der Ostsee an ihren Gestaden anschwemmt. Und doch: Das gibt‘s.

Glück gehabt: Bernstein als Zufallsfund. Quelle: Sandra Ende

Sonnenstrahlen brechen sich im zigtausende Jahre alten, zu Bernstein gewordenen Harz von Wäldern, die nach der letzten Eiszeit im Meer versanken. Gletscher haben dieses Land namens Angeln im äußersten Nordosten Deutschlands geprägt, haben sanfte Hügel und Täler modelliert, es mit Felsen gespickt. Saftig-frisch, fruchtbar, kleinteilig, abwechslungsreich, mit von Wäldchen und Hecken durchzogenen Äckern und Wiesen, erinnert diese Landschaft an ein englisches Idyll. Kein Wunder, dass sich viele „Touristen“ aus Angeln vor etlichen Jahrhunderten in Britannien so zu Hause fühlten, dass sie sich dort niederließen. Heute fühlen sich an der Ostseeküste bei Flensburg Urlauber wie zu Hause.

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„Gott gebe Glück mit Frieden“

Glück haben hier schon Könige und Fürsten gesucht. Wie etwa Herzog Johann (Hans) der Jüngere (1545–1622), der das von ihm erbaute Schloss Glücksburg mit dem Motto „Gott gebe Glück mit Frieden“ versah. Bernhard Engelken kennt das Schloss, das aus den Trümmern eines aufgelösten und heute im Schloss-See versunkenen Klosters erbaut wurde, wie seine Westentasche. „Schloss Glücksburg hat durch seine Funktion als zeitweilige königliche dänische Residenz und Verwaltungssitz des Herzogtums Glücksburg einen bedeutenden Platz in der Geschichte Schleswig-Holsteins und Skandinaviens“, sagt er. Engelken ist ein wandelndes Archiv der Stammbäume europäischer Fürstenhäuser. Irgendwann, so geht einem schnell auf, war bei Fürstens irgendwie jeder mit jedem verwandt oder verschwägert, und man heiratete immerzu weiter nur unter seinesgleichen. „Kein Wunder, dass irgendwann auch Erbkrankheiten auftraten“, sagt Engelken. Derlei Überzüchtung erklärt vielleicht auch das irre Verhalten mancher Prinzen.

Märchenhaft: Das Glücksburger Schloss. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Wiege der Königshäuser

„Glücksburg ist sozusagen die Wiege der europäischen Königshäuser“, sagt Engelken, während er durch das märchenhafte Schloss führt, dass ungleich gemütlicher als sein Celler Pendant ist, das sich ebenfalls mit dem Euro-Wiegen-Staus schmückt. Klar, dass in einem ehemalig dänischen Adelssitz der Hygge-Faktor höher ist. Klar, dass Engelken Celle kennt. Und klar: Auch die Namenspatronin eines Celler Gymnasiums fühlte sich im Schloss im See wohl: „Die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria, die aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg stammte, hielt sich oft und gerne in Glücksburg auf.“

Sandvig lockt mit maritimen Flair.

Maritimes Flair in Sandvig

Wer über Google Maps von ganz weit oben auf die Stadt Glücksburg blickt, der ahnt nicht, wie sehr dreidimensional sie ist: Das Städtchen am Meer hat mehr Reliefenergie als so mancher Gebirgsort. Es geht auf und ab – genau wie in Sachen Glück. Glücksburg und sein Küstenort Sandvig sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier gibt es beides: Historie und Moderne. Für Letzteres stehen die „Glück in Sicht“-Lodges. Diese schwarzen Kasten-Bungalows befinden sich auf einem riesigen Gelände direkt an der Förde und wurden in das Areal mit seinem teils über hundert Jahre altem Baumbestand integriert. Die moderne, strikt auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Architektur beißt sich sehr gelungen mit dem Bestehenden. Ein Glück, hier mit seinen Liebsten zu wohnen.

Der Name der "Glück in Sicht"-Lodges verspricht nicht zu viel.

Per „Viking“ in die Rum-Metropole

Mit der „Viking“ geht es über die ruppelige Förde nach Flensburg. Auf der Tour erkundet man die in der Flensburger Förde liegenden dänischen Ochseninseln, die Glücksburger Seebrücke, die Flensburger Marineschule Mürwik und den Flensburger Hafen. Hier machten die Flensburger einst, als sie noch Dänen waren, ihr Glück mit Zucker und Rum aus den dänischen westindischen Kolonien, erklärt Bert Jacobsen, der Besuchern als intimer Kenner der Vergangenheit und Gegenwart der Stadt „Flensborg“ nahebringt. In der ganzen Stadt stößt man auf Zeichen des flüssigen Goldes: Rum hat in Flensburg eine lange Tradition. Im 18. Jahrhundert war die Stadt im hohen Norden einer der wichtigsten Handelshäfen für die Schiffe der Westindien-Flotte: „Handelsherren, deren Schiffe die Tour ein halbes Dutzend Mal gemacht hatten, waren gemachte Leute“, sagt Jacobsen. Auf dem Kapitänsweg entlang der Kaufmannshöfe kann man auf ihren Spuren durch die Stadt wandern.

Bert Jacobsen und eine Flensburger Mauer-Katze. Quelle: Michael Ende

Deutschlands dänischste Stadt

Wer in Flensburg ist, befindet sich zwar noch südlich der offiziellen Grenze, aber irgendwie doch schon in Dänemark. Jeder Fünfte in der 93.000-Einwohner-Stadt zählt zur dänischen Minderheit. Überall hört man neben Deutsch auch Dänisch, es gibt dänische Straßenschilder, dänische Läden, die Bäcker sind genial. Der skandinavische Einfluss ist unverkennbar. „Für uns ist es ganz selbstverständlich: Es ist egal, ob einer Deutscher oder Däne ist“, sagt Jacobsen. In Flensburg leben Menschen aus 125 Nationen, jeder achte Einwohner kommt aus einem anderen Land. Ausländerfeindlichkeit gibt es praktisch nicht – glückliches Flensburg. Jacobsen: „Wir leben hier einfach so zusammen.“

Verborgene Schätze: Flensburgs Höfe. Quelle: Michael Ende (2)

In der historischen Innenstadt herrscht aufgrund der charmanten Gassen und gemütlichen Hinterhöfe eine ganz besondere Atmosphäre. „In den Höfen kann man das Besondere an Flensburg entdecken“, sagt Jacobsen. Besonders beliebt sind die Einkaufsstraßen zwischen Südermarkt und Nordermarkt. Die sich dort aneinanderreihenden Modemeilen Rote Straße, Große Straße und Holm laden zum Flanieren und Stöbern ein. Wer genau hinschaut, findet witzige Details, wie etwa die Katzenbilder, die unbekannte Street-Art-Künstler seit einigen Jahren nachts an Häuserwände malen. Jacobsen: „Keiner weiß, wer das macht, aber alle finden es schön.“

Wo Stress ein Fremdwort ist: Steine-Flitschen am Strand von Holnis. Quelle: Michael Ende

Es heißt einfach nur „Moin“

Hinaus aus Flensburg geht es mit dem Rad. Hier reizt wie im Leben ein ständiges Auf und Ab, das mit ein bisschen Abstrampeln aber zum Spaß wird: Bergab kann man sich rollen lassen. Plötzlich sind auch die dunklen Wolken des Vormittages weggeblasen, die Sonne bricht hervor. Zottelige Kühe grasen auf fetten Wiesen. Für die freundlichen Menschen hier sind Zugereiste, die sich mit einem „Moin Moin“ oder gar mit einem „Guten Moin“ anbiedern wollen, schon „Schnacker“. Es heißt schlicht und einfach: „Moin“. Schön, schönen Tag auch – jeden Tag und nicht nur morgens, sondern auch am Abend.

Cjhiollen am Strand gehört zum Pflichtprogramm Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Laut aktuellem Happiness-Atlas wohnen hier oben die glücklichsten Deutschen. Das mag daran liegen, dass in vielen von ihnen auch ganz viel Dänisches steckt. Und die Dänen gelten schließlich als die glücklichsten Menschen der Welt. Volle Hygge-Kraft voraus: Hier im Glücksburger Land verschwinden die Grenzen. Nicht nur die der Nationalitäten. Genau richtig für Glücks-Sucher.

Hin & Weg

Anreise:

Über die A7 bis Flensburg, dann „rechts abbiegen“. Größtes Hindernis: der stauträchtige Elbtunnel. Wichtig hier: Die Rush-Hour meiden. (Und Glück haben.)

Unterkünfte:

Strandhotel Glücksburg

Ostseelodges „Glück in Sicht“

Kulinarisches:

Strandrestaurant Glückselig – Das Deli, Glücksburg

Restaurant Felix, Glücksburg

Strandcafé des Ostsee-Strandhauses Holnis,

Fischbrötchen bei Ben’s Fischhütte im Museumshafen Flensburg, Hansens Brauerei, Flensburg, ein echtes dänisches Hotdog in Sønderhav

Attraktionen:

Schloss Glücksburg

Planetarium Glücksburg

Ausflug mit der M/S Viking

Radtour auf Halbinsel Holnis

Science-Center Phänomenta Flensburg

Flensburger Schifffahrtsmuseum mit Rum-Museum

Spaziergang durch die Höfe der malerischen Roten Straße, Flensburgs Schmuckkästchen

Weitere Informationen:

www.ostsee-schleswig-holstein.de

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