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Sachsenspiegel 23 Männer gründen 1927 in Großmoor eine freiwillige Feuerwehr
Mehr Sachsenspiegel 23 Männer gründen 1927 in Großmoor eine freiwillige Feuerwehr
23:20 12.10.2014
Das Mitgliedsbuch von Ernst Gruschinski, 1935. (Sammlung Heinrich Rostalski). Quelle: Repro: Blazek
Großmoor

Zu Beginn des Jahres 1927 wurde der 397 Einwohner zählenden, jungen Gemeinde Großmoor von der Hannoverschen Siedelungsgesellschaft eine pferdebespannte Handdruckspritze übergeben, um etwa ausbrechende Feuersbrünste bekämpfen zu können. Zu ihrer Unterbringung wurde neben dem Friedhof ein Spritzenhaus errichtet. Bereits am 7. Oktober 1921 war im Verlaufe einer Verhandlung im Gasthaus Erich Bähre (Ehlershausen) „ein Spritzenhaus, nebst Spritze einfachster Art in möglichster Nähe des Kirchhofes, damit indasselbst auch Särge untergestellt werden können“ als zur Dotierung vorgesehen erklärt worden.

Am Sonnabend, dem 27. August 1927, fand eine Ge­meindever­sammlung zwecks Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Großmoor statt. Dem Gründungsprotokoll zufolge traten der Wehr 23 Männer bei: Ernst Lüters, August Panitz, Heinrich Köhler, Hans Reimerdes, Fritz Legand, Herbert Kurbad, Otto Schulze, Johann Dziesionty, Theodor Knie, Daniel Seewald, Hermann Lorenz, Heinrich Stolte jun., Friedrich Tegtmeier, Karl Bredemeier, Wilhelm Lippold, Heinrich Marheine, Louis Panitz, Hermann Barkau, Reinhold Funke, Karl Kroll, Richard Teubert, Gustav Peuckert, Gustav Gerloff. Über die Wahlen verlautete dort:

„Hierauf wurde zu der Wahl des Führers geschritten und wurde der Siedler Carl Bredemeyer durch Stimmzettel Mehrheit zum Führer der Wehr gewählt.“

Karl Bredemeier, hier fälschlicherweise als „Bredemeyer“ geschrieben und seit 1923 in Großmoor ansässig, wurde am 18. Juni 1877 als Sohn von Johann Heinrich Bredemeier und seiner Ehefrau, Luise Wilhelmine (geborene Quellhorst), zu Hoyerswerda geboren. Er heiratete Wilhelmine Luise Katharina Bredemeier. Als er am 8. April 1963 im hohen Alter von 86 Jahren starb, nahm die Freiwillige Feuerwehr Großmoor davon keine Notiz.

Handdruckspritzewird übergeben

Die erste Zusammenkunft der Freiwilligen Feuerwehr Großmoor fand am 16. September 1927 statt. Die bereits vorhandene Handdruckspritze mit entsprechendem Schlauchmaterial wurde an diesem Tag von Gemeindevorsteher Ferdinand Reimerdes der Wehr übergeben. Noch am gleichen Tag erfolgte die Wehrgliederung: „Steigerkorps: Obersteiger Ernst Lüters, Stellvertr. Heinrich Köhler / Strahlrohrführer: die Steiger Lindau, Tegtmeier, Funke, Hermann Thiele jun. und Ernst Thiele. / Spritzenmannschaften: Spritzenmeister Lippold, Stellvertreter Kroll, / Mannschaft: Otto Bierschwale, Fr. Klein, O. Schulze, Daniel Seewald, G. Peukert, G. Gerloff, Teubert, W. Löcker, H. Hömke, J. Stahl, E. Stahl, A. Panitz. / Ordnungsmannschaft: H. Barkau, Th. Knie, K. Bredemeier (1. Wehrführer). / Sanitäter: H. Lorenz, W. Breitrück. / Fahrbereitschaft: Erstes Spritzengespann Reimer­des, dann Gänshirt, H. Lüters, E. Lüters. Trompeter (Feuermelder) Th. Knie, H. Mar­heine, A. Lindau.“

Am 22. November 1927 wurde die Wehr zu ihrem ersten Einsatz alarmiert. Es brannte ein Wohnhaus der Kreisabdeckerei in Adelheidsdorf. Die Cellesche Zeitung berichtete über das Feuer ausführlich in ihrer Ausgabe vom 23. November 1927: „(…) Gleichzeitig mit dem Eintreffen der Celler Wehr kam auch die Spritze aus Großmoor auf der Brandstelle an, mußte aber wieder abrücken, da auch für diese Spritze die Wasserverhältnisse nicht geeignet waren. Um diese Zeit stand der Dachstuhl über der Wohnung und dem Viehstall mit Ausnahme des linken Seitenflügels in Flammen. Durch die Heuvorräte fand das Feuer reichliche Nahrung. (…) Gegen 1/2 1 Uhr konnte der Führer der Celler Wehr, Herr Schnell, die Brandstelle dem Oberlandjäger Bammert übergeben.“ Für das tatkräftige Eingreifen gewährte der Landrat eine Prämie von 50,- Reichsmark.

Auch Feuerlöschprämien der Brandkasse von 75,- Reichsmark konnte die Wehr seinerzeit schon verbuchen, wie aus dem Kassenbuch ersichtlich ist, das ab 1929 von Rudolf Rostalski geführt wurde.

Bis Ende des Jahres 1927 wurden weitere Mitglieder aufgenommen. Hermann Thiele wurde zum neuen Wehrführer gewählt.

Der jungen Gemeinde Großmoor war es wegen ihrer beschränkten Finanzlage in den Anfangs­jahren nicht möglich, die Freiwillige Feuerwehr mit allen nötigen Utensilien zu versehen. Oft mussten berechtigte Wünsche der Wehr zurückgestellt werden. Im Jahre 1928 konnte ein vom Gemeindeausschuss bewilligter Betrag von 50,- Reichsmark der Wehr nicht ausgezahlt werden, weil kein Geld in der Gemeindekasse vorhanden war. Ein Antrag an die Gemeinde in Sachen Aufnahme eines Darlehens zur Anschaffung von Uniformen wurde abgelehnt. Diese Missstände führten zum Austritt von 15 Mitgliedern. Wie Landrat Wilhelm Heinichen (1883–1967) in einem Schreiben feststellte, brauchte die Pflichtfeuerwehr noch nicht eingesetzt zu werden, weil noch genügend freiwillige Feuerwehrmänner vorhanden gewesen seien.

Am 4. August 1928 fand ein Probealarm statt, bei dem das Anwesen des Siedlers Tegtmeier als Brandobjekt angenommen wurde. Einem Protokoll dieser Dienstübung zufolge wurde eine Wegstrecke von etwa 3 1/2 Kilometern in 20 Minuten zurückgelegt.

Nachbarliche„Feuer­löschhülfe“

Auf der Grundlage der Polizeiverordnung vom 15. Februar 1908 wurde am 9. August 1928 eine „Nachweisung der zur Leistung nachbarlicher Feuerlöschhilfe verpflichteten Gemeinden des Landkreises Celle“ veröffentlicht. Großmoor hatte den Gemeinden Westercelle und Adelheids­dorf unaufgefordert und der Gemeinde Nienhagen auf erfolgte Aufforderung „Feuer­löschhülfe“ zu leisten.

Am 21. Januar 1929 feierte die Feuerwehr im neu erbauten Saal des Gastwirts Ferdinand Reimerdes. Eingeleitet wurde diese Feier durch eine Ansprache des Feuerwehrhauptmanns, Siedler Hermann Thiele. Er ermahnte alle zum festen Zusammenhalten und treuer Pflichterfüllung in Not und Gefahr. Die Cellesche Zeitung berichtete: „(…) Bemerkenswert ist, daß sich dieselbe in seinen Tanzweisen dem in der Mehrzahl erschienen älteren Publikum anpaßte, indem sie alte schöne Walzer und Rheinländer aufspielte. Auf besonderen Wunsch erklang auch mitunter ein schneidiger Militärmarsch dazwischen. Der Feuerwehrhauptmann Thiele ließ es sich nicht nehmen, seine Getreuen verschiedentlich vor der Theke zu versammeln, um sie in die Tätigkeit des ‚Löschens’ einzuweihen. Daß dieses genügend geschah, bewies die fröhliche Stimmung der Teilnehmer. Mit dem bekannten Schlußwalzer: Nach Hause, nach Hause, nach Hause geh’n wir nicht, fand die Feier ihren Abschluß.“

Im Sommer des Jahres 1929 wurde Großmoor von zwei Bränden heimgesucht. Durch ein schadhaftes Ofenrohr geriet am 16. August eine Wohnbaracke der Hannoverschen Torfstreufabrik von Heinrich Habermann in Brand und brannte in kurzer Zeit vollständig nieder. Ein kleines Kind, das in der Baracke schlief, konnte noch in letzter Minute vor dem Flammentod bewahrt werden. Sieben Familien verloren ihr Hab und Gut. Der Freiwilligen Feuerwehr und den Arbeitern des Torfwerkes gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und die übrigen Baracken und den Torf zu retten.

Durch die große Trockenheit brach am 29. August 1929 im Kreismoor unweit der südlichen Kreisgrenze ein Flächenbrand aus. Da zunächst wenige Lösch­mannschaften zur Stelle waren und Westwind herrschte, lief das Feuer, das in der langen Heide, dem Birkengestrüpp und in dem trockenen Moorboden reichlich Nahrung fand, schnell in östlicher Richtung bis an den Bahndamm der Eisenbahnstrecke Lehrte-Celle.

Tagelang wütet einBrand im Kreismoor

Im Bericht der Celleschen Zeitung heißt es am 31. August: „(…) Da man fürchtete, daß der Brand an Ausdehnung erheblich zunehmen könnte, wurde in Celle das Ausbildungsbataillon alarmiert. Dieses war schnell mit Motor- und Fahrrädern an der Brandstelle und betätigte sich mit an den Löscharbeiten. Außerdem wurde von ihm ein Graben gezogen, um ein Ausdehnen des Feuers in westlicher Richtung zu verhüten.“ Tagelang war es nicht möglich, den Brand zu löschen. Die Einwohner von Großmoor hatten unter dem Qualm sehr zu leiden. Das Haus des Siedlers Friedrich Bürkel war öfter in Gefahr, mit zu verbrennen.

Aus dem Einsatzbericht über diese beiden großen Brände geht Folgendes hervor: „Um ein erfolgreiches Bekämpfen des Feuers zu erreichen ist es erforderlich, daß ein jeder das nötige Interesse zeigt und den Anordnungen der Führer folgt. Auch ist der Genuß geistiger Getränke möglichst zu meiden.“

Flächenbrände waren in dieser Gegend keine Seltenheit. Es ist mündlich überliefert, dass Heinrich Lüters, 1927 von Wathlingen nach Großmoor gezogen, mit seinem Nachbarn Andreas Lindau – beide wohnten gegenüber des Gastwirtschaft Reimerdes – verabredet hatte, hochgewachsenes Heidekraut auf seiner Fläche im Bereich der Ochsenhütte abzubrennen. Die Folge war, dass der darunter liegende Torf mit einer Tiefe von etwa 30 Zentimetern entzündet wurde. Zunächst war es wohl noch windstill gewesen; bald sorgten aber leichte Windstöße dafür, dass der Torf großflächig schwelte. Die Freiwillige Feuerwehr Celle rückte aus und grenzte den Gefahrenbereich durch das Ziehen von Gräben ein. Oberlandjäger August Bammert, Adelheidsdorf Nr. 1a, soll gedroht haben, dass der Verantwortliche „ins Loch gehen“ würde. Es kam am Ende aber nicht heraus.

25 blaue Polizeiröckeals Uniformen gekauft

Es fand bereits der zweite Wehrführerwechsel statt. Hermann Thiele stellte sein Amt zur Verfügung. Als Nachfolger wurde Louis Panitz gewählt. Weil immer noch keine Uniformen vorhanden waren, wurden Ende 1929 insgesamt 25 blaue Polizeiröcke von einer Handelsverwertungs-AG gekauft, ferner die entsprechenden Helme und Dienstkoppel.

Der Landwirt Wilhelm Drube in Adelheidsdorf Haus Nr. 16 erlitt am 19. Januar 1930 einen größeren Brandschaden, wobei das Wohnhaus nebst Viehstall und Scheune nieder brannte. Die Entschädigung für den Schaden wurde auf Grund der Abschätzung der Sachverständigen auf 13.312 Reichsmark festgestellt. Landrat Heinichen wies die Kreiskommunalkasse in Celle am 28. Januar 1930 an, aus Anlass ihrer Hilfeleistung der Freiwilligen Feuerwehr in Großmoor 50,- Reichsmark Prämie und 15,- Reichsmark Fuhrkostenvergütung, der Freiwilligen Feuerwehr in Nienhagen 35,- Reichsmark Prämie und 15,- Reichsmark Fuhrkostenvergütung zu zahlen.

Am 26. April 1931 wurde in Celle, dem Sitz des Hannoverschen Provinzial-Feuerwehrverbandes, die erste Feuerwehrschule der Provinz Hannover feierlich eröffnet. Die Torfstreufabrik Habermann brannte am 7. Mai 1932 völlig ab.

Am 26. Januar 1933 führte das Landratsamt im Kreisblatt über die Revision der Feuerlöscheinrichtungen der Gemeinden aus. Bis zum 1. März sollte berichtet werden. Am 5. April wurden die Gemeindevorsteher der Celler Gemeinden gesondert angeschrieben. Gemeindevorsteher Ferdinand Reimerdes berichtete dem Landratsamt daraufhin am 3. Juni:

„Am 23. Mai abends 7,30 Uhr hat eine Übung der Freiwilligen- und Pflichtfeuerwehr der Gemeinde Großmoor stattgefunden. Hierbei wurde eine Revision und Prüfung der Geräte und Feuerlöscheinrichtungen vorgenommen. Die Revision ergab einen einwandfreien Zustand der vorhandenen Geräte etc. Sämmtliche Mannschaften der Pflichtfeuerwehr wurden von dem Oberführer Ludwig Panitz im Gebrauch der Geräte unterwiesen.“

1933 wird Brandschutz neu organisiert

Mit der Machtübernahme am 30. Januar 1933 begann auch in der Feuerwehrgeschichte ein neuer Abschnitt. Entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie wurde der Brandschutz neu organisiert. Bereits im Juni 1933 wurde eine Verfügung erlassen, dass ehemalige Mitglieder bestimmter politischer Parteien keinen Wehrführerposten bekleiden durften. Der stellvertretende Wehrführer Karl Kroll musste somit zurücktreten. Laut Satzungen konnte der Wehrführer seinen Stellvertreter selbst benennen. Auf Wunsch des Wehrführers Louis Panitz und der Wehr wurde dennoch schriftlich gewählt. Kamerad Eckert wurde mit Stimmenmehrheit zum Stellvertreter gewählt.

Am 7. August 1933 wurde „das Wohnhaus des Siedlers Hermann Brinkmann in Großmoor Haus Nr. 29 durch Blitzschlag in Brand gesetzt, wodurch der Dachstuhl mit Bodenraum vollständig zerstört worden ist. Das Vieh ist bis auf eine Kuh gerettet, die vom Blitz erschlagen ist. Das Mobiliar ist fast vollständig gerettet.“

Am 30. September 1933 wurden bei dem Abbauer und Arbeiter Gustav Elvers in Adel­heidsdorf Haus Nr. 21 Wohnhaus (Fachwerk), Stall mit Futterküche und Wohnhauseingang durch ein auf dem Boden des Stallgebäudes Nr. 21a entstandenes Feuer vollständig zerstört. „Die freiwillige Feuerwehr von Großmoor war als einzige Wehr mit ihrer Spritze rasch zur Stelle und beteiligte sich in anerkennenswerter Weise an der Löschung des Feuers und an der Rettung der in nächster Nähe der brennenden Gebäude stehenden unver­sicherten Scheune.“

Von Matthias Blazek