Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Sachsenspiegel Erziehung in evangelischer Lehre
Mehr Sachsenspiegel Erziehung in evangelischer Lehre
13:00 19.05.2018
Verordnung des Konsistoriums in Hannover über den Ablauf der Konfrmation aus dem Jahr 1734. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Der Elsässer Martin Bucer (1491– 1555) gilt als „Erfinder“ der evangelischen Konfirmation. In der Calenbergischen Kirchenordnung der Herzogin Elisabeth von 1542 wird klar die evangelische Konfirmation von der katholischen Firmung abgegrenzt und ihr Wert der Gemeinde deutlich vor Augen geführt.

In der Ordnung heißt es unter anderem: „So solt ihr auch wissen, das wir hinfurt keine jugent zum hochwirdigen sacrament zulassen wollen, sie seien dan im catechismo fertig und wol unterweiset, auch allhie fur der ganzen gemein mit auflegung der hende confirmirt und bestätiget, wie ihr an etlichen kinderen dan itzo sehen solt. Denn wie wir vorhin gesagt, so begreifet diese confirmation nicht allein die unterweisung und lahr, so zum ersten getrieben sein mus, sonder auch darnach auflegung der hende, umb welche es eine solche gestalt etwa gehabt hat: wenn die kinder zehen oder eilf jahr ungeverlich alt waren, haben sie fur der ganzen gemein rechnung ihres glaubens thun und geben müssen. Und wenn sie denn im selbigen bekenntnis geschickt und fertig waren, legte ihnen der bischoff die hende auf mit bitte, das ihnen Gott seinen heiligen Geist geben und denselbigen in ihnen bestetigen wölte, seind darnach auch zu der communion des leibs und bluts Christi, so oft ihnen das geliebt, zugelassen worden. Von solchem brauch der auflegung der hende lieset man im buch S. Hieronymi ...“

Nach dieser „Ermahnung zum volk“ sang die Gemeinde das Lied: „Komm, Heiliger Geist“. „Wenn solcher gesang aus ist, examinire man die kinder durch den ganzen catechismum fein freuntlich und gütlich, damit sie nicht erschrocken werden.“ Der Prüfung folgten Gebet und Handauflegung. „Darauf singe dan die gemein einen dankpsalm oder das Te Deum laudamus. Es were fein, das man zu solcher ceremonien einen besonderen ansehnlichen platz in der kirchen hette, damit von jederman, was geredt und gehandelt, umb besserung willen dest bass gehort und gesehen werden möcht...“

Celler Rektor
gibt Impulse

Die rund 20 Jahre später herausgegebene Lüneburgische Kirchenordnung von 1564 enthält dagegen keine Konfirmationsordnung, obwohl in den Vorschlägen und Eingaben dazu davon die Rede ist. Pastor Lange-Bergen hat vor einigen Jahrzehnten eine solche Eingabe ausfindig gemacht. Sie stammt von Pastor Johannes Pauli in Düshorn (Kreis Fallingbostel) im Jahre 1561. Pauli hatte in Wittenberg studiert und war von 1535 bis 1538 Rektor der Celler Lateinschule.

Der die Konfirmation betreffende Abschnitt hat folgenden Wortlaut: „Vtile quoque ac necessarium esset, in ordinatione ecclesiastica aliquid tradi de confirmatione, non quidem illa papistica, sed vere christiana, vt scilicet pastores semel atque iterum in anno, constituto certo die, examinent pueros aut puellias duodecim aut 14 annorum in praecipuis christianae doctrinae articulis et excitent ipsos ad pietatem et in ea diliganter sectanda confirment. De tali confirmatione christiana grauiter monet Liber ex Synodicis Actis vtile consilio extractus, / litera / Tt. folis 4, quem locum architectos ordinationis non pigeat cognoscere, quia continet piam et salutarem doctrinam.“

Pastor Lange übersetzt diesen Abschnitt so: „Die Kirchenordnung solle etwas über die wahre, christliche Konfirmation bringen. An einem bestimmten Tage, einmal oder öfter im Jahre, sollten die Pastoren die Jungen und Mädchen im Alter von 12 oder 14 Jahren in den Hauptstücken der christlichen Lehre prüfen, zur Frömmigkeit ermuntern und dann darin konfirmieren.“

Jugend in Lutherscher Lehre erziehen

Pastor Lange schreibt zur Erläuterung weiter: „... ist bemerkenswert, dass in Paulis Eingabe großes Gewicht auf das Pädagogische gelegt wird. Das ist sicher nicht zufällig. Denn dies ist ein typisches Merkmal melanchthonischen Einflusses, wie er viele Theologen dieser Generation während ihres Wittenberger Studiums bewusst oder unbewusst geprägt hat. Auch die Jahre seines Celler Schuldienstes werden dazu beigetragen haben, Pauli in dieser Richtung zu bestärken. Galt es doch, die heranwachsende Jugend mit der von Luther neu ans Licht gebrachten evangelischen Lehre nicht nur bekannt zu machen, sondern sie darin einzuüben und zu erziehen. Das aber konnte hier auf dem Lande, wo damals nur am Kirchort Schule gehalten wurde, am besten dadurch geschehen, dass man die Einübung des Kleinen Katechismus Luthers bei allen sich bietenden gottesdienstlichen Gelegenheiten betrieb. Hier zeigt sich Pauli mit seinen Vorschlägen als ein erfahrener und begeisterter Katechet und Mann der Praxis. Seine diesbezüglichen Vorschläge sind denn auch bei der Abfassung der Kirchenordnung weitgehend berücksichtigt worden. Doch fand die von ihm in Anlehnung an bereits vorhandene Vorbilder vorgeschlagene Konfirmation in der Kirchenordnung von 1564 keine Aufnahme, wurde aber 129 Jahre später, 1693, dann doch eingeführt. Der Grund für die damalige Nichtberücksichtigung mag wohl ganz einfach darin zu suchen sein, dass die in weitgehendem Maße mit als Vorlage benutzte Mecklenburgisch-Wittenbergische Kirchenordnung sie nicht enthielt. Hierbei mag die in Celle nach wie vor geachtete Autorität Melanchthons, der als Verfasser dieser Vorlage galt, mitgesprochen haben.“

Offizielle Einführung erst im Jahre 1693

Die Einführung der Konfirmation bei uns im Jahre 1693 geht auf Betreiben Phil. Jakob Speners (1635-1705) zurück. Er fand sie in der Frankfurter Gegend vor und, setzte sich nachdrücklich für ihre Verbreitung ein. Durch die von ihm ausgehende pietistische Bewegung wurde sie auch in die Landeskirchen getragen, die sie bisher abgelehnt hatten. Auch jetzt noch wurde nicht immer ein Glaubensbekenntnis bei der Konfirmation verlangt. Das Beantworten der Prüfungsfragen galt als ein solche. Der Ausbreitung der Konfirmation kam zustatten, dass etwa mit der pietistischen Bewegung auch die Propaganda der katholischen Kirche stärker wurde. Zahlreiche Mitglieder fürstlicher Häuser traten damals zum katholischen Glauben über. Mit einem Treuegelübde bei der Konfirmation suchte man diesen Kirchenübertritten entgegenzuwirken.

Im Rationalismus gewann die Konfirmation eine besondere Bedeutung. Hier wurde aus ihr ein Weiheakt. Erst seit dem vorigen Jahrhundert findet man die Konfirmation in allen evangelischen Landeskirchen als eine öffentliche kirchliche Handlung. Zuletzt wurde die Konfirmation 1832 in Hamburg eingeführt.

Abschließend noch einige Anmerkungen zum Zeitpunkt der Konfirmation im Kirchenjahr. Die ältere Generation wird sich noch daran erinnern, dass diese Feier meistens am Ende der Passionszeit, am Palmsonntag, stattfand. Als vor einigen Jahrzehnten der Konfirmationstermin in die nachösterliche Freudenzeit verlegt wurde, gab es – zumal bei den älteren Gemeindegliedern – manches Kopfschütteln über diesen „neumodischen Kram“. Vielfach war nicht bekannt, dass man damit auf eine Regelung zurückgriff, die in alter Zeit schon praktiziert wurde.

Im Jahre 1794 gab das Konsistorium in Hannover nämlich eine Verordnung heraus, nach der die alte Regelung, dass „die Confirmation der Jugend aller Orten regulariter zwischen Ostern und Pfingsten“ zu geschehen habe, dahingehend geändert wurde, dass jetzt eine Zeitspanne vom 1. Mai bis 31. Juli gelten sollte. Als Mindestalter wurden 14 Jahre genannt.

In manchen Orten unserer Heimat wurde sogar zweimal jährlich konfirmiert, und zwar zu Ostern und Michaelis. Dieser Brauch sollte nicht angetastet werden. Hier gab es den oben erwähnten Altersnachlass natürlich nicht. Aber es gab auch Kirchengemeinden, „allwo wegen der geringen Anzahl der Catechumenorum nicht alljährlich Confirmation gehalten wird“ (1751). Darüber waren die Eltern oftmals sehr ungehalten, weil durch die hinausgeschobene Konfirmation ihnen die Kinder auf diese Weise „zwey Jahr hindurch ferner zur Last bleiben müßten, und nicht vermiethet werden könnten.“

eines der wichtigsten
Familienfeste

Heute ist es allgemein üblich, dass nach einer gewöhnlich zweijährigen Unterweisung die meistens etwa 14 Jahre alten Jungen und Mädchen bei der Konfirmation ihren christlichen Glauben bekennen. Bei dieser Feier werden sie durch Handauflegen gesegnet und erhalten einen Bibelspruch zugesprochen, der auch wie eine Urkunde auf einem Gedenkblatt festgehalten ist. Voraussetzung für die Konfirmation ist jedoch die Taufe. Da heute in zunehmendem Maße immer mehr ungetaufte Jugendliche am Konfirmandenunterricht teilnehmen, werden diese unmittelbar vor der Feier getauft. Vielfach ist auch mit der Konfirmation der erste Gang zum Heiligen Abendmahl verbunden. Als Konfirmierte haben sie zudem das Recht erworben, ein Patenamt zu übernehmen. So ist die Konfirmation eines der wichtigsten Familienfeste unter Protestanten geblieben.

Quellen

Religion in Geschichte und Gegenwart,
Bd. 3, Spalte 1642 ff.

Die ev. Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, herausgegeben von Emil Sehling, VI. Band, Tübingen 1957

Bernhard Lange, Ein Quellensstück zur Entstehungsgeschichte der Lüneburgischen Kirchenordnung von 1564, in: Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte, Band 57, 1959

Arnd Brummer, Ich bin ein Ziegenhainer, in: „chrismon“ 11/2017

Von Adolf Meyer

Elsässer Martin Bucer (1491 – 1555) setzte bei Ausbreitung der Reformation neue Akzente / Teil 1

12.05.2018

Welfenherzog Heinrich der Jüngere – letzter katholischer Fürst im Raum Niedersachsen / Teil 2

05.05.2018

Welfenherzog Heinrich der Jüngere – letzter katholischer Fürst im Raum Niedersachsen / Teil 1

28.04.2018