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Sachsenspiegel Fuhse-Kanal feiert 125. Geburtstag
Mehr Sachsenspiegel Fuhse-Kanal feiert 125. Geburtstag
14:17 20.01.2018
Aufnahme vom Zusammenfuss von Fuhse und Aue und der Beginn des Fuhsekanals (1976) Quelle: Adolf Meyer
Celle

Vielleicht erinnert man sich in einem der Orte im Süden und Südwesten von Celle daran, dass vor 250 Jahren durch ihre Gemarkungen der Fuhse-Kanal gebaut wurde, und überlegt, dieses Ereignis als Jubiläum zu feiern. Hat dieser Kanal doch außer der Verbesserung der Wirtschaftsflächen zu beiden Seiten auch eine gewisse Bedeutung für die Naherholung im Raum Celle gebracht. Der Hauptgrund, diesen „neuen“ Kanal im Südteil der Burgvogtei Celle anzulegen, war jedoch, das überschüssige Wasser der Fuhse vor allem im Frühjahr und Herbst an Celle vorbeizuleiten und zugleich die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen.

Da der Bau des 11,5 Kilometer langen Kanals 1766 begann, hätte man ein Jubiläumsdatum schon verpasst. Aber da sich die Arbeiten bis 1769 hinzogen, wird eine 250-Jahrfeier noch möglich sein.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Gründe für die Anlage dieses Kanals, der bei der Einmündung der von Burgdorf kommenden Aue in die Fuhse nördlich von Nienhagen beginn und bis zur Vereinigung mit dem Adams-Graben südöstlich von Hambühren reicht.

Nach einem Bericht in der Celleschen Zeitung1 aus dem Jahre 1930 fällt der Baubeginn in die „ersten Regierungsjahre des agrarfreundlichen Königs und Kurfürsten Georg III., des Begründers der heute noch bestehenden Königlichen Landwirtschaftsgesellschaft.“ Der Siebenjährige Krieg lag schon ein paar Jahre zurück, so dass man sich neuen Aufgaben stellen konnte. Mit dieser Baumaßnahme „auf herrschaftliche Kosten“, also auf denen des Staates, beauftragten die Behörden in Hannover die Großvogtei Celle. In Wathlingen und Nienhagen nannte man daher den Fuhse-Kanal auch den „alten hannoverschen Kanal. Sein Zweck war nach den alten Akten die Entwässerung des Wietzenbruches, der Auewiesen des Großen Moores sowie die Beseitigung schädlicher Überschwemmungen in der Fuhseniederung.“ Vor allem das Wietzenbruch erhielt dadurch eine bessere Vorflut, weil der neue Kanal von Süden kommende Bäche und Gräben (zum Beispiel Müggenburger Kanal, Adams-Graben) aufnahm.

Als 1769 der Kanal fertig war, übernahm der Staat „seine Instandhaltung sowie die der zugehörigen Brücken und erbaute bei Bennebostel und bei Wietzenbruch Häuser für die Kanalwärter. Die Landkarte der „Kurhannoverschen Landesaufnahme“ – hier 1779 aufgenommen – weist bereits eines dieser Häuser an der Kreuzung der von Hannover kommenden Heerstraße mit dem Kanal auf.

Clemens Cassel berichtet in seiner Geschichte der Stadt Celle2: „Die Untertanen der angrenzenden Vogteien, auch die sonst von Herrschaftsdiensten befreiten, wurden zur Arbeit herangezogen, konnten sich allerdings durch Zahlung einer Gebühr davon freikaufen. Auch den Bürgern von Celle mutete man eine Beisteuer an (sie ließen ja ihr Hornvieh ins Wietzenbruch gehen). Durch Übereinkunft vom 23. Juli 1770 wurde dieser Zuschuss zu den Anlagekosten auf 600 Taler festgelegt, überdies sollte die Stadt alljährlich 15 Taler Instandsetzungsgelder für die Strecke des Kanals von der Einmündung des Adamsgrabens ab entrichten.“ Der Adamsgraben war bereits zur Regierungszeit des Herzogs Wilhelm d. J. um 1570 von der Stadt angelegt worden.

Die Beitragskosten müssen den Celler Geschworenen aber schwer im Magen gelegen haben; denn sie erklärten, „daß sie lieber auf die Gerechtsame im Wietzenbruch verzichten würden, als Beitragskosten zahlen.“2 So kam es 1777 zu einem Vertrag, „durch den die Stadt auf ‚ewige Zeiten’ ihre gesamten Weide- und Mastgerechtigkeiten im ganzen Wietzenbruch“ verzichteten, dafür aber für sie wesentlich günstiger gelegene Weideberechtigungen (zum Beispiel auf dem herrschaftlichen Wildgarten) eintauschten.

Schon um 1800, so vermerkt Clemens Cassel3, traten im Wietzenbruch erhebliche Probleme auf: „Der zur Entwässerung der sumpfigen Niederungen seiner Zeit angelegte Fuhsekanal hatte nämlich durch sein starkes Gefälle seinen Zweck nur zu sehr erfüllt. An Stelle des früheren Wasserüberflusses war Wassermangel eingetreten, der Heidewuchs hatte überhand genommen, Wiesen, Weiden und Ellernholzungen hatten sich verschlechtert, der ehemals lohnende Fischfang in der Ohe hatte ganz aufgehört und der Entenfang, der früher fuderweise Geflügel nach Hildesheim geliefert hatte, war auf die Hälfte des Ertrages zurückgegangen.“

Auch wenn nach 1800 der Landesökonomierat Meyer (gestorben 1810) und sein Nachfolger, Oberkommissar Ziegler, sowie der Celler Bürgermeister und zugleich Kantonmaire Schulze sich des Problems annahmen, wurde offenbar keine befriedigende Lösung gefunden, wie wir aus dem amtlichen Briefverkehr4 der Burgvogtei Celle im Jahre 1823 ersehen.

Der Kanal beginnt beim Zusammenfluss von Aue und Fuhse südöstlich von Bennebostel, unterquert die damalige Poststraße und heutige Bundesstraße Hannover-Celle bei der „Kanalvogts-Wohnung“, verläuft weiter in nordwestlicher Richtung, durchzieht die Westerceller Masch, stößt dann auf den Bockgraben südöstlich von Hambühren, nimmt mit ihm ein kleines Stück den gleichen Lauf nach Norden und trennt sich dann wieder westwärts, um am östlichen Ortsrand von Hambühren entlang in die Aller zu fließen.

Burgvogt Lüders zieht nach 50 Jahren Bilanz

Der uns aus dem Jahre 1823 vorliegende Bericht des Celler Burgvogtes Lüders gibt uns nicht nur ein anschauliches Bild von den damaligen Verhältnissen, es wird gewissermaßen auch kritisch Bilanz gezogen, in welchem Maße sich dieser Kanal in gut fünf Jahrzehnten ausgewirkt hatte.

Nach Lüders’ Angaben hatte dieser Kanal auf seiner gesamten Länge etwa 20 Fuß Gefälle, das sind 620 cm. „Bey hohen Wasserfluthen wird er daher zum reissenden Strohme und weil sein Flußbette durch losen Sandboden geht, so hat er solches dermaaßen ausgewühlt, daß es in der gewöhnlichen Fläche 12 – 14 Fuß (3,72 m bis 4,34 m) und an etwas höhere Stellen gegen 20 Fuß tief liegt. Daher kommt es denn auch, daß während man bey Bennebostel den Canal ganz trocken findet – weil die Fuhse: seit langen Jahren nur bey geschmolzenem Schnee oder bey starken Gewittern und darauf erfolgten lange anhaltenden Landregen etwas überflüßiges Wasser gehabt hat – derselbe weiter herauf ein bedeutender Fluß wird und immerwährend, selbst bey der größten Dürre, das Wasser der Aller zuführt.

Er zieht also aus dem ganzen Wietzenbruche, der Westerceller Gemeinheit und dem Westerceller Felde auf mehrere Meilen im Umkreise alle Feuchtigkeiten an sich und führt solche im tiefen Grunde dem bedeutenden Flusse der Aller zu, während die in der Gegend, so er durchschneidet, weidenden zahlreichen Heerden auf Flächen stehen müßen, so von der Sonne ganz weiß gebrannt sind, oder auf niedriger liegenden Stellen nur magere Heide finden, so, daß sie bey langer anhaltender Dürre verschmachten müßten, wenn die Eigenthümer des Viehes solches des Abends oder Morgens nicht satt futterten.

Der Nachtheil der hiedurch verursacht wird ist sehr groß, wenn man erwägt, das 21 Ortschaften in der Gegend des Wietzenbruches mit der Hud und Weide interessiert sind, auf welche der Canal seine verderblichen Wirkungen äußert. Aber dies ist bey weiten noch nicht der ganze Nach-theil den er verursacht. Den größten Schaden richtet er noch dadurch an, daß er eben so nachtheilig auf die vielen Tausend Morgen von Wiesen wirket, die im Wietzenbruche liegen, als auf die Weiden. Viele Dorfschaften die nicht einmal mit der Hud und Weide im Wietzenbruche interessiert sind, als z.B. in der Burgvoigtey Celle: Boye, Kleinenhelen, Grossenhelen und Vorwerk, haben doch alle ihre Wiesen daselbst.

Vor dem Kanalbau
war es besser

Vor Anlegung des Canals haben die Wiesen im Wietzenbruche einen Überfluß an Gras geliefert und, wenn auch in nassen Jahren das Gras hat hoch abgemäht werden müssen, so hat der hohe Stoppel den Dünger abgegeben. Jezt wächst auf den Wiesen, so nicht ganz niedrig sind, Heide und mehrere Eigenthümer würden ihre Wiesen gerne für die Grundsteuer weggeben, die sie für selbige bezahlen müssen.

Die Dorfschaften Westercelle, Bennebostel, Hambühren und die Westerceller Vorstadt leiden aber durch die nachtheiligen Wirkungen des Canals ganz besonders, weil er mitten durch deren Gemeinheiten geht, und also die Dürre und Trockenheit sich alda am stärksten äußert.

Das Westerceller Feld, das vor Anlegung des Canals gute und körnige Feldfrüchte und außerdem ein vortreffliches Feldfutter geliefert und worin nach der Erndte 4 Wochen lang alles Hornvieh hinlängliche Weide gehabt hat; diesem Felde wird durch den Canal alle Feuchtigkeit in dem Grade entzogen, daß, wenn jezt eine anhaltende Dürre von 3 Wochen eintritt, die Halme absterben und sich kein Korn in den Ähren ansezt, gerade als wenn die Erdlage unter der obersten Krume aus Ortgrand bestünde, welches doch nicht der Fall ist. In den Gemeinde Hölzungen, wo vorhin die schönsten Balcken gewachsen sind, will das Fuhrenholz nicht mehr von der Erde, sondern bleibt kurzes rauhes Zeug und, die Eichen vertrocknen.“

Quellen

1 Cellesche Zeitung: vom 16. Juli 1930, W. B., Der Fuhsekanal

2 Clemens Cassel,: Geschichte der Stadt Celle, Bd. II, S. 64, Celle 1934

3 Clemens Cassel: a. a. O. S. 294 ff.

4 Akten des Nds. Hauptstaatsarchivs Hannover: Hann. 74 Celle, Fach 313, Nr. 12

Quelle

Autor: Text

Von Adolf Meyer-Immensen

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