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Sachsenspiegel Reformierte Glaubensflüchtlinge
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15:54 26.01.2019
Grab von Ludw.[ig] Hipp[olyte] Aug[ust] Ernst von Monroy (1773-1858) auf dem Gräberfeld des Neuenhäuser Friedhofes in Celle. Der Grabstein steht auf der nicht mehr lesbaren Grabplatte der Louise Artémise du Verger de Monroy († 1743). Quelle: Andreas Flick
Hannover

Louis Auguste du Verger de Monroy war der Sohn von Charles du Verger de Monroy und der Anne de Gourjault, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 als reformierte Glaubensflüchtlinge aus Frankreich emigriert waren. Der adelige Hugenotte fand zusammen mit seinen Eltern und der Schwester Louise Artémise im Fürstentum Lüneburg eine neue Heimat. Davon wurde im Sachsenspiegel am 27. Oktober berichtet. Aus der Ehe von Louis Auguste du Verger de Monroy mit Eléonore Charlotte de Beaulieu-Marconnay gingen vier Kinder hervor: 1. Eléonore Artemise, 2. Jaques Olivier, 3. (Sophie) Georg und 4. Louis Erneste Guillaume.

Die Herzogin als Taufpatin

Am 2. März 1719 wurde die Tochter Eléonore Artemise de Monroy in Celle geboren und tags darauf durch den Pastor der dortigen französisch-reformierten Gemeinde François Jodouin getauft. Eine ihrer Taufpatinnen war die Herzogin Eléonore d’Olbreuse, was das hohe Ansehen der Adelsfamilie dokumentiert. Am 3. August 1749 traute Salomon Sylvestre als Pastor der französisch-reformierten Gemeinde in Celle Eleonore Arthemise de Monroy mit dem Offizier Guillaume François Henry de Cheusses.

Der älteste Sohn des Louis Auguste du Verger de Monroy, Jaques Olivier du Verger de Monroy, erblickte am 1. August 1721 in Celle das Licht der Welt und wurde „Tag darauf nachm.[ittags] in ihrer [der Mutter] Behausung“ durch den Pastor der deutsch-reformierten Gemeinde (!) Johann Heinrich Schmucker getauft. Die Adelsfamilie Verger de de Monroy, die sich zuweilen schon früh von Monroy nannten, hatten anscheinend keine Probleme, bei Kindstaufen zwischen der deutsch- und der französisch-reformierten Gemeinde zu wechseln. Jaques Olivier verstarb bereits am 25. Juni 1745 im Alter von nur 23 Jahren. Erstaunlicherweise ist im französisch-reformierten Kirchenbuch kein Vorname eingetragen und es lautet schlicht „Seconde fille“ (zweiter Sohn). Sollte es sich um ein behindertes Kind handeln? In den genealogischen Familiengeschichten wird er mit keinem Wort erwähnt.

Amtsvogt in Beedenbostel

Als drittes von vier Kindern erblickte der Sohn (Sophie) Georg von Monroy (Mon Roy) am 20. Dezember 1722 das Licht der Welt und wurde tags darauf in der „Behausung“ der Mutter durch Pastor Johann Heinrich Schmucker von der deutsch-reformierten Gemeinde Celle getauft. Der weibliche Vorname Sophie rührt daher, dass die einzige Tochter des Celler Herzogpaares, Sophie Dorothea, die auf Schloss Ahlden inhaftiert war, alleinige Taufpatin war. Die persönliche Anwesenheit der Patin war somit unmöglich. Georg von Monroy trat als Offizier in hannoversche Dienste und wurde zusammen mit seinem Vater in der Schlacht bei Dettingen 1743 schwer verwundet. Dieselbe Kanonenkugel riss ihm und seinem Vater ein Bein ab. Der Vater verstarb wenig später an seiner Verwundung. Im Rang eines Generalmajors nahm Georg von Monroy Abschied vom Militärdienst und bekam die Stelle als Drost (Amtsvogt) im östlich von Celle gelegenen Beedenbostel, welche er von 1769 bis 1794 bekleidete. Als adeliger Verwaltungsbeamter vertrat er in der Amtsvogtei Beedenbostel die Stelle des Landesherrn in militärischer, jurisdiktioneller und polizeilicher Hinsicht. Eine der wichtigsten Aufgaben von Monroys war die Verwaltung der umfangreichen Forste.

Da der Adelige nie in zivilen Verwaltungsgeschäften ausgebildet worden war, stellt Adolf Meyer zu Recht fest: „Erstaunen erweckt zunächst, daß man einen Offizier mit der ‚Amts Voigts Bedienung‘ in Beedenbostel betraute. Es wäre interessant zu erfahren, welche Gründe dafür maßgeblich waren.“ Bis zu seinem Lebensende übte Georg von Monroy das Amt des Drosten aus. 1794 wurde er – wie zuvor seine Amtsvorgänger – in der evangelisch-lutherischen Kirche zu Beedenbostel beigesetzt. Ein Grabmal oder eine Gedenktafel gibt es nicht. Der Sarg wurde bei Renovierungsarbeiten in der Kirche gefunden, jedoch nicht angetastet und der neue Kirchenfußboden darüber angelegt. Einem Legat des Amtsvogts verdankt die Kirchengemeinde die Neuanlage des Friedhofs „Auf dem Hiltberge“ (sog. Alter Friedhof).

Verheiratet war Georg von Monroy seit dem 30. März 1764 mit Anne Georgine Frederique de Beaulieu-Marconnay, der mit ihm verwandten Tochter des kurfürstlich-hannoverschen Oberjägermeisters und Oberforstmeisters Georg Wilhelm de Beaulieu-Marconnay und der Anne Marie Henriette de la Forest Suzanet. Die Witwe wohnte nach dem Tod ihres Mannes vermutlich in dem Celler Anwesen Hannoversche Straße 3-4, bevor sie weiter nach Hannover zog. Dort fand sie auf dem Gartenfriedhof ihre letzte Ruhe, wo sich ihr Grabmal bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Dieser Friedhof diente im Besonderen den sogenannten „hübschen Familien“, die im 18./19. Jahrhundert in Kurhannover bzw. im Königreich Hannover die bürgerliche wie adelige Oberschicht bildeten, als Bestattungsort.

In Ostindien verliert sich seine Spur

Der jüngste Sohn Louis Erneste Guillaume de Monroy wurde am 26. September 1724 in Celle geboren und drei Tage später durch den Pastor der französisch-reformierten Gemeinde Daniel de Chaufepié getauft. Er ergriff wie sein Vater die Militärlaufbahn. In den genealogischen Texten zur Familie wird er jedoch erstaunlicherweise totgeschwiegen. Zwei Akten aus dem Niedersächsischen Landesarchiv Hannover können die mögliche Antwort auf dieses Phänomen geben. Denn 1756 wurde gegen den Leutnant beim Regiment von Hugo eine Untersuchung wegen unziemlichen Betragens eingeleitet. Noch im selben Jahr wurde er vom Militärdienst suspendiert und reiste auf Wunsch seiner Mutter nach Ostindien, wo sich seine Spur verliert.

Drei Kinder gingen aus der Ehe von Anne Georgine Frederique de Beaulieu-Marconnay mit Georg von Monroy (s.o.) hervor: 1. Charle Auguste Guillaume Henri, 2. Ernest George Fréderic und 3. Louïs (Ludewig) Hyppolyte Auguste Ernest.

Charle Auguste Guillaume Henri du Verger de Monroy erblickte am 19. Mai 1765 in Celle das Licht der Welt. Er wurde am 27. Mai durch Pastor Jaques Emanuel Roques auf den Namen Charle Auguste Guillaume Henri du Verger de Monroy (Carl August Wilhelm Heinrich von Monroy) getauft. Er wurde kurfürstlich-hessischer Justizrat und Kammerjunker. Mit ihm kam das Adelsgeschlecht von Monroy letztlich nach Mecklenburg-Vorpommern, wo die von Monroys im Laufe der Zeit einige Persönlichkeiten stellten.

Der mittlere Sohn Ernest George Fréderic de Monroy erblickte am 14. Juli 1768 in Hannover das Licht der Welt, wo er auch in der französisch-reformierten Gemeinde getauft wurde. Am Karfreitag 1784 wurde er nach der Erneuerung des Taufgelübdes öffentlich zum Abendmahl zugelassen. Er wurde großherzoglich mecklenburg-strelitzer Hausmarschall und Kammerherr und verstarb kinderlos am 6. November 1855 in Neustrelitz.

Präsident des „Adeligen Clubs“ zu Celle

Der jüngste Sohn Louïs (Ludewig) Hyppolyte Auguste Ernest de Monroy, der am 21. Januar 1773 durch Pastor Jaques Emanuel Roques in Celle getauft wurde, war der letzte Vertreter der Familie de Monroy, der eng mit der Stadt an der Aller verbunden war. Seinen ersten Vornamen verdankt er der in Hannover lebenden Taufpatin, der Prinzessin Louise von Darmstadt, der Ehefrau des Prinzen von Mecklenburg-Strelitz. „Konfirmiert“ wurde er am 23. September 1787 in der französisch-reformierten Gemeinde zu Hannover. Nach Beendigung der Schulzeit studierte der Adelige in Göttingen Forstwissenschaft. Zunächst wirkte er als Forstmeister in der Inspektion Fuhrberg nördlich von Hannover. In Celle arbeitete er anschließend von 1818 bis zur Auflösung des dortigen königlichen Oberforstamtes 1848 als königlich hannoverscher Oberforstmeister. Allein die Napoleonische Zeit hatte ihm eine vorübergehende Degradierung beschert. Die Korrespondenz mit seiner in Hannover lebenden Mutter Anne Georgine Frederique von Monroy führte er stets auf Französisch. Erst im Zusammenhang mit den Freiheitskriegen unterzeichnete er deutsch mit Ludewig von Monroy.

Der ewige Junggeselle erwarb 1722 in Celle das noch existierende Anwesen Bahnhofstraße 13, in dem er zuvor als Mieter gewohnt hatte. Bis zu seinem Lebensende blieb er in dem Barockhaus wohnen. Es war ein Treffpunkt der Celler Hautevolee zur Unterhaltung und zum Spiel. Carla Meyer Rasch berichtet: „Die Celler Gesellschaft trifft sich oft bei Monroy zur ‚Assemblée‘, einer zwanglosen Form der Geselligkeit, zu der man kommen und gehen konnte, wie man wollte.“ Sie berichtet auch, dass der hannoversche König Ernst August von Monroy in Celle besucht und bei ihm eine Mahlzeit eingenommen habe.

Bis 1857 war Louïs Hyppolite Auguste Ernest de Monroy Ausschussmitglied der Landwirtschaftskammergesellschaft zu Celle. Zudem war er von 1828 bis 1855 Präsident des „Adeligen Clubs“ („Club zu Celle“; „der Aeltere Club“), dessen Klubhaus an der Mühlenstraße 23 lag. Wie seine Vorfahren war er Gemeindeglied in der Reformierten Gemeinde zu Celle (so der Name nach der Vereinigung der französisch- und der deutsch-reformierten Gemeinde im Jahr 1805). In der 1700 errichteten „Hugenottenkirche“ hatte er einen Sitzplatz („Loge“) gemietet, dessen Namensschild sich erhalten hat. Er war auch der Förderer des frommen Celler Vereins für Innere Mission, welcher das Celler Rettungshaus (Linerhaus) betrieb.

Louïs Hypolite Auguste Ernest de Monroy verstarb an „Altersschwäche“ am 6. März 1858 im Alter von 85 Jahren. Die Trauerfeier hielt der Pastor der Reformierten Gemeinde Theodor Hugues. Seine letzte Ruhe fand Louïs Hypolite Auguste Ernest de Monroy auf dem Neuenhäuser Friedhof in Celle. Nachkommen hatte der Hugenottennachkomme nicht. Sein Grab auf dem Adelsfeld des Neuenhäuser Friedhofs ist noch erhalten.

Quellen

Andreas Flick/Sabine Maehnert/Eckart Rüsch/Norbert Steinau: Die Westceller Vorstadt. Celles barocke Stadterweiterung – Geschichte und Bauten (= Celler Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs und des Bomann-Museums, Bd. 40), Celle 2010.

Adolf Meyer: Beedenbostel als Verwaltungssitz. Quellen und Darstellungen zur Geschichte der ehemaligen Amtsvoigtei (= Chronik der Gemeinde Beedenbostel, Bd. 2), Lachendorf 1987.

Charles de la Forest: Zur Familien-Geschichte derer von Monroy, in: Die Französische Colonie. Zeitschrift für Vergangenheit und Gegenwart der französisch-reformierten-Gemeinden Deutschlands, Organ des Deutschen Hugenotten-Vereins, 17. Jg. 1903, S. 45-51.

Carla Meyer-Rasch: Alte Häuser erzählen. Von Menschen und Schicksalen der Stadt Celle, Bd. 1, Celle 1950 (3. Auflage, Celle 1972).

Stephan Kekulé von Stradonitz: Familiengeschichtliche Nachrichten über das Geschlecht du Verger de Monroy (von Monroy), o.O. 1914. http://gartenfriedhof.de/ (2.8.2018).

Evangelisch-reformierte Gemeinde Celle: Best. 1, Nr. 13, Protokollbücher des französisch-reformierten Presbyteriums, 1697-1729, 1732-1735, 1737-1750; Best. 1, Nr. 74: Lederschild mit der Aufschrift des „Oberforstmeisters von Monroi“, das vielleicht als Kirchenbankschild verwandt worden ist, o. D.; Best. 1, Nr. 129: 2. Kirchenbuch der Französisch-reformierten Gemeinde Celle, 1705-1810; Best. 2, Nr. 56: Kirchenbuch der Deutsch-reformierten Gemeinde, 1709-1937; Best. 3, o. Sign., Todes- und Begräbnisbuch der Parochie reformierter Kirche in Celle, 1753ff.

Niedersächsisches Landesarchiv, Hauptstaatsarchiv Hannover: 92 Nr. 2713: Monroy, Louis de, Leutnant beim Regiment von Hugo: Untersuchung wegen unziemlichen Betragens, 1756; Cal. Br. 15, Nr. 2805: Bewilligung einer Suspendierung des Leutnant Louis de Monroy vom Regiment von Hugo zur Versendung nach Ostindien auf Wunsch seiner Mutter, der Witwe des Generalleutnants de Monroy, geb. Beaulieu Marconey, 1756.

Genealogische Datenbank der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft: Weitere Hinweise verdankt der Autor der Pfarrsekretärin Annegret Graffunder (Eschede) und Pastor Hans-Peter Bock, Landeskirchliches Archiv Hannover.

Von Andreas Flick

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