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Spot(t) Wissenschafts-Zirkus
Mehr Spot(t) Wissenschafts-Zirkus
22:02 13.01.2019
Von Michael Ende
Celle

Super: Celle könnte Uni-Standort werden. Als Ableger der Tierärztlichen Hochschule Hannover könnte man hier zunächst den Lehrstuhl für Psychoneurotik im Institut für animalische und humane Verhaltensstörungen etablieren.

Angstfrei hinter Gittern

Das jedenfalls könnte aus den Plänen des Zirkusses werden, der seinen hinter Gittern ergrauten Schimpansen zum „Kompetenz-Zentrum ausbauen“ will, weil man den eingesperrten Affen prima beobachten kann – zum Beispiel beim Knutschen, Futtern oder Malen. Der Knackpunkt dieses revolutionären Konzepts ist, Tier-Verhaltensforschung gerade nicht an wild lebenden Tieren zu veranstalten. Denn im Dschungel bekommt man Affen kaum zu Gesicht und wenn, dann haben sie Angst vor Raubtieren oder sonst welche Macken und gebärden sich deshalb nicht so richtig artspezifisch. Von malenden Affen im Urwald hat man jedenfalls noch nicht gehört. Dazu haben sie im Käfig hingegen jede Menge Zeit und Muße. Wer nicht Nahrung suchen und sich nicht mit Fortpflanzungsgedanken oder Muffe vorm Leoparden herumschlagen muss, der ist locker drauf, der gibt sich ganz natürlich.

Viele Tierarten drehen erst in Gefangenschaft so richtig auf

Beispiele dafür gibt es auch außerhalb der Hominiden-Familie. Der Wellensittich, der stundenlang sein Spiegelbild attackiert, der Goldhamster, der im Laufrad des nächtens tüchtig Hackengas gibt, der angekettete Elefant, der den ganzen Tag lang lustig mit dem Haupte wackelt, der Goldfisch, der mit ungläubigem Glotzen beobachtet, was außerhalb seines Glases vorgeht, der Leopard, der gerade die 100.000. Runde in seinem Käfig gedreht hat (wobei er nicht des Stress hat, Schimpansen jagen zu müssen) – sie alle könnten angstfrei und natürlich in ihren Käfigen im Celler Institut für angewandte Verhaltensstörungen intensiv erforscht werden. Der Anfang ist gemacht.

Zucker für den Affen

Aus der Keimzelle der Celler Uni heißt es jetzt schon: „Tiere brauchen den Menschen.“ Ach so. Mal sehen, was passiert, wenn man dort dem Affen noch weiter Zucker gibt.

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