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Spot(t) Schlechtscheine
Mehr Spot(t) Schlechtscheine
15:52 20.10.2019
Von Michael Ende
Immer eine dolle Idee: Gutscheine. Quelle: Andrea Warnecke
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Celle

Sie und ich, jeder hat's schon mal getan, und bestimmt nicht nur einmal, sondern oft: Seinen Mitmenschen mitgeteilt, dass man nicht nur nicht weiß, was sie mögen, sondern auch, dass einem das irgendwie egal ist, dass man nicht weiter darüber nachdenken möchte und überhaupt nur endlich ein Häkchen hinter ihren Namen machen möchte und fertig. Natürlich sagt man das seinen Liebsten nicht geradeheraus ins Gesicht, sondern bedient sich eines Vehikels, das gerade jetzt in der Zeit vor dem Geschenkezwang-Fest Ende Dezember Hochkonjunktur haben wird: Der Gutschein ist der ideale Ausweg für Leute, die schnell und elegant aus der Präsente-Zwickmühle heraus wollen.

Beschränktes Präsent

Dabei ist so ein Stück Papier oder Plastik doppelt dumm: Nicht nur, dass es ein Manifest des Desinteresses und der Unterwerfung unter Schenk-Rituale ist – es schränkt den Beschenkten auch noch in seiner Auswahl ein: "Geh in den Unterwäscheladen und kauf Die nen Schlüpper oder irgendwas." Oder: "Mit diesem Gutschein kannst Du Dir irgendwas einkaufen – aber nur in XY-Dorf. Und da auch nur bei den Läden, die den Lappen hier akzeptieren. Musst du selber rausfinden." Derlei beschränkte Geschenke sind nicht nett, sondern frech. Dann lieber gleich Geld überweisen. Der blanke Euro als Gutschein funktioniert immer und überall. Doch zurück zum Ur-Gutschein.

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Das kannten schon Umpf und Bumpf

Die fixe Idee, dass man sich durch Geschenke das Wohlwollen seiner Mitmenschen erkaufen muss, könnte einer der Ursprünge unserer Kultur sein. Denken wir zum Beispiel mal an ägyptische Wandreliefs. "Pharao Gibt-Mosis besiegte die Seevölker und schenkte seinem Feldherrn Tut-Nixzursache einen Gutschein über einen neuen Streitwagen, einzulösen in Theben." Das musste dokumentiert werden. So entstand Schrift. Schon die Zeichnungen in Steinzeithöhlen waren nicht bloß Bilder von Mammuts, sondern Mammut-Gutscheine: "Umpf schenkt Bumpf ein Mammut." Und wenn hinterher ein Pferd drübergemalt wurde, hat Bumpf das wahrscheinlich gegen den Zottel-Elefanten umgetauscht, weil der nicht in seine Single-Höhle passte.

Auch wichtig: Bons aufheben

Apropos Umtausch: Ein Weihnachts-Muss ist neben dem Satz "Und das hier ist von uns allen" der Spruch: "Wenn's dir nicht gefällt oder passt, ist nicht schlimm: Ich hab den Bon aufgehoben – kannste umtauschen." Dann doch lieber gleich einen Gutschein, gelle?

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