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Typen Achim Amme denkt gern an Celle
Mehr Typen Achim Amme denkt gern an Celle
15:01 01.07.2016
Achim Amme genießt einen kurzen Augenblick Freizeit in Celle. Zu einer Lesung ist er in seine alte Heimat gekommen. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle Stadt

Auch wenn Achim Amme den Fernsehmann Jan Böhmermann nicht unbedingt zu seinen Lieblingssatirikern zählt, so ist es aus seiner Sicht doch ein Unding, dass sich Deutschland vom türkischen Staatspräsidenten Erdogan vorschreiben lasse, was Satire ist und was nicht. „Die Freiheit der Kunst und Meinungsäußerung darf nicht aufgegeben werden“, steht für Achim Amme fest. In einem Gespräch an der Aller am Rande einer Lesung in „Kunst und Bühne“ vertrat er kürzlich diese Meinung.

Dabei versteht sich der in Celle geborene Achim Amme ebenfalls gut auf Satire. Er bezeichnet sich als Autor, Schauspieler und Musiker. „Und ich bin noch sehr viel mehr: Manager, Logistiker, Drehbuchautor, Lektor, Sänger, Instrumentalist, Komponist, Rezitator und Akquisiteur.“ Wenn Achim Amme aufzählt, was er bisher gemacht hat und wovon er lebt, wird die Vielseitigkeit des 66-Jährigen deutlich. Selbst ein Bühnenprogramm mit dem Titel „Kann man davon leben?“ hat Amme zusammengestellt: „Denn das ist eine der Lieblingsfragen von Journalisten und vom Publikum – und die wollen eine ehrliche Antwort: Ja, man kann.“

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Amme ist gut gebucht und nachgefragt: Dortmund, Hamburg, Baden-Baden, Wyk auf Föhr. Achim Amme reist von Hamburg-Eimsbüttel aus quer durch die Republik, um seine verschiedenen Programme zu zeigen. Allein, zu zweit, mit Band – ja nach Bedarf und Thema. So wie jetzt in Celle. Über seinen Auftritt in „Kunst und Bühne“ sagt er: „Es haben sich wunderbare Begegnungen ergeben: Ein Freund aus meiner Kindheit war da und zwei Verwandte, die ich gar nicht kannte. Aber sie kannten mich aus den selbst erlebten Geschichten meines Großvaters Adolf Amme.“

Achim Ammes Großvater Adolf Amme lebte von 1897 bis 1990. Er war eine starke, einflussreiche Persönlichkeit. „Ich bin froh, dass ich die Idee hatte, meinen Opa erzählen zu lassen“, schildert Achim Amme, wie er mit Tonbandgerät und Videokamera rund neun Stunden bei seinem Großvater war und ihn erzählen ließ. „Er hat alles chronologisch aufgezählt und so die ‚Geschichte des kleinen Mannes‘ präzise dargestellt.“ In seinem Buch „Der kleine Adolf“ hat Amme die Begebenheiten zusammengefasst.

Angefangen hat für ihn eigentlich alles 1965 mit einem Lied, das er aus Liebeskummer zu seiner damaligen Freundin Kerstin geschrieben hat. Die wusste gar nichts von ihrem heißen Verehrer. Der aber schwärmte gegenüber seinem besten Freund Bernhard von Kerstin (beide Namen geändert). Wenig später waren Bernhard und Kerstin befreundet. „Da konnte ich mich entscheiden, ob ich Kerstin und Bernhard als Freund verlieren wollte: Dann hätte ich niemanden mehr gehabt. Ich entschied mich für Bernhard und schrieb das Liebeslied ‚Don’t Make me Blue‘. Da war ich gerade mal fünfzehn.“ Die Freundschaft zwischen Bernhard und Kerstin hielt ohnehin nicht lange an. Das Lied hat die Zeit überstanden und ist jetzt auf Ammes neuester CD „Goldrichtig“ in neuer Fassung erschienen.

Das sei aber auch die Zeit gewesen, zu der noch Hallenhandballmeisterschaften für Gymnasien ausgetragen wurden. Und im Gymnasium Uetze spielte Amme Handball unter dem Sportlehrer und Trainer Heinz Bövers, der später auch als Heidesänger bekannt wurde. „Bövers hat an unserer Schule ein gutes Handballteam aufgebaut, mit dem wir viele Turniere gespielt haben.“ Den ganzen hiesigen Raum hat die Mannschaft bespielt. Auch gegen die Celler Gymnasien. Zwei Mal hat sich das Team zur Deutschen Meisterschaft qualifiziert, einmal erreichte es das Ziel. „Da konnten wir zur Europameisterschaft nach Holland fahren – das war schon toll“, erinnert sich Amme jetzt.

Und Amme erinnert sich auch daran, dass er als Schüler öfter mit dem Fahrrad von Uetze nach Celle fuhr, weil es hier neben dem Bomann-Museum sehr schmackhaftes Softeis gab. „Das gab es nirgends sonst.“ Und: „Wir sind mit der Schulklasse aus Uetze mehrfach im Celler Schlosstheater gewesen, um uns Aufführungen anzuschauen, die im Unterricht durchgenommen wurden. An ‚Hamlet‘ erinnere ich mich zum Beispiel.“ Celle und Hannover seien für die Uetzer damals die Einkaufs- und Kulturmetropolen gewesen.

Das sah auch sein Vater Joachim Ebeling so, denn er baute in den späten 50er Jahren von Uetze aus ein Filialnetz in der Lüneburger Heide auf, das seinesgleichen suchte: „Dampfschnellwäscherei Ebeling“ stand an Schaufenstern und über Eingangstüren zu lesen. „Mein Vater wollte eigentlich Regisseur werden, denn seine Mutter, also meine Oma, war gelernte Opernsängerin“, zieht Achim Amme Parallelen zu seinem eigenen künstlerischen Leben und möglichen Einflüssen.

Ganz wichtig war für den jungen Amme auch Musik-Petzold, der Schallplattenladen gegenüber dem Celler Rathaus. „Da war ich oft und hab die neuesten Platten gehört …“ Zudem griff Achim Amme selbst zur Gitarre. Die „Yardbirds“ mit ihrem Song „Heart Full of Soul“ trafen genau seinen Geschmack. Genauso wie John Lennon und die Beatles: „Die Musik war ein Herzöffner.“ 1970 leistete er sich von seinem durch Nachhilfestunden erarbeiteten Geld eine Akustikgitarre vom Celler Geigenbauer Uebel. „Die ist so wunderbar – ich spiel da heute noch drauf“, sagt Amme nicht ohne Stolz. Auch in seinem Ringelnatz-Programm spielt er die Uebel-Gitarre.

Dabei ist Achim Amme ohnehin ausgesprochen vielseitig, denn nach einem Studium, einer Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule und verschiedenen Stationen an Theatern, als Lektor beim ZDF und im literarischen Bereich spielte er zahlreiche Rollen im „Tatort“, bei „Rote Rosen“, „Stubbe“, „Küstenwache“ oder „Der Ermittler“. Ob er sich vorstellen könne, selbst eine Serien-Hauptrolle zu spielen? „Nee, das möchte ich nicht. Da bin ich zu abhängig und zu weisungsgebunden. Ich mache lieber Sachen, die ich mir selber aus­gesucht habe. Da hab ich den gleichen Freiheitsdrang wie mein Großvater …“

Gerade hat Achim Amme die Tage- und Notizbücher seiner Mutter aus den Jahren 1940 bis 1950 in einem alten Koffer gefunden. Da ist auch vom Celler Sankt-Josef-Stift und dem damaligen Chefarzt Dr. Juchem die Rede und von der Sehnsucht seiner Mutter nach Hamburg – weg aus Uetze. „Auf alle Fälle möchte ich die Bücher erstmal selbst genau lesen …“ – Man darf gespannt sein, was Achim Amme daraus macht.

Lebenslauf

1949 in Celle geboren und bei den Eltern in Uetze aufgewachsen

1960 Klavierunterricht, später Gitarre

1965 ersten eigenen Song komponiert

1968 bis 1969 Abitur in Uetze, danach High-School-Aufenthalt in Kokomo (USA)

1970 bis 1972 Schauspielstudium an der Max-Reinhardt-Schule, Berlin

1995 bis 2008 Lektor in der Hauptredaktion Fernsehspiel beim ZDF; seither freie Tätigkeit als Autor, Schauspieler und Musiker

Von Lothar H. Bluhm

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