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Typen Auf dem Weg zum Popstar
Mehr Typen Auf dem Weg zum Popstar
13:41 13.06.2010
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Hermannsburg

„Ein Superstar ist nicht viel wert“ – dieses Lied bringt das künstlerische Schaffen von Michael Becker auf den Punkt. Der Hermannsburger Songschreiber, Sänger und Produzent macht jenseits der großen TV-Produktionen wie „Deutschland sucht den Superstar“ erfolgreich Popmusik. Der große Medienrummel ist dem 19-Jährigen lästig und doch bewegt er sich bereits seit vielen Jahren auf der Bühne. Star-Allüren sind ihm fremd obwohl er inzwischen eine feste Fan-Gemeinde hat.

Beckers Ziel ist es nicht, mit Hilfe der Musik berühmt zu werden. Das Texten und Singen ist ein inneres Muss. Das ist ihm mehr wert, als ein Star zu sein. Natürlich möchte er mit seinen Songs die Menschen erreichen, und wenn er eines Tages davon leben kann, ist ihm das auch recht. Vom Erfolg möchte sich Michael Becker jedoch nicht abhängig machen. Dabei kommt er gerade von der Premiere des EM-Films „23 Tage“ aus Berlin zurück. Regisseur Detlev Buck hat den Becker-Song „23 Tage“ für den Kino-Film verwendet. Wahrscheinlich der bisher größte Erfolg des jungen Künstlers. Zu sehen ist der 45-Minuten-Streifen auf der wichtigsten Videoplattform im Internet, YouToube, und zwar auf der Startseite. Mit 140000 Aufrufen ist das Video ein Hit. Im Januar gewann er bei „Jugend musiziert“ den ersten Preis in der Kategorie Popgesang.

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Anders als manchen „Superstar“ lässt dieser Erfolg den Schüler nicht „abheben“. Becker wählt lieber den besonnenen Weg, eine gute Ausbildung zu machen, als auf eine Sänger-Karriere zu spekulieren. Nach dem Abi, das er im nächsten Jahr am Hermannsburger Christian-Gymnasium machen wird, will er ein Studium im

Medienbereich beginnen. „Ich möchte mir die Musik als Leidenschaft bewahren“, sagt er.

Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Wohnzimmer, Studio – alles ist bei Michael Becker eines. Auf den wenigen Quadratmetern stehen neben Schrank, Regal und Bett ein Schlagzeug, ein Keyboard, eine Gitarre, und ein großer Schreibtisch mit Computer und zwei Flachbildschirmen. Da, wo andere Papier und Stifte in die Schublade legen, steht bei Michael Becker ein Mischpult mit vielen Reglern und Schnittstellen zu den Musikinstrumenten und dem Computer. Gerade erst hat sich der junge Musiker mit Hilfe einer Schülerlizenz eine moderne Software zum Bearbeiten der eigenen Songs gekauft. Michael Becker versteht sich nämlich auch als Produzent. „Wenn ich alles selbst machen kann, dann mache ich das“, sagt er. Beeindruckend findet Becker den Erfolg von Pop-Produzent Dieter Bohlen. Musik erfolgreich zu vermarkten, das möchte er zu seinem Beruf machen, falls er nicht aus Versehen doch ein Popstar wird und keine Zeit mehr für die Arbeit am Mischpult bleibt.

Selbsteinschätzung

basiert auf Fakten

So differenziert, wie Becker Größen der Branche wie Dieter Bohlen und Frank Farian beurteilt, so differenziert geht er mit Kritik an seiner eigenen Person um. „Ich höre sie gerne, wenn sie fundiert ist“, sagt der 19-Jährige. Seine Stimme schätzt er nicht als schön, aber als charakteristisch ein. „Ich kann die Dinge so ausdrücken, dass sie den Leuten zusagen“, fügt er hinzu. Diese Selbsteinschätzung basiert auf Fakten: 1080 Gästebucheinträge auf seiner Website seit Januar vergangenen Jahres, über 143000 Aufrufe seines EM-Songclips auf YouToube, über 335000 Aufrufe für „Angie“, 18000 für „Crazy Computer Gamer“ und so weiter.

Michael Becker gehört zu einer neuen Generation von Musikern, die mit dem Internet aufgewachsen sind und das Medium gezielt für sich nutzen. Das, was früher die Clubs waren, ist heute YouToube. Statt Open-Air-Ereignisse prägen heute zunehmend Cyber-Popstars die Szene. Als Becker 1989 geboren wurde, entstand gerade das World Wide Web und der Personalcomputer wurde zu einem Massenprodukt. Die Chance, mit Computertechnik und Internet ein großes Publikum zu erreichen, weiß der Hermannsburger Sänger zu nutzen. Dabei hat Becker ausgiebig Live-Erfahrungen gesammelt.

Angefangen hat alles

im Kinderchor

Angefangen hat alles abseits von Internet und E-Gitarre im Kinderchor der Hermannsburger Peter-Paul-Gemeinde. „Michael ist hoch musikalisch“, sagt Kantor Hans Jürgen Doormann. Er hat das Talent des Jungen erkannt und gefördert. Mit sechs, sieben Jahren stand Becker bereits mit dem Kindermusical „Daniel in der Löwengrube“ auf der Bühne. An die Rolle kann der Schüler sich nicht mehr erinnern, wohl aber noch an den ersten öffentlichen Auftritt und das Lampenfieber.

Im Alter von 14 Jahren begann er als Solosänger. „Mit Liebesliedern hat es angefangen“, erzählt Becker. Gefühle auszudrücken war seine Hauptmotivation. Später nutzte er die Musik auch dazu, seine Meinung zu aktuellen Themen zu veröffentlichen. Auf diese Weise entstand zum Beispiel ein sehr erfolgreicher Song gegen den Drogenkonsum. Der witzig-ironische Videoclip „Drogen sind keine feine Sache“ ist mit 157000 Aufrufen ein YouToube-Renner.

Vorbilder? Mit Vorbildern tut sich Michael Becker schwer. „Ich habe keine Person als Vorbild“, sagt er. Bands und Musiker, die er mag und die ihn beeinflusst haben, weiß er jedoch schon zu nennen. „Richard Marx, Toto, Chicago und die Ärzte mit ihren ironischen Texten“, zählt Becker auf.

Schulalltag und kreatives

Arbeiten gehen Hand in Hand

Der 19-Jährige hat sechs Jahre klassischen Klavierunterricht genommen, aber klassische Musik ist nicht seine Sache. „Ich möchte nicht nur Sachen nachspielen“, sagt er. Michael Becker ist vor allem ein vielseitiger Autodidakt. Neben dem Klavier gehören Blockflöte, Gitarre, Mandoline, Schlagzeug, Akkordeon und Ukulele zu den Instrumenten, die er gerne spielt. Wie viel Zeit bleibt da noch für die Schule übrig? „Ich kann zu Hause direkt Hausaufgaben machen und nehme dabei die Gitarre in die Hand“, erzählt Becker. Schulalltag und kreatives Arbeiten als Musiker gehen bei ihm Hand in Hand. Die Mitschüler sehen seine musikalischen Aktivitäten meist positiv, mit einer Einschränkung: „Die Jugendlichen in meinem Alter verschreiben sich oft bestimmten Musikstilen und alles andere ist Mist“, kritisiert der Künstler.

Die Verbindung zur Kirchengemeinde, seiner musikalischen Herkunft, ist Becker wichtig. Seit vier Jahren arbeitet er bei der monatlichen „Kinderkirche“ mit. Dass er teamfähig ist, beweist er auch durch Bandaktivitäten. Von 2004 bis 2007 war er Sänger und Bassist der Rockgruppe „Delaware“. Im September vergangenen Jahres hat Becker mit einem langjährigen Freund das Akustik-Pop-Duo „Roadsign“ gegründet. Das kreative Schaffen ist nicht alles im Leben von Michael Becker. Es gibt noch eine private Seite, über die der junge Mann lieber nicht so viel in der Zeitung lesen möchte: Über die Musik hat der 19-Jährige seine Freundin Lia kennen gelernt.

Im Herbst, vielleicht auch erst zu Weihnachten, soll die erste CD herauskommen. Michael Becker macht wieder alles selbst: texten, singen, Gitarre und Keyboard spielen, mixen, CDs brennen und das Cover entwerfen.

Lebenslauf

1989 in Hermannsburg geboren

1996 Keyboard-Unterricht, erste Chorerfahrungen

1998-2002 Kinderchor der Hermannsburger Kantorei

2002 Wechsel vom Keyboard zum Klavierunterricht; Unterricht in Blockflöte, Akkordeon und Trompete

2002-2006 Schulchor am Christian-Gymnasium

seit 2002 Sänger, Bassist und Keyboarder in der Rock-AG des Christian-Gymnasiums

2004 Aufbau eines Home-Studios

Mai 2007 „Kreativster und verrücktester Musiker Niedersachsens auf der Jazzstreetparade in Celle“

Juli 2007 Playback-Star des Freibades Westercelle (Kategorie bis 18 Jahre)

November 2007 „CROSSfestival.007 – Multimediawettbewerb“, 3. Platz mit dem Musikvideo „Drogen sind keine feine Sache“

Januar 2008 1. Preis bei „Jugend musiziert“ in der Kategorie Popgesang

Juli 2008 Verwendung des Musikvideos „23 Tage“ für den gleichnamigen Kinofilm von Detlev Buck

Von nicht zugewiesen