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11:15 31.07.2019
Peter-Horst Schulz ist der Eigentümer des Seminarhotels Schulz in Bergen. Quelle: David Borghoff
Bergen

Zu klein und zu schmächtig. Als Peter-Horst Schulz diese Worte im Sommer seines Schulabschlusses 1965 hörte, platzte für ihn ein Traum. Er wollte Flugzeugbauer werden, scheiterte jedoch an seiner Körperstatur. Also blieb dem damals 15-Jährigen nichts anderes übrig und er begann eine Ausbildung zum Kellner in der heutigen Celler Congress Union. Jahrzehnte später ist aus der einstigen Notlösung ein Lebensprojekt geworden. Schulz ist Gastronom mit Herz und Seele.

Die Heide im Herzen

Es gibt so gut wie kein Feld der Gastronomie, das der gebürtige Bleckmarer in seinem Leben nicht ausprobiert hat. Noch heute denkt er gerne zurück an die Zeit, als er „Kutschfahrten durch die Heide mit allem drum und dran“ organisiert hat und Heidschnucken-Gerichte so etwas wie seine Spezialität waren. „Das war eine schöne Zeit, meiner Frau und mir lag die Heide schon immer sehr am Herzen“, erzählt er lächelnd. 1970 hat er seine Brigitte, die aus Hermannsburg stammt, geheiratet.

Prägende Lehrjahre

Die Jahre, die ihn allerdings am meisten geprägt haben, waren tatsächlich seine Lehrjahre in der damaligen Städtischen Union Celle. Dort lernte er seinen zwangsläufig eingeschlagenen Berufsweg lieben. „Ich hab‘ mich dort von Anfang an sehr wohlgefühlt“, erinnert er sich. Als seine Mutter starb, waren es die Chefs und Kollegen, die ihn auffingen und ihn dazu bewegten, seinen Weg weiterzugehen. „Da habe ich den tollen Zusammenhalt in der Branche das erste Mal am eigenen Leib gespürt.“

Vom Lehrling zum Restaurantleiter

Obwohl der heute 69-Jährige sich in seinem Lehrbetrieb wohlfühlte, verspürte er kurz nach seinem Abschluss den Wunsch rauszukommen. Und so stieg er eines Tages morgens ins Auto und fuhr einfach los. Sein Ziel war der Harz. „Die Gegend hat mich gereizt und da dachte ich, ich schau einfach mal, was es da so gibt“, erinnert er sich. Seine spontane Reise führte ihn schließlich nach Goslar, wo er für einige Monate als Commis de Rang in einem Hotel arbeitete, und schließlich nach Lüneburg, wo er sich zum Restaurantleiter hocharbeitete.

Vater von drei Kindern

Als 1970 die erste Tochter Evelyn geboren wurde, verspürte die junge Familie dann mehr und mehr das Bedürfnis, langsam aber sicher sesshaft zu werden. Kurzzeitig stand ein Umzug nach Frankfurt im Raum, doch kurze Zeit später ergab sich eine Chance, die sich Schulz nicht entgehen lassen wollte. Und so übernahm er im Mai 1972 die Geschäftsführung des Hotel Heidehof in Hermannsburg. Sein weiterer Weg führte ihn zum Fürstenhof, nach Müden und ins Celler Schlosstheater. Doch nicht nur seine berufliche Erfahrung wuchs in diesen Jahren, sondern auch seine Familie. 1972 wurde Sohn Andreas geboren und zehn Jahre später das Nesthäkchen Alexandra.

Schritt in die Selbstständigkeit

Peter-Horst Schulz hatte also bereits in jungen Jahren viel erlebt und viel probiert und war weit gekommen. Kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag im August 1979 wagte er schließlich den großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit, zunächst als Pächter des Völkers Hotels in Hermannsburg. 2002 gründete er dann mit seiner Familie die Heideküche Schulz GmbH und kaufte in diesem Atemzug auch ein 40-Betten Hotel, das heutige Seminarhotel Schulz im Berger Stadtzentrum. Das führt er bis heute. „Wir haben viele Gäste, die von hier aus Tagesausflüge in die Heide und in die umliegenden Freizeitparks machen“, berichtet Schulz. Darüber hinaus betreibt er die Cafeteria in der Gedenkstätte Bergen Belsen und geht der ein oder anderen beratenden Tätigkeit nach.

Essen auf Rädern eingestellt

Eines seiner absoluten Lieblingsprojekte musste er allerdings im vergangenen April schweren Herzens niederlegen. „Wir haben über 15 Jahre lang Essen auf Rädern angeboten und am Ende fast 150 Kunden gehabt, die wir regelmäßig mit frisch gekochten, regionalen Mahlzeiten beliefert haben“, sagt der Gastronom. Der Abschied von dieser Dienstleistung fiel ihm schwer. „Gesundheitliche Gründe machen den Schritt aber notwendig.“ Sohn Andreas, der den Familienbetrieb tatkräftig unterstützte, erlitt vor einiger Zeit einen Schlaganfall. „Da hatten natürlich erstmal seine Gesundheit und Regeneration Vorrang“, sagt Schulz. „Er hat sich zum Glück wieder gut berappelt und ist auf dem Wege der Besserung. Körperliche Beeinträchtigungen hat er Gott sei Dank nicht davongetragen.“ Trotzdem ist es nicht mehr wie früher im Hause Schulz. „Es war mal wieder an der Zeit für Veränderung“, sagt das Familienoberhaupt. „Ich werde ja auch nicht jünger und kann nicht mehr das leisten, was ich noch vor zehn Jahren konnte.“ Eine Tatsache, die ihn ärgert. „Ich habe eigentlich noch so viele neue Ideen im Kopf.“

Herausforderungen auch im Urlaub

So ganz ohne Herausforderungen kann der dreifache Großvater sowieso nicht. Seine größte Leidenschaft neben der Familie und dem Beruf ist das Reisen. Doch bei Peter-Horst Schulz heißt reisen nicht einfach nur Urlaub machen und die Seele baumeln lassen. Als es ihn einst nach Kenia verschlug und er die Armut vor Ort sah, war es für ihn keine Frage, dass er irgendwie mit anpacken muss. Er und seine Brigitte wollten etwas tun, ihren Teil dazu beitragen, dass es den Menschen wenigstens ein bisschen besser geht. „Zu Beginn haben wir Wasserleitungen für ein Waisenhaus gelegt und später ein weiteres Waisenhaus mit aufgebaut“, erzählt er fast beiläufig. Er möchte sich mit seinem Engagement nicht profilieren, sagt er. Bei einem anderen Besuch in dem ostafrikanischen Land besuchte das Ehepaar eine Schule. „Dort waren über 1000 Kinder und es gab nur 20 Toiletten ohne Tür“, berichtet Schulz. „Das konnten wir gar nicht mit ansehen und haben uns sofort ans Werk gemacht und die fehlenden Türen eingebaut.“

Seit einigen Jahren ist Kenia nicht mehr das Hauptreiseziel der Familie. „Ehrlich gesagt haben wir im Moment ein bisschen Angst dorthin zu fliegen, die politische Situation vor Ort ist ja nicht ganz ohne“, sagt der 69-Jährige. Für ihn allerdings kein Problem, schließlich war er schon immer ein Mann der Alternativen. „Vergangenes Jahr sind wir für sechs Wochen durch Australien gereist, ich bin einfach unheimlich gerne in der Welt unterwegs.“

Reisefreudiger Familienmensch

Sein liebstes Hobby ist dann auch gleichermaßen eine Art Familientradition. „Die Kinder wohnen nicht alle in unserer unmittelbaren Umgebung, aber einmal im Jahr ist bei uns allen fest im Terminkalender verankert, dass wir alle zusammen eine Städtereise machen“, erzählt Schulz begeistert. „Eigentlich hat es sich schon fast so eingebürgert, dass die Kinder uns das jedes Jahr zu Weihnachten schenken.“ Wenn er von seinen Kindern und Enkeln spricht, breitet sich ein zufriedenes Lächeln auf seinem Gesicht aus. Seine drei Enkel, die in der Nähe von Frankfurt leben, besucht er regelmäßig. „Das funktioniert super mit der Bahn. Wir setzen uns in Celle in den Zug und müssen in Frankfurt nur einmal umsteigen und sind schon da.“ Und wenn es nicht mit dem Zug auf große Reise geht, dann mit Auto oder Flugzeug. Mit der jüngsten Tochter und ihrer Familie machen die Eheleute mindestens einmal im Jahr Familienurlaub, meistens an der Nordsee. „Dieses Jahr waren wir allerdings auf Madeira“, wirft er freudestrahlend ein.

Ohne Herausforderungen geht es nicht

Und auch, wenn er sich fest vorgenommen hat, in Zukunft etwas kürzer zu treten, wird die ein oder andere Idee sicherlich noch ihren Weg in die Welt finden. „Ich liebe einfach neue Herausforderungen zu sehr“, gibt der Geschäftsmann zu. „So ganz kann ich es dann doch noch nicht lassen.“

lebenslauf

10. September 1949

Geburt in Bleckmar

1965 bis 1968

Kellner-Lehre in der Union Celle

September 1970

Hochzeit mit Brigitte

1971 bis 1972

Restaurantleiter im Hotel Waldpark in Lüneburg

1972 bis 1973

Geschäftsführer Heidehof
Hermannsburg

1973 bis 1974

Direktionsassistent im Fürstenhof

1975 bis 1976

Geschäftsführer Hotel Herrenbrücke in Müden

1976 bis 1979

Geschäftsführer des Ratskellers

1979 bis 2002

Selbstständig als Pächter des Völkers Hotels Hermannsburg

2002 bis heute

Selbstständig mit der Heideküche Schulz GmbH und dem Seminarhotel Schulz in Bergen

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