Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Typen Der bescheidene Weltmeister
Mehr Typen Der bescheidene Weltmeister
13:35 13.06.2010
Bundestrainer der Vierspänner Eckardt Meyer mit Pferd vor einem Trainingswagen - Eckhardt Meyer mit Valentino - Pferd hat in den Neunzigern mit Mario Junghanns die Weltmeisterschaft in Riesenbeck bestritten Quelle: Torsten Volkmer
Anzeige
Misselhorn

Erst auf ganz hartnäckiges Insistieren gibt er die Antwort: ja, Weltmeister war er auch, wenngleich als Trainer.

Es ist die Bescheidenheit des Fachmannes. Ihr haftet kein Hauch von Koketterie an, die gelegentlich bei schnell Emporgekommenen zu beobachten ist. Meyer hat seine Titel im Pferdesport errungen und zwar im Fahrsport. Zu dem ist er vom Springreiten im Jahre 1979 übergewechselt.

Anzeige

Eckard Meyer wurde kurz vor dem Ende des Krieges auf Hof Grauen in Beckedorf geboren. Er ist gelernter Landwirt und deshalb erscheint es kaum verwunderlich, dass ihn Pferde schon seit seinen frühen Kindertagen angezogen haben. Das erste Mal saß er im Alter von sieben Jahren auf dem Rücken eines Pferdes, sechs Jahre später begann er mit der sportlichen Reiterei. Der Vater hat diese Neigung nach Kräften unterstützt. Im Laufe seiner Entwicklung hat Eckardt Meyer schließlich die höchste Sprosse im Reitsport erklommen und ritt in der S-Klasse. Sein sportliches Vorbild war Alwin Schockemöhle. Es war in Hannover auf einem Reitturnier, bei dem es ihm gelang, sein großes Idol zu schlagen. „Ich weiß noch genau, dass Schockemöhle damals auf ‚Freiherr’ ritt“, sagt Eckardt Meyer, hingegen kann er sich nicht mehr erinnern, in welchem Jahr dieses denkwürdige persönliche Ereignis stattfand.

“Die Reitausbildung zieht sich durch mein ganzes Leben“, stellt Meyer fest. Er erwähnt Otto Meyer, den großen aktiven Reiter und Ausbilder, mit dem ihn mehr als nur die Namensgleichheit verbindet. Von ihm ist er mehrmals zur Weiterbildung an die Landesreitschule Hoya gerufen wurde. Von seinem Namensvetter spricht Eckardt Meyer mit großer Hochachtung, in der durchaus Verehrung mitschwingt.

Selbstverständlich braucht die Reiterei eine finanzielle Basis. Die war bei Eckardt Meyer durch den Hof in Weesen gegeben, der in Händen seiner Familie lag. Dort wurde die Landwirtschaft aufgegeben und das Ganze nach und nach in ein Pferdeparadies umgestaltet. 1970 errichten die Meyers eine Reithalle und wandelten die vorhandenen Stallungen in reine Pferdeställe um. .Der Pferdesport, meint Eckardt Meyer rückblickend, sei in jener Zeit „groß im Kommen gewesen“. Für ihn selbst brachte dann das Jahr 1978 eine Umorientierung. Er wechselte zum Fahrsport über. Wenngleich dabei die Beziehungen zum Pferd anders sind, bleibt das „Pferdegefühl“, wie Meyer es nennt, erhalten. Eigentlich gewinnt es sogar noch an Bedeutung, denn die unmittelbaren Einwirkungsmöglichkeiten auf die angespannten Pferde sind geringer. Ein Reiter kann mit Zügel, Schenkel und Gewichtsverlagerung sein Springpferd führen, dem Kutscher bleiben letztlich nur Zügel und gegebenenfalls die Peitsche. Da bedarf es denn schon eines sensiblen Könners auf dem Wagen, um beim Fahrsport höchste Leistungen zu erreichen.

Eckardt Meyer ist ein solcher Könner. In nahezu britischem Understatement nennt er sich einen „Angestellten“. Diese Einordnung ist formaljuristisch richtig, denn er ist beim Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) in Wahrendorf angestellt. Genauer gesagt: Eckard Meyer ist fest angestellt als Bundestrainer für Zweispänner Pferde und Ponies und Einspänner Pferde und Ponies. So lautet die korrekte Bezeichnung. Damit ist Meyer verantwortlich für die insgesamt 29 Fahrer, die das DOKR betreut. „Wir haben den Championatskader, dem 16 Mann angehören, sowie einen B-Kader, in dem alle diejenigen zusammengefasst sind, die noch ihren großen internationalen Durchbruch vor sich haben“, erläutert Meyer. Beide Gruppen hält er permanent im Training. Während der Monate März und April wird dieses Training intensiviert. Dann werden die von ihm Betreuten für jeweils drei Tage zusammengerufen. „Das sind ja alles keine Profis“, erinnert Meyer und macht klar, dass sich mit diesem Sport keine Reichtümer erwerben lassen. Schon allein die Tatsache, dass Ein- und Zweispänner-Fahren keine olympische Disziplin ist, begrenze eine Sponsorentätigkeit auf ein geringes Maß.

Seit Beginn dieses Jahres hat Eckard Meyer gemeinsam mit seinem Sohn Gregor den „Misselhorner Hof“ im Osten von Hermannsburg erworben. In diesem Unternehmen ist der Sohn zwar federführend, jedoch besprechen Vater und Sohn alle wesentlichen Dinge vorher ab. Klar, dass am Misselhorner Hof die Pferde an erster Stelle stehen, wie sich Eckardt Meyer ausdrückt. An das gastronomische Unternehmen ist eine ausgedehnte Reitanlage angeschlossen. Sie besteht aus einer Reithalle und 28 Boxen sowie einem Gelände von 40 Hektar Größe. Eigene Wagen haben die Meyers ebenfalls; ein Jagdwagen und zwei Wagonettes stehen zur Verfügung. Das heißt, Gäste können hier erste Erfahrungen mit dem Fahrsport erwerben. Ebenso können sie die schöne Landschaft der Südheide vom Wagen aus erkunden – ein reizvolles Angebot, das besonders viele Touristen aus den großen Ballungsgebieten gern annehmen. Weiterhin geplant sind Fahrturniere, die der örtliche Reit- und Fahrverein (RuF) Hermannsburg-Bergen ausrichten wird. Da ist es ein Glücksfall, dass Eckardt Meyer nicht nur sein Misselhorner Areal mit dem Turnierplatz zur Verfügung stellt, sondern als zweiter Vorsitzender des RuF aktiv hilft, Vorhaben seiner sportlichen Gemeinschaft in die Praxis umzusetzen. Letztlich gibt es noch eine Besonderheit im Misselhorner Hof. Die besteht in der Möglichkeit zu sogenannten „Schnupper-Lehrgängen“, In denen können Gäste ihre grundsätzliche Eignung für Fahrsport erproben. „Die Kurse werden gut angenommen“, freut sich Eckardt Meyer. Das ist wohl kaum verwunderlich, denn wer möchte sich nicht von einem Deutschen Meister oder gar Weltmeister in die Geheimnisse dieser Art des Pferdesports einweisen lassen?

VITA

Eckardt Meyer

21. Januar 1945 wird Eckardt Meyer auf Hof Grauen / Beckedorf geboren

1952 erstes Reiten

1955 Schulabschluss

1958 Beginn des sportlichen Reitens

1968 Übernahme des Gutes in Weesen

1979 Beendigung des Springreitens, Beginn des Fahrsportes

1991 Deutscher Meister im Zweispänner ; Vize-Weltmeister im

Zweispänner Einzel und Mannschaft

1993 Vize-Weltmeister Zweispänner Mannschaft

1995 Bundestrainer Ein- und Zweispänner

2007 als Trainer: Weltmeister im Zweispänner Einzel und

Mannschaft

2008 Übernahme Misselhorner Hof

2. Vorsitzender RuF Hermannsburg-Bergen

Von Udo Genth