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Typen Ein Lachtekönig meckert nie
Mehr Typen Ein Lachtekönig meckert nie
13:54 13.06.2010
Quelle: nicht zugewiesen
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Altenhagen

Wenn Herbert Helms erzählt, wie er ein neugeborenes Lämmchen eines Nachbarn im Hochsommer versorgt hat, weil das Muttertier das Lüttche nicht annehmen wollte, spürt man in seiner warmherzigen Stimme seine behutsame, liebevolle Art. Fünfmal habe er das Tier gefüttert. Oft habe er sich an die Pforte gestellt und „mäh“ gerufen, in der Hoffnung, dass das Tier reagiert. Meerschweinchen, Katzen und Hunde hat er versorgt. „Manchmal habe ich acht Stellen gleichzeitig gehabt“, sagt Helms und lacht.

Seine „Ponderosa“, wie er seine zur Lachte hin windgeschützte Hütte nennt, sei sein zweites Zuhause, erzählt der Senior und lacht. Dort, wo früher Karnickelställe waren, kommt man jetzt in die Hütte „Zur lustigen Bierecke.“ Man muss Herbert Helms recht geben, wenn er sagt: „Man kommt ins Schwärmen.“

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Der 85-jährige, schlanke, nur 1,65 Meter große Mann mit dem weißen Schnauzbart sieht deutlich jünger aus, als er ist. Viele Zeitgenossen schätzen ihn auf 65 oder 70. Er selbst antwortet auf die Frage nach seinem Alter gern so: „Ist doch klar, 58.“ Das wiederum nehmen ihm die Zeitgenossen auch nicht ab. Schmunzelnd nennt der Rentner sein Geheimrezept: „Früh zu Bett gehen und Niveacreme.“ Im flotten Jogginganzug fühlt sich Helms richtig wohl. „Anzug und Krawatte trage ich nicht so gern, ansonsten lieber Jeans.“

Vormittags hat der Tag für den Rentner eine feste Struktur. Denn er macht quasi den gesamten Haushalt. Liebevoll umsorgt er auch Ehefrau Ruth. Sie kann aufgrund mehrerer altersbedingter Krankheiten fast nichts mehr tun. Gern ist Helms aktiv. Das kommt seinem Naturell entgegen. „Ich muss immer etwas um die Ohren haben.“

Schon frühmorgens vor dem Frühstück setzt der Rentner den Helm auf und auf gehts mit dem Mofa zum Einkaufen. Früher sei er viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Das Einkaufen im Edeka-Laden mache ihm richtig Spaß. „Ich gehöre schon zum Personal“, witzelt der Senior.

Helms hat Brötchen geholt, dann macht er das Frühstück und kocht auch das Mittagessen für sich und seine Frau. Bewusst sorgt er für gute Stimmung: „Ich lockere alles auf, mache ein bisschen Blödsinn und veralbere sie aus Spaß machmal.“

„Früher mussten auch die Kaninchen versorgt werden“, sagt Helms. „Heu und Stroh, Möhren und Kohlblätter musste ich besorgen, dazu die Ställe ausmisten.“ Das sei ihm zuviel geworden.

Und obwohl seine Frau mehr oder minder nicht allein das Haus verlassen kann und er für sie und den Haushalt dasein muss, nimmt er die Situation gelassen: „Ich habe nie Langeweile.“ Trübsal aufgrund der häuslichen Situation lässt er nicht aufkommen: „Es macht keinen Sinn, zu jammern, dann freuen sich nur die anderen.“ Manchmal helfe ihm eine Tochter im Haushalt.

Im Sommer verbringt er oft die Nachmittagsstunden im Garten und auf seiner „Ponderosa.“

Bei den Schützen fühlt Helms sich richtig wohl. Schon das fünfte Mal ist er Seniorenbester geworden. Er habe einen starken Willen, setze sich Ziele, er sei Steinbock vom Sternzeichen her. Auch jetzt hatte er beim Schießen wieder Erfolg. „Ich hab’s gewollt“, sagt er. Für den willensstarken Mann gab es nur einen Gedanken: „Ich bin jetzt dran und schieße immer wieder drauf.“

Vorturner im Männerballett der Schützen

Zehn Jahre wirkte Helms bei der Schützengemeinschaft Altenhagen im Festausschuss. Als eine Damenleiterin die Aufführung eines Männerballetts vorschlug, war er sofort dabei. „Ich war der Kleinste und der Vorturner.“ Es habe ihm einfach Spaß gemacht, erzählt der Rentner. Bei der Schießgruppe der Senioren mischt Helms immer noch mit. „Ich werde nicht nervös, ich ermuntere andere, ruhig zu bleiben. Ich bin einer, der in die Welt passt, mit mir kann man über alles reden. Ich bin wie ein Beichtvater“, meint Helms. Als Mitbegründer vom 1. Mai-Turnier, einem Fußballturnier der Schützen, übernahm Helms quasi die Feldküche und sorgte 20 Jahre lang für die Gulaschkanone oder die Erbsensuppe. Gern schwingt der Senior beim Schützenfest oder beim Wintervergnügen das Tanzbein.

„Er ist ein Vorbild. Ich habe ihn noch nie meckern oder nölen hören. Er ist mit seinem Leben zufrieden“, sagt Wolfgang Gries, Vorsitzender der Schützengemeinschaft Altenhagen. „Für mich ist er eine Vaterfigur, weil er einen liebenswerten Charakter hat“, fügt Gries hinzu.

Vielerorts ist er ein gern gesehener Gast. Von seinen Freunden im Yachtclub wird er manchmal zum Frühstück eingeladen. „Ich bin auf den Schiffen oft als Smutje mitgefahren.“ Natürlich schlage er manchmal Rezeptbücher auf. Vieles koche er aber aus dem Kopf. Nur frisches Gemüse kommt auf den Tisch.

Für unermüdlichen Einsatz als Fußballtrainer geehrt

Viele Jahre war er begeisterter Fußballer und auch Fußballtrainer beim VFL Altenhagen. „Ich habe die Jugend, die Altliga und die alten Herren trainiert.“ Bei den jungen Leuten hat er sich für vorbildliches Verhalten eingesetzt. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde er mehrfach vom Niedersächsischen Fußballverband, Bezirk Heide, geehrt.

Hektik könne er nicht ab. „Es muss immer mit der Ruhe zugehen“, meint Helms. Die Familie steht für ihn im Mittelpunkt. Auch wenn es im Alltag nicht immer ganz einfach sei, verliere er nicht den Humor. „Möchte Mylady vielleicht eine heiße Milch oder einen Cappuccino?“ fragt er öfters seine Frau. In zwei Jahren hätten sie diamantene Hochzeit, sagt Helms voller Stolz. „Ich sag’ immer zu meiner Frau, wenn du vorher in die Kiste springst, bekommst du von mir die rote Karte.“ Ehefrau Ruth meint: „Er ist lieb und immer pünktlich.“ Besonders stolz ist Helms auf seine sechs Kinder. „Sie haben alle Arbeit.“

Viel Glück habe er in seinem Leben gehabt. Er sei bis auf einen Splitter im Auge heil aus dem Krieg gekommen, habe verschiedene Berufe gehabt und er habe eine Familie. Nach gelungenen Operationen habe er zwei neue Knie. Vor zwei Jahren bekam er eine schlimme Diagnose, aber sie sei frühzeitig gestellt worden, erzählt der Senior. Operation, Chemotherapie folgten.

Doch der Rentner behält seine positive Lebenseinstellung: „Immer nach vorn schauen, nie zurück“, lautet seine Devise.

VITA:

11.01.1922 in Lachtehausen geboren

1928 bis 1936 Schulausbildung in Altenhagen

1936 bis 1939 Bäckerlehre

1941 bis 1945: Wehrmacht

1945 bis 1948 Kriegsgefangenschaft in Frankreich

1948 bis 1957 als Bäcker bei der Naafi

1957 bis 1971 Heizungsisolierer

1972 bis 1985 Hausmeister in der Albrecht-Thaer-Schule

seit 1985 Rentner

1968 bis 2000 Mitglied im Fußballverein VfL Altenhagen

seit 1983 Mitglied im Schützenverein Altenhagen

verheiratet, sechs Kinder

Von Anne Marx