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Typen Endlich Freiheit genießen
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14:22 13.06.2010
Kreislandwirt Georg Rahlfs in seinem Element. Quelle: Torsten Volkmer
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Adelheidsdorf

Im 60. Jahrestag des Grundgesetzes sei er besonders stolz auf die Demokratie, weil man alles offen sagen könne, was man denkt. Für ihn gilt die Devise: „Ich rede mit Vertretern aller Parteien, nur nicht mit Kommunisten.“

Prominente Politiker, Landtags- und Bundestagsabgeordnete waren schon auf seinem Bauernhof. Verstehen konnte er es deshalb nicht, als eine Vertreterin der Grünen seinen Betrieb, in dem konventionell gearbeitet wird, nicht besichtigen wollte. Motto von Rahlfs: „Ich würde in keine Partei gehen und mich einem Fraktionszwang unterordnen.“

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Georg Rahlfs betreibt

Bullenmast und Maisanbau

Es ist ein traumhafter, sonniger Tag. Frisches Grün erfreut das Auge weit und breit. Die Jungbullen brüllen. „Das ist immer dann der Fall, wenn Unruhe auf dem Grundstück ist“, erklärt Rahlfs senior. 500 Jungbullen hat der frühere Kreislandwirt in vier Ställen. Er betreibt Bullenmast und Maisanbau. Er habe mehrere Katzen, damit diese die Mäuse wegfangen und auch mehrere Hunde. „Mit Pachtflächen habe ich 140 Hektar zu bewirtschaften“, erklärt Rahlfs. Wenn der Landwirt daran denkt, wie er im Rahmen der BSE-Krise dem ehemaligen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel auf seinem Bauernhof die Betriebsführung eines modernen landwirtschaftlichen Betriebes zeigte und die Sicherheitskräfte bei ihrer Abreise vergaßen, den Politiker wieder mitzunehmen, amüsiert ihn das noch heute. Rahlfs mischte sich ein, nicht nur als Kreislandwirt. Fast zehn ehrenamtliche Funktionen gleichzeitig hat er übernommen. Es war für ihn ein ungeschriebenes Gesetz, wenn man sich in Debatten einmischt, muss man auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Im Februar dieses Jahres hat er seinen Posten als Kreislandwirt aufgegeben. Auch einen Großteil der Ämter hat er nicht mehr inne.

Aufklärungs- und

Überzeugungsarbeit leisten

Immer sei es sein Anliegen gewesen, eine Brücke zu schlagen zu der Bevölkerung, die nichts mit Landwirtschaft zu tun hat, erklärt der Landwirt. Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit im landwirtschaftlichem Bereich waren für ihn immer groß geschrieben. Auf die Frage „Wie macht man das?“ kommt die Antwort kurz und prompt: „Indem man nett ist.“ Der 1,68 Meter große Landwirt strahlt über das ganze Gesicht. Seine innere Einstellung, sein Optimismus, ist eine Kraftquelle für ihn.

Der 68-Jährige gibt sich durchweg gut gelaunt. Er spricht ruhig und gestikuliert nur ein wenig. Auf seine Körpergröße angesprochen reagiert er mit Humor: „Größe ist nicht alles, ich hatte deswegen nie Minderwertigskeitskomplexe.“ Im Gegenteil, setzt er hinzu, ich hatte immer viele Freunde.“ Davon kann man nur überzeugt sein. Öfters klingelt das Telefon. Viele Menschen, die einen landwirtschaftlichen Betrieb haben, wenden sich mit ihren betrieblichen und familiären Sorgen an ihn, denn er war auch einmal Ortsvertrauensmann. Ehefrau Elisabeth, mit der Rahlfs 41 Jahre verheiratet ist, ist immer noch Ortsvertrauensfrau. „Bei uns ist immer etwas los, wir brauchen kein Fernsehen und kein Kino.“ Gerade hat wieder jemand angerufen, der ein Spargelrezept haben wollte.

Georg Rahlfs freut sich über die Anrufe. „Ich bin dann noch nicht abgeschrieben“, meint er. Für ihn steht fest: „Ich kann gut zuhören.“ Geduldig habe er das getan, als jemand ihm ein Problem mit der Traubenkirsche lang und breit vornölte, wie er sagt.

„Meine Lehrer haben

mich sehr geprägt“

Aus seiner Meinung habe er nie einen Hehl gemacht. Er liebe bei anderen Menschen kurze, klare Meinungsäußerungen. Er selbst gebe auch gern kurze Statements. Es komme darauf an, sachlich zu sein und keine Luftschlösser zu bauen. „Meine Lehrer in der Volksschule haben mich sehr geprägt“, erklärt Rahlfs. Ich bin sehr diszipliniert.“ Sein Vater sei sehr streng gewesen, erklärt Rahlfs. Seine Ziele habe er immer im Auge, er sei hartnäckig und habe einen langen Atem. bei Schwierigkeiten auf seinen Wegen komme es für ihn darauf an, nach vorn zu schauen.

„Auch meine Frau hat mich geprägt. Sie hat keine Durchhänger, sondern immer den Blick nach vorn.“ Humorvoll meint er denn auch: „Meine Frau ist mein Hobby.“ Eines steht für Rahlfs fest: „Man muss immer einen Spruch zur rechten Zeit parat haben.“ Schon als junger Landwirt hatte er Kinder auf seinem Trecker sitzen. „Ich liebe Kinder“, sagt Rahlfs.

Wenn er nach einer turbulenten Veranstaltung in das lachende Gesicht eines seiner Enkelkinder schaut, ist die Welt für ihn wieder in Ordnung. Das spürt man auch, wenn seine Ehefrau mit Enkelkind Maja die Essdiele betritt. Im übrigen sei er ein harmoniebedürftiger Mensch.

Der Landwirt findet es gut, dass er in verschiedenen Vereinen mit unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zusammenkommt. Es sei wichtig, den Blickwinkel zu erweitern. Im Bundesvorstand des Deutschen Maiskomitees sei er Mitglied, da er sich einmischen wolle und auf seinem Bauernhof ziemlich fortschrittlich in Sachen Maisanbau sei.

In der Albrecht-Thaer-Gesellschaft sei er Mitglied als verdiente Persönlichkeit. In dem kulturellen Verein „Die Landschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg“ engagiert er sich für den Erhalt historischer Dinge. Rahlfs liest gern Biografien und hört Werke von Mozart. Demnächst freut er sich darauf, mit seiner Ehefrau und Freunden eine Flusskreuzfahrt auf der Donau mitzumachen.

Endlich

„Freiheit“

genießen

„Man muss immer auf dem Boden der Tatsachen bleiben“, sagt Georg Rahlfs. Es liege ihm nicht, mit etwas zu prahlen. 18 Jahre lang war der 68-Jährige Kreislandwirt und ebenfalls 18 Jahre Landvolkvorsitzender. Fünf Jahre fungierte er als Landjugendvorsitzender. Zeitweise hatte er zehn Ehrenämter inne. Einen Großteil der Ämter hat der Vater von zwei Kindern aufgegeben. Nun wolle er keine „Zwangsjacke“ mehr haben, sondern seine Freiheit genießen. Langeweile kommt in seinem Leben nicht auf. Immer noch sucht er den Kontakt mit vielen Menschen.

VITA

✐26. Mai 1941 in Celle geboren

✐1948 bis 1956 Volksschule Adelheidsdorf

✐1956 bis 1959 Ausbildung zum Landwirt

✐1959 bis 1961 Landwirtschaftsschule Celle

✐1972 Ortsvertrauensmann Adelheidsdorf des Landvolkes Celle

✐1980 bis 2000 Vorsitz Bezirksverband Celle; Vorstand Kreislandvolk

✐1983 bis 1991 Schulelternratsvorsitzender der Realschule Wathlingen (mit Unterbrechung)

✐1989 bis 2007 Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Celle

✐1991 bis 2009 Kreislandwirt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen- Celle

✐1993 bis 2009 Vorsitzender AG Futterbau und Futterkonservierung im Bereich der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

✐seit 1994 Landschaftsrat in der Landschaft des Fürstentums Lüneburg

✐1995 Mitglied der Albrecht-Thaer-Gesellschaft

✐1995 Vorstandsmitglied des Deutschen Maiskomitees Bonn

✐verheiratet, drei Kinder

Von Anne Marx