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Typen Für Kinder tut er alles
Mehr Typen Für Kinder tut er alles
14:21 13.06.2010
Vereinssportlehrer Burkhard R¸ühmland Paul Kaschytza (2) Quelle: Torsten Volkmer
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Wietze

Wenn Opa Burkhard seine Nudelsuppe kocht, ist Justus begeistert. Für den dreijährigen Großsohn ist die Suppe einfach das Leibgericht. Und Opa Burkhard ist stolz drauf. Stolz zeigt er auch auf die Bildergalerie seiner Kinder Katrin und Lars und der Enkel Raphael, Justus, Linus und Rosalie im Wohnzimmer.

Wie Kinder sowieso sein ein und alles sind, ob im Kindergarten oder Verein: Rühmland hat sie alle gern.

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Dabei ist es gar nicht so leicht, mit dem Sportlehrer zwischen Wettkämpfen und Trainingseinheiten einen Termin für ein Gespräch zu finden. Gerade müsse noch Organisatorisches für das Sportfest erledigt werden, eben müssten den Kindern noch ihre Urkunden gebracht werden, damit die rechtzeitig ihren Freunden und Schulkameraden gezeigt werden können.

Hier auf der Terrasse hinter dem Haus ist Ruhe. Hier ist Entspannung. Die großen, kräftigen Fallstaff-Rosen in den Töpfen blühen leuchtend gelb: „Wenn sie uns gefallen, dann ist das in Ordnung.“ Burkhard Rühmland macht deutlich, dass er die Schönheit der Natur schätzt, dass er aber nicht jede Minute im Garten verbringt, um große Erfolge zu haben.

Anreize durch regelmäßiges Training

Erfolge hat er gemeinsam mit „seinen“ Kindern beim Sport. Zwar sei Leistungssport ganz toll. Er erfordere aber, das ganze Leben darauf einzustellen und ist deshalb vielleicht nicht immer unbedingt erstrebenswert. Vielmehr bewirke leistungsorientierter Breitensport mit regelmäßigem Training genau so wertvolle Anreize für die sportliche Entwicklung und das spätere Leben. Da seien maximal zwei bis drei Einheiten pro Woche völlig ausreichend. „Wenn die Technikgrundlagen da sind, hat man auch Freude am Sport“, denkt Rühmland, „man sollte aber immer was tun für körperliche Fitness:“

So freut er sich natürlich über Erfolge beim Kreiskindermehrkampf, über Vizelandesmeisterschaften im Staffelschwimmen oder auch über die Nominierung von Patrick Schelm bei der CZ-Wahl zum Sportler des Jahres. Er schwimmt heute beim CSC und hat lange in Wietze trainiert. Aber Erfolg ist für Rühmland auch, wenn die Kinder mit Spaß und Freude laufen, springen, turnen und schwimmen. Oder erfolgreich Handball spielen: prellen, fangen, werfen.

„Mit den drei Wietzer Kindergärten Fliegenpilz, Kükennest und dem evangelischen Kindergarten haben wir als Sportverein eine ganz enge Kooperation.“ Das reiche vom Kindergartenschwimmen für die Kinder, die demnächst eingeschult werden und erstrecke sich zum Bewegungsprojekt in der Sporthalle. Hangeln, Klettern, Balancieren und Schaukeln sind dann angesagt. „Es ist ganz erstaunlich, was die Kinder bei konkreten Anforderungen ganz schnell hinzulernen.“ Über 1300 Mitglieder hat der TSV in Wietze.

Zu Rühmlands Aufgaben gehört auch die Herzsportgruppe. Sechs Ärzte betreuen die von lizenzierten Trainern geleitete Gruppe, denn in Kooperation mit dem MTV Fichte in Winsen bietet der TSV Wietze diesen Gesundheitsservice an. „Die Gruppe wird demnächst 25 Jahre alt – ist also ein bewährtes und anerkanntes Angebot.“ Darauf ist Rühmland stolz, obwohl er die Anfänge selbst nicht miterlebt hat. Damals war er noch Sport- und Geschichtslehrer in Theesen, später in Burg. Nebenbei trainierte er im Trainingszentrum und war Handballtrainer der Männer. Seine Frau Regina arbeitete als Deutsch-, Englisch- und Russischlehrerin in Burg.

Handball-Torwart beim SC Magdeburg

Mit 17 kam Rühmland als Torwart in die Handball-Oberliga-Mannschaft des SC Magdeburg und hat mit 20 am Handball-Europacup teilgenommen. In Österreich, in der Schweiz und in Schweden. „Ich war Mitglied der Juniorennationalmannschaft der DDR und gehörte 1972 in den erweiterten Kaderkreis für die Olympischen Spiele in München“, erinnert sich Rühmland: „Doch, das war schon ziemlich Drill… - Wer nicht die gesetzten hohen Normen erfüllte, flog raus.“

Der Drill sei einfach zu groß gewesen. „Doping spielte im Handball keine Rolle“, meint er aus heutiger Perspektive.

„Nach der Wende hatten der Schul- und Vereinssport keinen hohen Stellenwert mehr“, blickt Rühmland auf den Neubeginn. „Wir hatten größere Hoffnungen in die Zukunft gesetzt, aber das neue Bundesland Sachsen-Anhalt orientierte sich an Niedersachsen und legte Prioritäten anders.“ Da kam die Ausschreibung des TSV Wietze in der Magdeburger Volksstimme gerade recht: Man suchte einen hauptamtlichen Vereinssportlehrer. Und zum 1. April 1992 begann Rühmland seine Arbeit in dem Erdöldorf im Westkreis. Fulltime – die Verbindung von Beruf und Hobby wurde Realität. Ein neues Leben begann. „Das war ein gewaltiger Schritt, den unsere Verwandtschaft damals nicht richtig verstanden hat.“ Heute meint sie, es sei völlig richtig gewesen, nach der Wende in den Westen zu gehen.

Natürlich bedeutete sein beruflicher Wechsel nach Wietze für die ganze Familie einen Neuanfang. Die damals 14 und 18 Jahre alten Kinder mussten sich an die neue Situation gewöhnen.

Katrin begann nach dem Abitur eine Ausbildung bei der Sparkasse in Celle. Sie lebt jetzt bei Gifhorn und ist gerade im Erziehungsurlaub. Lars stieg in die Fußstapfen seines Vaters und besuchte ebenfalls das Sportgymnasium in Magdeburg. „Sein sportlicher Weg führte ihn über die Jugend- und Junioren-Handballnationalmannschaft ins Bundesligateam von Eintracht Hildesheim.“ Er studierte nach seiner Schulzeit Wirtschaftsrecht und arbeitet jetzt in einer Kanzlei in Hildesheim. „Er ist auch ein begeisterter Sportler, der sich um die Nachwuchsarbeit in seinem Verein kümmert“, sieht Burkhard Rühmland Parallelen zur eigenen Entwicklung.

Und dann kommt die fünfjährige Entlebucher-Sennhündin Buffy aus der Küche, begrüßt den Gast, stupst Herrchen an und fordert sein Recht ein: Mit dem Fahrrad geht’s erstmal raus. – Um Ausgleich muss sich Sportler Rühmland nicht bemühen. Ausgleich anderer Art findet er beim Lesen. Gerade liegt die Novelle „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz bereit: „Das Buch wurde von Marcel Reich-Ranicki als sehr gut beurteilt“, ist Rühmland voller Erwartungen.

Vita:

1951 Geboren in Magdeburg, aufgewachsen in Körbelitz;

1966 - 1968 Besuch der Erweiterten Oberschule Magdeburg;

Torwart der Handballmannschaft des SC Magdeburg und der Jugendnationalmannschaft der ehemaligen DDR;

1968 – 1971 Kinder- und Jugendsportschule Magdeburg;

1971 Abitur anschl. Sport- und Geschichtsstudium;

1975 Diplomsportlehrer und Geschichtslehrer

bis 1978 Lehrer in Theesen, danach in Burg;

Trainer im Trainingszentrum Handball und Spielertrainer im Vereinsbereich;

seit 1. April 1992 Vereinssportlehrer beim TSV Wietze;

Rühmland ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.

Von Lothar H. Bluhm