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Typen Im Dienst der guten Sache
Mehr Typen Im Dienst der guten Sache
14:39 13.06.2010
Haupttyp: Werner Schnelle Quelle: Torsten Volkmer
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Eicklingen

Er strotzt vor Lebensenergie. Widmet seine Freizeit allen, aber am Wenigsten sich selbst. „Langeweile kommt bei mir nicht auf“, sagt Werner Schnelle selbst. „Ich hasse Langeweile.“ Und so ist der gelernte KfZ-Mechaniker in den Sommermonaten jeden Tag mehrere Male auf dem Sportplatz und kümmert sich unter anderem um Bewässerung und Rasenschnitt. Und wenn er nicht auf dem Platz ist, dann organisiert er Vereinjubiläen und Feste oder setzt sich politisch für seine Mitbürger im Gemeinde- und Samtgemeinderat ein.Jeden Tag mindestens25 Kilometer auf dem Rad„Auch wenn es nicht den Anschein hat, ich habe auch noch Zeit für mich“, erzählt Schnelle. „Ich fahre jeden Tag mindestens 25 Kilometer mit meinem Tourenrad.“ Sogar eine Reise durch die neunen Bundesländer, hat er mit einem Freund auf dem Rad schon unternommen. „Das war nach der Wende 1990. Wir sind am ersten Juli losgefahren und haben 14 Tage lang die Altmark erkundet. Das war mehr als spannend, denn an unseren neuen Rädern, konnten die Leute ja gleich sehen, dass wir keine Einheimischen waren“, berichtet Schnelle. „400 Kilometer haben wir zurückgelegt bis zur Elbe und dann wieder zurück nach Eicklingen. Das war eine tolle Erfahrung.“ Diese Tour hat ihn noch mehr mit seinem Drahtesel verwachsen lassen. Heute erledigt der Eicklinger geradezu jede Besorgung mit dem Rad. „Lediglich Wasserkisten kaufe ich mit dem Auto“, sagt er lachend. So kommen im Jahr rund 7500 Kilometer zusammen. Besonders freut er sich über die Radtouren, die er zusammen mit dem Enkel einer Freundin unternimmt. „Der Junge hält mich auf Trapp. Das macht richtig Spaß.“ Denn selbst hat Schnelle leider keine Enkelkinder. „Ich habe nie geheiratet. Das hat sich irgendwie nicht ergeben“, sinniert er und senkt seine Stimme. Auch wenn er es nur zaghaft zugibt, eine eigene Familie fehlt ihm schon. „Natürlich denkt man darüber nach. Besonders, wenn man keinen Trubel um sich hat und abends zur Ruhe kommt.“Doch einsam ist Schnelle nicht. Seit 15 Jahren ist er nicht mehr im Dienst der Bundeswehr. Seither hat er sich andere Aktivitäten gesucht, die seinen Lebensalltag ausfüllen. Durch seine zahlreichen Vereinstätigkeiten und sein Engagement in Politik und Dorfgemeinschaft, hat er einen sehr großen Freundes und Bekanntenkreis. „Meine Aktivitäten sind irgendwie ein Ausgleich für das fehlende Familienleben. Ich habe riesigen Spaß an meinen Arbeiten und freue mich immer über neue Projekte.“ „Mensch bleiben muss der Mensch“Sein Lebensmotto „Mensch bleiben muss der Mensch“ nach einem Stück des Ohnsorg-Theaters ist seine Philosophie. Sein Menschsein hat Schnelle sich wirklich bewahrt. Trotz seiner Karriere bei der Bundeswehr ist er immer auf dem Boden geblieben. „Bis jetzt bin ich nie abgehoben“, sagt er selbst. Nichts hat ihn für längere Zeit aus Eicklingen weglocken können. „Für nichts auf der Welt würde ich das alles aufgeben“, so Schnelle. „Ich sage immer: Ich bin Kleingeldmillionär und glücklich.“ Und das sieht man ihm an. Wenn er so über seine Tätigkeiten spricht und aufzählt, was er in seinem Leben schon alles vollbracht hat, glänzen seine Augen und er scheint sich selbst zu wundern, wie viel er eigentlich für andere Menschen tut. Ob Sportverein, Feuerwehr, Schützengesellschaft oder Gemeinderat. Auch wenn er heute die Altersgrenze für die Feuerwehr schon überschritten hat und nicht mehr aktiv am Sportleben des TuS Eicklingen teilnimmt, sein Engagement für die gute Sache ist geblieben. „Über den Winter habe ich die 100-jährige Chronik für die Feuerwehren Flotwedel geschrieben“, erklärt Schnelle. „Und im Sommer bin ich immer auf dem Platz und pflege ihn. Das macht mir großen Spaß.“Ein ganzes Lebenin EicklingenNur einen Steinwurf von seinem Haus entfernt, befindet sich das ehemalige Wohnhaus seiner Mutter. Hier hat er 32 Jahre seines Lebens verbracht. „Ich bin in Eicklingen einfach zu Hause. Auch als ich mich damals noch Mal nach Karow in Mecklenburg-Vorpommern versetzen lassen habe, war immer klar, ich komme zurück.“ Sein heutiges Heim war früher die Volksbank. Das Wohnzimmer der Verkaufsraum. Davon ist nichts mehr zu sehen. „Ich habe das Bodenniveau angeglichen und einige kleine Veränderungen vorgenommen“, berichtet Schnelle. So sei natürlich auch die riesige Fensterfront verschwunden. Dort schimmern nun – zwischen den neuen kleinen Fenstern – orangefarbene Wände und strahlen eine unterschwellige Fröhlichkeit aus. Von hier geht er nur weg, wenn er in Deutschland Urlaub macht. „Ins Ausland zieht mich nichts. Ich mache lieber Touren im Norden Deutschlands“, so Schnelle. Im Herbst will er mit dem Rad durch das Wendland fahren. „Und irgendwann fahre ich sicher auch noch Mal nach Karow und schaue mir an, wie es nach all der Zeit da jetzt aussieht.“Große Ziele für seine Zukunft hat Schnelle sich nicht mehr gesetzt. „Ich bin glücklich so wie ich jetzt lebe“, sagt der Rentner. „Ich hoffe einfach, dass ich gesund in Eicklingen alt werden kann.“Im Dienst der gutenSacheMit 45 Jahren hat er sein letztes berufliches Abenteuer gewagt. Werner Schnelle ließ sich von seinem Bundeswehr-Heimatstützpunkt Wietzenbruch nach Mecklenburg-Vorpommern versetzen und das direkt nach der Wende. In Krakow leistete der KfZ-Mechaniker Aufbauarbeit und kümmerte sich um den Fahrzeugpark. Seit 15 Jahren ist er schon in Rente, aber keinesfalls Rentner. Im TuS Eicklingen ist er der wichtigste Mann auf dem Sportplatz. Ohne ihn geht dort nichts, denn als Platzwart kümmert er sich seit 14 Jahren um das Grün. Und auch aus der örtlichen Politik, dem Heimatverein und dem Ring örtlicher Vereine und Verbände ist der heute 63-Jährige nicht mehr wegzudenken.

Von Jasmin Nemitz