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Typen In Eversen fest verwurzelt: Ottes Hobby ist seine Familie
Mehr Typen In Eversen fest verwurzelt: Ottes Hobby ist seine Familie
14:42 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Porträt Henning Otte mit seinem Sohn Konstantin bei einem "Gartenzaungespräch" Quelle: Torsten Volkmer
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Eversen

Ohne einen strikten Zeitplan wäre Hennig Otte im Wahlkampf aufgeschmissen. Die Uhr bestimmt sein Leben. Alles ist penibel durchorganisiert. Seit Mitte August mobilisiert der CDU-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Celle/Uelzen seine Parteifreunde. 130 Termine stehen in seinem Kalender. Hinzu kommt noch die politische Arbeit in Berlin. Viel Zeit für die Familie und Hobbys bleibt da nicht.

An diesem sonnigen Nachmittag im September gönntsich Otte in Eversen eine kurze Auszeit. Hier auf dem idyllisch gelegenen Hof der Familie tankt der 40-Jährige auf. Seine vier Kinder Benedikt (5), Theresa (3), Konstantin (2) und Amalia (sieben Monate) toben um ihn herum, fordern seine ganze Aufmerksamkeit. „Die Zeit für die Familie nehme ich mir“, betont Otte. „Für Hobbys reicht’s meistens nicht.“

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Mittlerweile verzichtet Otte häufig auf das Joggen vor Arbeitsbeginn, weil ihm seine Kinder wichtiger sind. „Morgens wollen sie ihren Papi haben“, betont der Bundestagsabgeordnete. Wenn sich Otte dann doch einmal Zeit fürs Laufen an der Örtze nimmt, kann es vorkommen, dass er kurzentschlossen ins Wasser springt. „Die Örtze ist ganz schön kalt“, schmunzelt der CDU-Politiker. Dabei bekomme man aber einen klaren Kopf.

In Eversen sind die Ottes fest verwurzelt. Seit 14 Generationen leben sie auf dem Hof in der Dorfstraße. Den Eltern gehörte in dem 1400-Einwohner-Ort das Gasthaus „Zum Dorfkrug“, das nun von Ottes Bruder Manfred und seiner Schwägerin Sylvia betrieben wird. Da der Vater früh starb, musste Henning Otte schon in jungen Jahren mit anpacken. Das habe sein Grundverständnis für Selbstständigkeit geprägt, sagt er. „Außerdem weiß ich, was es heißt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.“ Mit Ottes Mutter Herta leben auf dem Hof der Familie zurzeit drei Generationen. „Man entwickelt dadurch ein Verständnis für den Ausgleich von Interessen“, beschreibt der 40-Jährige das Zusammenleben auf dem Anwesen. Umgeben von bäuerlichen Betrieben, kennt Otte auch die Sorgen der Landwirte, für deren Interessen er sich stark macht.

Seine Familie bedeutet Otte viel. Wenn er ein paar freie Tage hat, genießt er sie im Kreise seiner Liebsten. Da der Nachwuchs noch klein ist, richten der Everser und seine Frau Anna-Maria Cornils ihre Urlaubspläne nach den Bedürfnissen der Kinder aus. In diesem Sommer verbrachten die Ottes vier Tage in Boltenhagen an der Ostsee.

Neben seinen örtlichen Ämtern unter anderem als stellvertretender Landrat, Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Celle und Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Bergen ist Otte auch Mitglied im Schützenverein und passionierter Jäger. „Ich bin gerne in der Natur und steige auch schon mal auf den Hochsitz.“

In Berlin findet der 40-Jährige Entspannung beim Kicken im „FC Bundestag“. Mit anderen Parlamentariern – darunter Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) – jagt er dem Leder hinterher und hält sich auch auf diese Weise fit. Sein Herz schlägt für den HSV. „Ich freue mich aber auch darüber, dass der deutsche Meister aus Niedersachsen kommt“, erinnert Otte an den Erfolg des VfL Wolfsburg.

„Der Einsatz für Arbeitsplätze vor Ort hat für mich höchste Priorität“, betont Otte. Er will die Bundeswehrstandorte im Landkreis und den Truppenübungsplatz in Bergen weiter stärken, die Ostumgehung vorantreiben und eine Hochschul-Einrichtung nach Celle ziehen. Dabei hat Otte die Geothermie im Blickpunkt – eine Zukunftsperspektive für die heimische Erdölindustrie. „Wir haben vor Ort die Kompetenz im Drillingsbereich. Das ist ein Markt, der Celle gut zu Gesicht steht.“

Außerdem will sich Otte darum bemühen, das geplante Europäische Tierschutz-Zentrum nach Celle zu holen und den Bundeswehrstandort Scheuen der Landesfeuerwehrschule zu übertragen. „Das wäre ideal“, betont der CDU-Politiker. „Es gibt einen Gleisanschluss und ein großes Übungsgelände.“

Die vier Jahre im Bundestag beschreibt Otte als „arbeitsintensiv, spannend und erfolgreich“. „Ich hatte die gute Schule der Kommunalpolitik“, sagt er. „Das hat mir viel geholfen.“ Auf die Frage nach bundespolitischen Ambitionen hält sich der Everser bedeckt. Er wolle sich weiterhin im Verteidigungsausschuss und in der Mittelstandsvereinigung der Unionsfraktion engagieren, um etwas für die Bürger in seinem Wahlkreis zu erreichen. Diese Aufgabe fülle ihn aus. Und diese Aufgabe wolle er auch nach dem 27. September fortsetzen.

Sechs Fragen an Otte

Was kann die Politik tun, um in Deutschland mehr Arbeit zu schaffen, von der man auch leben kann?

Unternehmen und Arbeitnehmer müssen weiter entlastet werden. Die CDU will zukünftig zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung und Zukunftstechnologien investieren. Der Staat darf Investitionen nicht blockieren, sondern er muss sie fördern.

Braucht Deutschland einen bundesweit geltenden gesetzlichen Mindestlohn?

Ich halte es für falsch, wenn ein Abgeordneter und damit der Staat darüber befinden soll, wie viel ein Arbeiter verdienen soll. Wir brauchen einen tariflichen Mindestlohn, der von den Gewerkschaften und Arbeitgebern auszuhandeln ist. Ein bundesweiter gesetzlicher Mindestlohn für alle Branchen gefährdet Arbeitsplätze und hebelt die Tarifautonomie als einen Garanten der sozialen Marktwirtschaft aus. Zur Verhinderung von Lohndumping werden wir aber das Verbot sittenwidriger Löhne gesetzlich klarstellen.

Wie lässt sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern?

Das Elterngeld ersetzt jetzt schon 67 Prozent des Nettoeinkommens. Und von 2013 an gibt es einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder ab einem Jahr. Aber wir wollen noch mehr: Mit einem Familiensplitting wollen wir die steuerliche Berücksichtigung von Kindern auf 8004 Euro anheben. Zudem erhalten Eltern ein monatliches Betreuungsgeld, wenn sie den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr nicht in Anspruch nehmen.

Sind in Zeiten der Wirtschaftskrise und ausufernden Staatsverschuldung Steuersenkungen vertretbar?

Die aktuelle Wirtschaftskrise wird zuallererst von den Menschen bewältigt, die durch ihren Fleiß unser Land voranbringen. Die CDU will diese Menschen motivieren und sie deshalb entlasten. Leistung muss sich lohnen. Wir wollen, dass die Bürger mehr Netto vom Brutto haben. Die CDU will die Bürger durch die Abflachung der Kalten Progression, der Senkung des Eingangssteuersatzes und der Verschiebung des Höchststeuersatzes auf Jahreseinkommen erst ab 60000 Euro spürbar entlasten.

Soll Deutschlands Freiheit weiterhin in Afghanistan verteidigt werden?

Der Afghanistan-Einsatz ist unsere Reaktion auf den Terror. Er ist von dort gekommen – nicht umgekehrt – und muss auch dort bekämpft werden zu unserer Sicherheit. Ich habe aber immer wieder deutlich gemacht, dass die afghanische Regierung noch viel intensiver in die Pflicht genommen werden muss.

Hat die Kernenergie hierzulande noch eine Zukunft?

Nein. Mit der CDU wird es in Deutschland keine neuen Kernkraftwerke geben. Aber solange regenerative Energien die Kernkraft nicht ersetzen können, braucht Deutschland einen Energiemix. Das Regierungsprogramm der Union legt fest, dass der größte Teil der Erlöse aus einer Verlängerung der Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke zur Forschung im Bereich der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien sowie zur Senkung der Strompreise genutzt werden soll.

CDU-Politiker hat sich für Bauern

und Bundeswehr eingesetzt

Bilanz nach vier Jahren: Lärmschutz verbessert – Pech beim Tierinstitut

CELLE. Der 11. Mai 2006 war für Henning Otte ein besonderer Tag: Er hielt seine erste Bundestagsrede. „Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man unter dem Bundesadler steht“, hatte Otte damals gesagt. Seitdem hat sich der Christdemokrat, der vor vier Jahren über die Liste ins Parlament einzog, in Berlin unter anderem im Verteidigungsausschuss und in der CDU-Mittelstandsvereinigung für die Interessen der heimischen Wirtschaft eingesetzt.

Gemeinsam mit anderen Verantwortlichen war Otte beim Spatenstich des erstes Bauabschnitts der Celler Ostumgehung am 2. Mai 2007 anwesend. Am 3. Juni dieses Jahres wurde der Startschuss für den Bau des zweiten Teils gegeben. Dies sei ein Erfolg der Beteiligten auf allen Ebenen, betont der CDU-Politiker. „Als stellvertretender Landrat und Bundestagabgeordneter konnte ich dieses Vorhaben besonders gut begleiten.“

Darüber hinaus machte sich Otte für die Bundeswehr-Standorte in Celle-Wietzenbruch, Faßberg und den NATO-Truppenübungsplatz in Bergen stark. „Bis zum Jahr 2013 werden hier insgesamt 125 Millionen Euro investiert“, erläutert Otte. Überdies habe Rheinmetall wichtige Aufträge der Bundeswehr erhalten. Aktuell setzt sich Otte für die Aufrechterhaltung des Übungsbetriebs in Lohheide vor dem Hintergrund drohender Verschärfungen der Lärmschutzrichtlinien ein.

Der 40-Jährige engagierte sich auch für die Interessen der Bauern und erreichte in Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) Entlastungen beim Agrardiesel. Auch andere CDU-Politiker hatten darauf gedrungen. „Als Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union habe ich außerdem die Einführung der Ziel-1-Förderung begleitet und ausgestaltet“, nennt Otte einen weiteren Schwerpunkt seiner politischen Arbeit.

Auch für den Bau von Fahrstühlen am Celler Bahnhof hatte sich Otte jahrelang engagiert. Diese sollen nun Ende des Jahres in Betrieb gehen. Zudem setzte er Verbesserungen beim Lärmschutz in Celle durch: Die Bahn errichtete fünf Schallschutzwände. Ferner unterstützte Otte die Breitbandinitiative des Bundes, mit der der Ausbau der schnellen Datenübertragung auch im Celler Land gefördert wird.

Für die Rettung des Celler Tierschutzinstituts machte sich Otte ebenfalls stark. Er bemühte sich um eine Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Das beschlossene Aus des Instituts konnte Otte allerdings nicht verhindern.