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Typen Kreativer Regisseur und Mime
Mehr Typen Kreativer Regisseur und Mime
15:08 13.06.2010
Karlheinz Rehling Quelle: Torsten Volkmer
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Celle Stadt

Die Treue zu Dingen und Personen zeichne ihn aus, meint Barbara Rehling über ihren Ehemann Karlheinz. Seit September 1978 ist Karlheinz Rehling Leiter der Theatergruppe der Volkshochschule Celle. Organisatorisches, aber auch Proben zu dem von Rehling selbst geschriebenen Stück „Arlecchino, auf nach Celle“ stehen auf dem Programm an diesem Abend. Zügig und straff führt Rehling im Innenhof der Volkshochschule durch die einzelnen Programmpunkte.

11 von 13 Mitgliedern der Theatergruppe macht er klare Ansagen. „Disziplin ist nötig“, meint Rehling. Oft sind seine Worte gewürzt mit Humor. Die Rollen für die Stadtführung in historischen Szenen müssen zunächst besetzt werden. Bei dieser Stadtführung begegnen die Bürger an diversen Schauplätzen Persönlichkeiten und Ereignissen der Celler Geschichte. Das Stück „Arlecchino, auf nach Celle“ wird mit verteilten Rollen gelesen. Rehling akzentuiert und verbessert die Sprechweise der Darsteller. Dann wird die Kulisse aufgebaut. Der Leiter der Theatergruppe schlüpft selbst in das reizvolle Kostüm des Signore Mascere. Die „Bauta“, die weiße Maske, der Umhang und das Cape hängen ansonsten an der Seite eines Bücherregals in seinem Arbeitszimmer. Gern schlüpft Rehling in verschiedene Rollen.

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Faible für Venedig, Wien,

St. Petersburg und Siena

Aus seiner Vorliebe für Venedig und den venezianischen Karneval macht Rehling keinen Hehl. Oft fährt er privat oder mit einer Besuchergruppe zum venezianischen Karneval. In seinem Büro in der VHS schmücken zwei schwarze und eine rotbraune Maske einen Schrank, darüber hängt eine Luftbildaufnahme von Venedig. Markant ist auch eine kleine Büste von Richard Wagner. Daneben hat Rehling einen Rheingold-Klavierauszug gestellt. Das Plakat an der Tür weist auf das Stück „Ring ohne Noten“ hin, das anlässlich des 30-jährigen Bühnenjubiläums der Theatergruppe aufgeführt wurde. Sieben Pfeifen hängen in Schlaufen an einem Pfeifenhalter an der Wand, zwei Pfeifen liegen auf dem Aschenbecher. Er betreibe Genussrauchen, stellt Rehling klar.

„Kreativität, Phantasie und ein umfangreiches Wissen“

Bei der Theatergruppe versteht er sich als Ideengeber, Organisator, Koordinator und Ratgeber. Kreativität, Phantasie und ein unglaublich umfangreiches kulturelles Wissen habe er, meint Ehefrau Barbara, mit der Karlheinz Rehling 27 Jahre verheiratet ist. Sie hat ein Kind aus erster Ehe, er zwei Kinder aus erster Ehe. Die Tonskulptur auf einem Regal im Wohnzimmer, das von Blau- und Weißtönen dominiert wird, weise, so Barbara Rehling, auf die Art des Miteinanders von ihr und Ehemann Karlheinz hin: „Wir sind eigenständig, und doch nah beieinander. Und wir sind völlig verliebte Großeltern“ sagt die Ehefrau und weist stolz auf die drei Enkelkinder hin.

Viele Accessoires und Raummöbel tragen eine individuelle Note: Der Notenständer mit der geschwungenen Form, die in Grüntönen changierende Schale auf dem Tisch und die Sammlung von Krügen in Blau- und Weißtönen hoch oben auf dem Regal. Der Kamin mit den blau glasierten Kacheln, teilweise bestehend aus den von Karlheinz Rehling selbst kreierten Kachelreliefs, die die Elemente Feuer, Wasser, Erde Luft als Motive haben, hat eine ganz individuelle Ausstrahlung. Rehlings Steckenpferd ist die Reisefotografie. Besonders Städte wie Venedig, Wien, St. Petersburg und Siena, haben es ihm angetan. „Es sind Städte, die eine lange gewachsene Geschichte haben und deren Stadtkerne noch erhalten sind“, erklärt Rehling. Er habe eine umfangreiche Dia-Sammlung. Früher hat er auch Teddies der Firma „Steif“ gesammelt.

Bücher über seine Reiseziele in Europa und Amerika finden sich in seinen Bücherregalen genauso wie Bücher über das Musiktheater. Ein Faible hat Rehling für die Musik von Richard Wagner und Richard Strauß. Sein Interesse am Theater begann bereits im Kindergarten. „Es gab Angebote, es wurde Theater gespielt“, erzählt er.

Die künstlerische Ader hat er von seinem Großvater

Seine heutige tolerante Einstellung habe er von seinem Vater, resümiert Rehling. „Es wurde alles akzeptiert, was ich machte und was ich für Interessen entwickelte.“ Die künstlerische Ader habe er von seinem Großvater mütterlicherseits. Er war ein Hobbymaler.

Von sich selbst sagt Rehling, er sei norddeutsch zurückhaltend und kritisch. Es komme darauf an, bei allem Enthusiasmus alles pragmatisch zu betrachten. Wenn man im Leben auf Bedingungen trifft, die man nicht ändern könne, sei es wichtig, mit Kompromissen zu arbeiten. „Man muss Visionen haben, Phantasien entwickeln, realistisch damit umgehen und Erwartungen in das rechte Maß rücken“, meint Rehling.

Da er vorwiegend weibliche Darsteller in seiner „Truppe“ hat, könnten bestimmte Stücke, die vorwiegend mit männlichen Rollen besetzt sind, nicht aufgeführt werden. Es sei faszinierend, gemeinsam Ziele anzustreben und sie in Aufführungen zu verwirklichen. Der Prozess der Probenarbeit sei für ihn wichtig.

Prozess der Probenarbeit ist für ihn sehr wichtig

Er mache Vorschläge, welche Stücke gespielt und in welchen Rollen sie besetzt werden sollen. Die Amateurdarsteller dürfen auch mitbestimmen. Es gäbe ein Ritual, wodurch die Darsteller per Handschlag zu ihren jeweiligen Aufgaben verpflichtet werden. Seinem Engagement für die Theatergruppe will Rehling treu bleiben. Das nächste kleinere Projekt ist in Planung: Es ist das Stück „Frank V.“ von Friedrich Dürrenmatt, das nächste größere Projekt ist eine Schiller-Revue mit Balladen und Gedichten von Schiller.

Lebenslauf

6.12.1951 in Celle geboren

1958 bis 1962 Hehlentorschule Celle

1962 bis 1970 Hermann-Billung-Gymnasium Celle

ab Wintersemester (WS)1970/71 bis 1974 Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft, Geschichte in München; ab WS 1971/72 Studium der Sprechwissenschaft als Schwerpunkt

1974 bis 1976 als Lehrkraft am Hermann-Billung-Gymnasium mit Lehrvertrag im Fach Deutsch; Leiter der Theater-Arbeitsgemeinschaft der Schule

ab August 1975 Dozent für Rhetorik an der Volkshochschule Celle

seit Juni 1978 hauptamtlicher pädagogischer Mitarbeiter der VHS, Fachbereichsleiter für „Kulturelle Bildung“ und „Fremdsprachen“

seit September 1978 Leiter der Theatergruppe der Volkshochschule Celle

Juni 1978 bis Oktober 2008 Außenstellenleiter der VHS Samtgemeinde Wathlingen

1979 bis 1984 Dozent für Literaturgeschichte und Sprechgestaltung an der Schule Schlaffhorst-Andersen für Atem-, Sprech- und Stimmlehrer in Eldingen

1988 Dozent für Mitarbeiterfortbildung des Landesverbandes der Volkshochschulen Niedersachsens im Bereich „Theaterarbeit“

1989 bis 2003 Vorsitzender der Bibliotheksgesellschaft Celle

seit Oktober 2008 stellvertretender Leiter der Volkshochschule Celle

Von Anne Marx