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Typen Bild geht zur Versteigerung nach Berlin
Mehr Typen Bild geht zur Versteigerung nach Berlin
09:00 09.01.2019
Asta Friedrich hat ihr Bild „die Reiher“ für die Versteigerung zugunsten der Aufbauarbeiten des Berliner Schlosses gestiftet.  Quelle: Doris Hennies
Celle

Das Entwerfen, Zeichnen und Malen gehört für Asta Friedrich, seit sie denken kann, zu ihrem Leben. Auch wenn es immer einmal Pausen zwischen den Schaffensperioden gegeben hat, so hat das Talent für das Künstlerische sie stets begleitet und ihr über viele schwierige Zeiten hinweggeholfen. Geboren in Berlin, hat es die heute 92-Jährige „von Berufs wegen“ mit ihrem Mann Anfang der siebziger Jahre nach Hermannsburg verschlagen, wo er eine Stelle bei der Missionsdruckerei angenommen hatte. Das Paar blieb, obwohl sie nie mehr zurück gezogen sind, ihrer Hauptstadt sehr verbunden. „Schließlich wohnten da all unsere Freunde und die Familien.“ Berlin ist für Asta Friedrich mit unzähligen Erinnerungen verbunden – und mit dem Beginn ihrer inzwischen durchaus beachteten Karriere als Malerin. In diesem Jahr spannt sich ein besonderer Bogen wieder hin nach Berlin: Ihr Bild „Die Reiher“ geht in die Sammlung von Werken, die für den "Verein zur Förderung des Berliner Schlosses" offiziell meistbietend versteigert werden. Es ist bereits das zweite Bild, das die Künstlerin stiftet: „Det is mein Beitrag für den Erhalt und Wiederaufbau eines Stücks Heimat“, sagt sie, denn ein bisschen kommt das Berlinerische sprachlich immer noch durch.

Asta (damals noch Schumann) wurde 1926 in Berlin Mitte „mit Blick aufs Rathaus“ geboren. „Das Schloss und der Park waren ganz in der Nähe. Als Kinder haben wir uns manchmal zwischen die Besuchergruppen gemogelt und sind dann drinnen voller Vergnügen in den Puschen übers Parkett geschlittert, bis man uns erwischt hat“. Viel Zeit für Spaß und Spiel gab es nicht „Wir waren sechse – ich war die Älteste. Meine Mutter musste putzen gehen, ging nich anders. Da war es an mir, die Geschwister zu hüten.“ Die letzte Klasse Volksschule konnte die 15-Jährige wegen der Kriegswirren nicht mehr beenden, „und das hab ich immer sehr bedauert.“ Stattdessen hatte sie, wie alle ihre Mitschülerinnen, ihr „Pflichtjahr“ zu absolvieren. Asta kam als Haushaltshilfe bei einer „herrschaftlichen Familie eines Oberregierungsrats“ in Potsdam unter. Die Seniorin nennt es zurückblickend „ein lehrreiches Jahr. Zu meinen Aufgaben gehörte auch das Servieren bei Tisch, da wurde noch ein Hofknicks erwartet. Aber über die Etikette hab ich einiges auch für später gelernt. Lernen kann man immer was – das wurde zu meinem Prinzip.“

Zukunftspläne durch Krieg zunichte gemacht

Eigentlich hatte das junge Mädchen den Traum, Kostümbildnerin zu werden. „Schon als Sechsjährige hab ich mir mein erstes Kleid selbst genäht – und natürlich meine Puppen ausgestattet.“ Der Wunsch und das handwerkliche Geschick kamen nicht von ungefähr: „Mein Vater war als Kleindarsteller im Theater am Gendarmenmarkt beschäftigt. Die Kostüme und diese ganze Atmosphäre dort, auf und hinter der Bühne, haben mich schon als Kind fasziniert. Dort wollte ich nach der Schule meine Schneiderlehre beginnen. Dann kam der Krieg und machte einen Schnitt durch alle Zukunftspläne. So bin ich, dank meines guten Gehörs, als Telefonistin im Reichsluftfahrtministerium dienstverpflichtet worden.“ Mit 16 Jahren hat sie ihren zum Wehrdienst eingezogenen Vater am Bahnhof verabschiedet – er galt seither als auf dem Schlachtfeld vermisst. „Da stand die Mutter nach dem Krieg mit uns sechs Kindern alleine und jeder musste mit anpacken. Zwei Mal wurden wir ausgebombt, saßen verängstigt im Luftschutzkeller. Nach Eignung oder Wunsch wurde da nicht gefragt. Es galt jede Arbeit anzunehmen, die man bekam, um durchzukommen, kurz nach dem Krieg gabs kaum eine.“

Asta Schumann hatte Glück, ein Handarbeits- und Wäschegeschäft suchte eine Hilfs-Verkäuferin und die junge Frau griff zu, „von jetzt auf gleich“. Sie war freundlich und fleißig – das gefiel der Chefetage und so stieg die 18-Jährige Schritt für Schritt auf. Abends besuchte sie die Fortbildungsseminare der Firma Triumph, „dort habe ich das richtige Messen und einiges über Anpassung und Schnittführung gelernt. Das habe ich später in anderen, selbst bezahlten Abendkursen noch vertieft, um eigene Modelle zu entwerfen." Sie hatte den Traum vom Schneiderberuf nie vergessen. In der Kriegs- und Nachkriegszeit konnte sie damit einiges dazuverdienen – „aus jedem Stück Stoff hat man etwas gemacht. Und als man später wieder mehr Geld hatte, habe ich als private Schneiderin jede Menge toller Kleider entworfen und genäht. Heute ham se ja kaum was mehr an, aber damals hab ich nicht selten 30 Meter Tüll im Rock verarbeitet. Die Damen mussten sich auf den Tisch stellen, damit man richtig kürzen konnte.“ Ans Theater ist sie allerdings nie mehr gekommen.

In den sechziger Jahren hatte Asta Schumann einen Job als Kindermädchen im Haushalt einer Ärztin. Vier Jahre lang hat sie dort gearbeitet. „Mit den Kindern hab ich unter anderem sehr viel gemalt“. Ihre Dienstherrin hat dieses große Faible erkannt und ihr zu Weihnachten einen gut sortierten Ölmalkasten geschenkt – der Startschuss für eine zweite Karriere: „Es hat mich wahnsinnig gereizt, es gleich auszuprobieren. In der Küche lag eine Postkarte mit dem Foto einer Wildkatze, die sollte mein erstes Motiv werden.“ Ein paar Ansätze hat es gebraucht, bis die Autodidaktin mit ihrem ersten Werk zufrieden war und es beließ. Es sollten noch viele Bilder von Postkarten und Fotokalendern folgen. Naturmotive sind ihr am Liebsten. Jenes erste Motiv, mit der Wildkatze, fand auf Drängen einer begeisterten Freundin sogar Anfang der 70er Jahre einen Platz und große Anerkennung in der Ausstellung am Funkturm von der Aktionsgemeinschaft Berliner Hobbymaler.

Durch Zufall die große Liebe kennengelerntt

Als ihr größtes Glück bezeichnet die Berlinerin allerdings die Bekanntschaft mit ihrem Hans. Und dafür hatte das Schicksal ganz schön nachgeholfen, denn der junge Mann hatte sich verwählt und landete durch puren Zufall am Telefon von Asta Schumann. „Er hatte eine so sympathische Stimme und meine hat ihm wohl auch gefallen. Keiner wollte das Gespräch beenden – obwohl das Telefonieren damals ja noch sehr teuer war. Dann haben wir uns verabredet in einem Café. Ich trug einen sensationellen roten Mantel und er hatte verraten „ich bin der Braungebrannteste vor Ort“. Er hat mir sofort gefallen, groß, schlank und mit einem wundervollen Sinn für Humor. Sein Lachen hat mich überzeugt. Wir plauderten über Stunden – bis er sich sputen musste, um die letzte Bahn nach Spandau zu erwischen.“ 1972 heiratete Asta ihren Hans und wurde Frau Friedrich. Kinder haben die beiden keine – „es hat einfach nicht geklappt. Aber wir hatte so viel Spaß zusammen, waren unternehmungslustig und sind viel gereist. Dann wurde Hans schwer krank, 2004 ist er gestorben. Asta Friedrich hat sich nur schwer von dem Verlust erholt. Und wieder haben Leinwand und Farbe ihr über die trübsten Zeiten hinweg geholfen. Ein Bericht im Fernsehen über „Grandma Moses“ gab ihr den Mut. „Sie ist erst mit über 80 durchgestartet – und ist über 100 Jahre alt geworden.“ An der Staffelei vergisst sie die Trauer für ein paar Stunden und gibt sich ihrem liebsten Hobby hin. Auch nähen tut sie noch immer, für sich und liebste Freundinnen – nur für die ganz besonderen Feinheiten machen ihre Finger nicht mehr mit. Aber Aufgeben ist keine Option.

lebenslauf

15. Februar 1926

in Berlin Mitte geboren

1942

ins „Pflichtjahr“ für Mädchen

1945

Beschäftigung als Verkäuferin
in einem Wäschegeschäft

1970

erstes Bild in einer Ausstellung
Berliner Hobbymaler

1972

Hochzeit mit Hans Friedrich
– Umzug nach Hermannsburg

2004

Hans Friedrich stirbt nach
schwerer Krankheit

ab 2005

die Malerei für sich wieder entdeckt – es folgen kleinere Ausstellungen

2019

Das Bild „Die Reiher“ geht zur Versteigerung für den Erhalt des Berliner Schlosses nach Berlin

Von Doris Hennies

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