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Typen Seine Welt ist eine Scheibe
Mehr Typen Seine Welt ist eine Scheibe
13:57 13.06.2010
Von Anne Marx - BOYE. Das Grundstück ist ein kleines Museumsgelände. Besucher tauchen ein in eine andere Welt: Ein Hauch von Sehnsucht nach guten alten Zeiten kommt auf, wenn Jochen Enghausen auf dem Grundstück seines Elternhauses auf das alte bäuerliche Gerät hinweist, das er mit seinem Vater gemeinsam gesammelt hat. Dabei weiss der 50-Jährige, dass vielfach gute alte Zeiten auch harte Zeiten waren. Torfspaten, Rübenhacken, Heugarben und Plackenkacken für die Einstreu in Schweine- und Kuhställe hängen an einer Holzwand. Einen alten Steinbackofen hat der 50-jährige Boyer gemeinsam mit seinem Vater gebaut. „Mit Schützenschwestern haben wir darin schon gemeinsam Brot und Butterkuchen gebacken“, sagt Enghausen, der selbst begeisterter Schütze ist. Eindrucksvoll ist auch ein alter Bienenzaun mit Bienenkörben. „Das habe ich von der Verwandtschaft aus Bonstorf.“ - „Ich würde gern auf einem alten Bauernhof leben“ - Viele alte Gegenstände, Milchkannen, ein alter Ofen, Backformen, Bratpfannen, alte Schützenuniformen und eine Feuerwehruniform sind entweder Geschenke von Familienangehörigen oder stammen aus Auflösungen von Bauernhöfen. „Ich würde gern auf einem alten Bauernhof leben“, gesteht Enghausen und denkt dabei an einen Hof aus dem 19. Jahrhundert. Wehmut liegt in seiner Stimme: „Früher war vieles noch nicht so hektisch.“ - Eine alte Blechdosensammlung von Harry Trüller und ein altes Firmenschild von Franz Guizetti gehören zur Sammlung Enghausen. Vor seinem Kunstatelier sitzen zwei große Figuren aus Plastik, ein Pfeife schmauchender Opa, der in einem dicken Buch, vielleicht der Bibel, liest, und eine Oma, die einen Pullover strickt. Ein altes Firmenschild von einem Malermeister aus Westercelle weist auf das „Maleratelier Jochen Enghausen hin. „Harmonie ist alles. Wer schaffen will, muss fröhlich sein“, Diese beiden Aussprüche von Kunstmaler Wilhelm Kruke und von Kunstmaler Wilhelm Kricheldorff hat Enghausen für sich zum Quelle: Peter Müller
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Boye

Das Grundstück ist ein kleines Museumsgelände. Besucher tauchen ein in eine andere Welt: Ein Hauch von Sehnsucht nach guten alten Zeiten kommt auf, wenn Jochen Enghausen auf dem Grundstück seines Elternhauses auf das alte bäuerliche Gerät hinweist, das er mit seinem Vater gemeinsam gesammelt hat. Dabei weiss der 50-Jährige, dass vielfach gute alte Zeiten auch harte Zeiten waren. Torfspaten, Rübenhacken, Heugarben und Plackenkacken für die Einstreu in Schweine- und Kuhställe hängen an einer Holzwand. Einen alten Steinbackofen hat der 50-jährige Boyer gemeinsam mit seinem Vater gebaut. „Mit Schützenschwestern haben wir darin schon gemeinsam Brot und Butterkuchen gebacken“, sagt Enghausen, der selbst begeisterter Schütze ist. Eindrucksvoll ist auch ein alter Bienenzaun mit Bienenkörben. „Das habe ich von der Verwandtschaft aus Bonstorf.“

„Ich würde gern auf einem alten Bauernhof leben“

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Viele alte Gegenstände, Milchkannen, ein alter Ofen, Backformen, Bratpfannen, alte Schützenuniformen und eine Feuerwehruniform sind entweder Geschenke von Familienangehörigen oder stammen aus Auflösungen von Bauernhöfen. „Ich würde gern auf einem alten Bauernhof leben“, gesteht Enghausen und denkt dabei an einen Hof aus dem 19. Jahrhundert. Wehmut liegt in seiner Stimme: „Früher war vieles noch nicht so hektisch.“

Eine alte Blechdosensammlung von Harry Trüller und ein altes Firmenschild von Franz Guizetti gehören zur Sammlung Enghausen. Vor seinem Kunstatelier sitzen zwei große Figuren aus Plastik, ein Pfeife schmauchender Opa, der in einem dicken Buch, vielleicht der Bibel, liest, und eine Oma, die einen Pullover strickt. Ein altes Firmenschild von einem Malermeister aus Westercelle weist auf das „Maleratelier Jochen Enghausen hin. „Harmonie ist alles. Wer schaffen will, muss fröhlich sein“, Diese beiden Aussprüche von Kunstmaler Wilhelm Kruke und von Kunstmaler Wilhelm Kricheldorff hat Enghausen für sich zum Leitmotto erklärt. „Denn wenn man griesgrämig ist, schafft man nichts“, sagt der Scheibenmaler und lächelt. Im übrigen liebe er Romantik und Gemütlichkeit, sagt Jochen Enghausen von sich selbst. „Ich bin ein geselliger Typ“, fügt er hinzu und lächelt. Und Vater Egon fügt hinzu: „Er ist heimat- und erdverbunden.“

Auf einem Unterstand und an den In- und Außenwänden des Ateliers hängen große Schützenscheiben, Königsscheiben, Ehrenscheiben. Viele hat Jochen Enghausen auf Trödel- und Flohmärkten erstanden, manche Scheiben sind Geschenke von Schützen. Etwa 150 alte Schützenscheiben hat er gekauft. „oder vor der Vernichtung gerettet und restauriert“, fügt Enghausen hinzu und lächelt. In seinem Besitz sei sogar eine alte Scheibe aus dem Jahr 1796 von der Schützengesellschaft Altenceller Vorstadt, die man im Bierkeller von Fritz Krohne gefunden habe.

Manche Scheiben hat der begeisterte Schütze auch selbst gestaltet. So hat er eine Gedenkscheibe zum Tag der Maueröffnung und anlässlich der Wiedervereinigung gemacht. „1972 hab’ ich die erste Scheibe von Onkel Willi restauriert, die auf der Regentonne zu vergammeln drohte.“ Anregungen für Motive holt er sich aus Ordensbüchern. „Oder man fährt mal über die Dörfer und guckt sich Schützenscheiben an“, sagt Enghausen. „Manchmal würfele ich auch Motive aus verschiedenen Büchern zusammen.“

Das Bemalen der Schützenscheiben erfolgt in zwei Schritten: „Zuerst werden die Scheiben grundiert, dann mit Kunstharzlack bemalt.“ Vater Egon schwärmt von der Handschrift seines Sohnes: „Er hat sich die Beschriftung der Scheiben aus freier Hand selbst angeeignet.“ Alle bemalten Schützenscheiben hat der Hobbykünstler fotografiert. Viele Ordner mit eingeklebten Fotos auf Papierbögen und vielen Zeitungsartikeln zum Schützenwesen füllen den Schrank in seinem Atelier.

Anregungen für Bemalen von Schützenscheiben

Die Liebe zum Schützenwesen liegt in der Familie. Der Urgroßvater war 1922 schon Schützenkönig.

Die Gabe, Schützenscheiben zu bemalen, sei ihm in die Wiege gelegt worden. „Mein Vater hatte auch als Leiter der Schlossführungen eine Ahnung von der Restaurierung von Bildern. Er hat mir Anregungen gegeben, wie man es macht.“

Für Enghausen steht fest: „Es macht mir Spaß, Schützenscheiben zum Leben zu erwecken. Es tut mir leid, wenn solche alten Schützenscheiben zum Feuerholz wandern.“

Es ärgert ihn, wenn Nachkommen Schützenscheiben ihrer verstorbenen Familienangehörigen einfach auf dem Flohmarkt verkaufen und nicht der Nachwelt erhalten. „Altes erhalten, Neues gestalten“, darauf käme es an.

Vor allem für die Schützengesellschaft Klein Hehlen, die Schießsportgruppe Boye sowie für die Altstädter Schützengilde hat Enghausen zu diversen Anlässen Schützenscheiben bemalt.

Mit Freundin Daniela teilt er die Liebe zum Schützenwesen. Denn sie spielt Querflöte im Spielmannszug Westercelle. Seit Juli dieses Jahres ist Enghausen Mitglied im Campingclub Celle. Gern ist er mit Freundin Daniela mit dem Wohnwagen auf Tour.

„Ich will nur noch

Überschaubares sammeln“

Sein Interesse an schönen alten Dingen und die Freude am Sammeln bleiben. „Ich will nur noch überschaubare Dinge sammeln.“ Gern erinnert er sich an den Besuch einer Kindergartengruppe auf seinem „kleinen „Museumsgelände“. Daher möchte der 50-Jährige weiterhin alte Ausstellungsstücke präsentieren. In sein Vorhaben schließt er seinen Vater mit ein: „Für kleine und private Gruppen öffnen wir unsere Museumstüren gern.“

Von Anne Marx