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Typen Spiel mit Farben und Licht
Mehr Typen Spiel mit Farben und Licht
13:51 13.06.2010
Er ließ sich zum Textilzeichner ausbilden, erlebte den zweiten Weltkrieg als Flugzeugführer im Fronteinsatz und als Testpilot, war drei Jahre im Kaukasus gefangen und gründete nach Kriegsende seine eigene Firma in Hambühren. Aber vor allem war und ist Herbert Staps eines – ein Mann voller Hingabe und Freude an der vielfältigen Schönheit der Natur. Und die hält er auf der Leinwand fest. Vor kurzem trat er mit 96 seiner rund 1400 Ölgemälde zum ersten Mal an eine große Öffentlichkeit in der Kunststation Kleinsasssen – als 91-Jähriger. - Von Evelyn Kretzschmar - HAMBÜHREN. Flammendes Rot und Gelb beherrscht den tiefblau gefärbten Himmel, taucht ein in die Wellen, die das atemberaubende Spiel der Farben aufnehmen und widerspiegeln –intensiver Zauber eines „Augen“-Blickes, der den Atem stocken lässt. „Sommerabend an der Ostsee“ hat Herbert Staps sein Ölgemälde betitelt; eines von rund 1400 Werken, die er im Laufe seine Lebens gemalt hat – und eines von 96 Bildern, das er für seine Ausstellung „Farbwanderungen“ auswählte. - Erst zweimal zeigte er in der hiesigen Region ein Bruchstück seines Schaffens in kleinstem Rahmen, hat so gut wie noch nie öffentlich ausgestellt und nun dies: In der bei Fulda gelegenen Kunststation Kleinsassen gab der Hambührener sein Debüt – als 91-Jähriger. - Fasziniert von der Dramatik - des Augenblicks - „Ich habe mein Leben lang gemalt“, sagt Herbert Staps, „ich gehe in die Natur und schaue mich um. Und was ich sehe, male ich, ohne mich dabei tierisch ernst an die Natur zu halten. Mich reizt die Dramatik des Augenblicks“. - So recht kann er es immer noch nicht fassen, dass er für anderthalb Monate – vom 30. September bis zum 15. November dieses Jahres – derart im Licht der Öffentlichkeit stand und von ihr gefeiert wurde. So merkte Hans Schomakers, Initiator der Ausstellung, an: „Unter dem magischen Licht und den leuchtenden Farben gewinnen die Elemente der Natur, die Berge, die Pflanz Quelle: nicht zugewiesen
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Hambühren

HAMBÜHREN. Flammendes Rot und Gelb beherrscht den tiefblau gefärbten Himmel, taucht ein in die Wellen, die das atemberaubende Spiel der Farben aufnehmen und widerspiegeln –intensiver Zauber eines „Augen“-Blickes, der den Atem stocken lässt. „Sommerabend an der Ostsee“ hat Herbert Staps sein Ölgemälde betitelt; eines von rund 1400 Werken, die er im Laufe seine Lebens gemalt hat – und eines von 96 Bildern, das er für seine Ausstellung „Farbwanderungen“ auswählte.

Erst zweimal zeigte er in der hiesigen Region ein Bruchstück seines Schaffens in kleinstem Rahmen, hat so gut wie noch nie öffentlich ausgestellt und nun dies: In der bei Fulda gelegenen Kunststation Kleinsassen gab der Hambührener sein Debüt – als 91-Jähriger.

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Fasziniert von der Dramatik

des Augenblicks

„Ich habe mein Leben lang gemalt“, sagt Herbert Staps, „ich gehe in die Natur und schaue mich um. Und was ich sehe, male ich, ohne mich dabei tierisch ernst an die Natur zu halten. Mich reizt die Dramatik des Augenblicks“.

So recht kann er es immer noch nicht fassen, dass er für anderthalb Monate – vom 30. September bis zum 15. November dieses Jahres – derart im Licht der Öffentlichkeit stand und von ihr gefeiert wurde. So merkte Hans Schomakers, Initiator der Ausstellung, an: „Unter dem magischen Licht und den leuchtenden Farben gewinnen die Elemente der Natur, die Berge, die Pflanzen, die Häuser und der Himmel ein plastisches Relief von großer Unmittelbarkeit und Frische“.

Hans Schomakers gehört mit zum Fuldaer Künstlerverein. Bei Freunden von Herbert Staps wurde er auf dessen Bilder aufmerksam und äußerte spontan den Wunsch, mehr davon zu sehen. „Und damit nahm alles seinen Lauf“, kommentiert Staps trocken. Zwanzig seiner Gemälde präsentierte er wenig später vor einem erlesenen Kreis geladener Gäste, und die waren beeindruckt: „Mir öffneten sich alle Türen.“

Die Kunststation Kleinsassen im überregional bekannten gleichnamigen Künstlerdorf bot ihm die Möglichkeit, seine Werke in „wunderbaren Räumlichkeiten“ zu zeigen. Fast ein Jahr bereiteten sich Herbert Staps und Sohn Hans-Albert auf die Ausstellung vor, trafen unter über 1400 Ölgemälden eine Auswahl von „schließlich nur“ 96 Bildern, fertigten den jeweils passenden Rahmen, bis dann endlich am 30. September die Vernissage mit Impressionen von Landschaft und deren Menschen aus Norddeutschland, Schweden, Davos und Mallorca.in drei Sälen stattfinden konnte.

KleineKunstwerke

aus bunten Stoffresten

Bewusst verzichtet hat Staps auf eine Auswahl seiner rund 600 Aquarelle, zwei Werke hat er dazu genommen, an denen sein Herz besonders hängt – den „Blumenstrauß mit Wayang“ und „Meine Exoten“. Diese 50 mal 60 Zentimeter großen Arbeiten fallen aus dem Rahmen, sind etwas ganz Besonders – Herbert Staps klebte sie aus Stoffresten, formte so filigrane Blütengebilde, schuf prächtige Federkleider.

„Die Malerei wird immer meine Leidenschaft bleiben und ist existentieller Teil meines Lebens“, betont der 91-Jährige. Talent und leidenschaftliche Hingabe, eine nie nachlassende Neugier, Dinge für sich immer wieder neu zu entdecken, aber auch profundes handwerkliches Wissen sind die Ausgangspunkte seines künstlerischen Wirkens. In Gera erlernte der geborene Thüringer den Beruf eines Patroneurs, eines handwerklich hoch qualifizierten Zeichners künstlerischer Vorlagen für die Textilindustrie. Nebenbei nahm er Mal- und Zeichenunterricht bei Professor Günther, einem Studienkollegen des Malers und Graphikers Otto Dix.

„Ich war mehr arbeitslos

als beschäftigt

Die Zeiten waren schlecht. Es herrschte große Arbeitslosigkeit, von der auch die Textilindustrie betroffen war, eine feste Anstellung in seinem Beruf zeichnete sich für Staps nicht ab. Mit gelegentliche Beschäftigungen als freier Zeichner hielt er sich mal gerade so über Wasser: „Ich war mehr arbeitslos als beschäftigt.“ Eine Alternative für sich sah er beim Militär. „Statt eingezogen zu werden, meldete ich mich selbst“, sagt Staps und begann eine fliegerische Ausbildung.

Von April 1936 bis Kriegsende war er fortan im Fronteinsatz, flog Nachteinsätze mit großen Bombern, das erste Verkehrsflugzeug, die „Tante Ju“, wurde als Fluglehrer und Testpilot eingesetzt – unter anderem für die erste Düsenmaschine, den „Heinkel-Spatz“. Trotz Notlandungen und Beschuss: „Es grenzt an ein Wunder, dass ich diese Jahre unbeschadet überstand“, resümiert der einstige Oberleutnant.

Nach Kriegsende ging er zurück in seine thüringische Heimat und lief dort nachts einer russischen Streife in die Arme. „Im Viehwaggon schleppte man mich in den Kaukasus, drei schwere Jahre, in denen meine Familie keinerlei Lebenseichen von mir erhielt, blieb ich dort gefangen“, resümiert er.

Wieder ging er zurück nach Gera, bis seiner Familie 1949 die Flucht über die „Grüne Grenze“ gelang. Hambühren wurde zu ihrer neuen Heimat, und Herbert Staps fand als Textilzeichner und Textildruckschablonenmacher Beschäftigung bei der Stoffdruckerei Kühn. Schon ein Jahr später machte er sich selbstständig und gründete die Firma „Textilkunst Herbert Staps“. Vier Jahrzehnte leitete er mit großem Erfolg das auf die Entwicklung künstlerischer Entwürfe für den Textil- und Teppichdruck und die dazugehörende Schablonentechnik spezialisierte Unternehmen, bis er es 1998 mit Namensrecht verkaufte.

Naturwanderungen

mit dem Skizzenbuch

Die Malerei blieb auch des damals 82-Jährigen seine große Leidenschaft. Sein Skizzenbuch war steter Begleiter bei seinen Wanderungen in die Natur, ganz gleich, ob sie ihn nun durch seine Heimat oder durch Norddeutschland und fremde Länder führten.

Mit allen Sinnen nahm er Formen, Farben und Licht in sich auf, was er wahrnahm, verwandelte er aus tiefer Freude heraus auf der Leinwand zu seinen ganz eigenen Eindrücken.

Herbert Staps suchte nie die Verbindung zum kommerziellen Kunsthandel oder die Anerkennung von außen. Nun suchte sie ihn – in der Kunststation Kleinsassen.

0 1916: Geboren in Thüringen.

0 1922 bis 1930: Schulbesuch.

0 1931 bis 1935: Ausbildung zum Textilzeichner.

0 1936 bis 1945: Pilot bei der deutschen Wehrmacht.

0 1945 bis 1948: Kriegsgefangenschaft im Kaukasus.

0 1949: Textilzeichner und Textildruckschablonenmacher bei der Firma Kühn in Hambühren.

0 1950: Gründung einer eigenen Firma „Textilkunst Staps“.

0 1998: Verkauf des Unternehmens mit Namensrecht.

0 1940: Heirat mit Frau Gertrud. Zwei Töchter, ein Sohn, zwei Enkelkinder.

Von Evelyn Kretzschmar