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Typen Vom Psychotherapeuten zum Auswanderer
Mehr Typen Vom Psychotherapeuten zum Auswanderer
10:00 12.12.2018
Torsten van de Sands Roman beschäftigt sich mit der Frage, was geschehen wäre, wenn Bob Dylan statt im Amerika des 20. Jahrhunderts im Italien der Renaissance gelebt hätte. Quelle: Kimberly Wojahn
Celle

"Von euch wird keiner Schriftsteller“, war sich einst sein Lehrer im Deutschleistungskurs sicher, heute würde er wohl feststellen müssen, dass er falsch lag. Denn: Einer seiner damaligen Schüler, Torsten van de Sand, veröffentlichte 2017 sein erstes Buch „Robertos endlose Reise. Eine rollende Renaissance-Revue“ und arbeitet bereits an der nächsten Idee. Die Theorie des Lehrers, auf der seine Aussage beruhte, war: Man muss Probleme gehabt haben, um Schriftsteller zu werden. „Jeder kann sich mal irren“, sieht van de Sand es heute locker. Schließlich hat er selbst lange Zeit nicht damit gerechnet, Buchautor zu werden. Bevor es dazu kam, standen andere Stationen an: Psychologiestudium, Arbeit als Psychotherapeut, Auswanderung nach Irland und Betreiben eines Gästehauses.

Angefangen hat alles 1963 in Celle: Geboren als Bühring wuchs er mit seinen Eltern und einem älteren Bruder in Celle auf. In seiner Kindheit spielte der Celler Paddelclub eine große Rolle, später nahm die Jugendarbeit der evangelischen Kirche einen hohen Stellenwert ein. Während er zunächst als Jugendlicher dabei war, brachte er sich nach einer Ausbildung zum Gruppenleiter aktiv ein. Darauf ist wohl auch zurückzuführen, dass van de Sand nach dem Abitur 1982 am Hölty-Gymnasium und anschließendem Zivildienst ein Semester Theologie studierte. „Ich wollte Theologie und Psychologie parallel studieren, habe aber schnell gemerkt, dass Theologie nicht das richtige für mich ist“, erklärt van de Sand. Kurzerhand entschied er sich, nur noch Psychologie zu studieren.

Aktivität in der Friedensbewegung

Doch wieso Psychologie? „Mich hat schon damals interessiert, warum sich Menschen so verhalten, wie sie es tun“, beschreibt der Autor. Dahinter stand der Wunsch, die Welt und – motiviert durch seine Aktivität in der Friedensbewegung – die Politik zu verstehen: „Psychologie spielt, was die politische Meinungsbildung angeht sowohl bei Bürgern als auch bei Politikern eine große Rolle“.

Bis zum Bruch 2005, als van de Sand seine Karriere als Psychotherapeut hinter sich ließ, zweifelte er nie an der Entscheidung, diesen Berufsweg einzuschlagen. „Rückblickend wäre ein Germanistikstudium näher an meinen Interessen gewesen“, ist die einzige Kritik, die er bezüglich seiner Studienwahl äußert. Schon in der Schulzeit interessierte er sich für Literatur. Latein und Deutsch waren seine Leistungsfächer. Auch sonst ist ihm die Begeisterung für Literatur deutlich anzumerken: Im Café freut er sich, dass es neben Kaffee auch Bücher zu kaufen gibt, seine Augen leuchten auf, kaum dass er über andere Autoren oder auch seine eigenen – teilweise verworfenen – Ideen spricht.

Nach abgeschlossenem Studium und anschließender Therapieausbildung arbeitete van de Sand als Psychologe auf Borkum. „Der Job war ein Traum für Berufsanfänger“, zeigt er sich begeistert. Dennoch verließ er die Insel nach nur knapp einem Jahr wegen begrenzter Möglichkeiten wieder. Nächste Station war eine Suchtklinik in der Eifel, in der er bis zu seiner Auswanderung arbeitete.

Immer weniger Zeit für praktische Arbeit

Im Laufe der Zeit konnte er sich immer weniger vorstellen, diesen Beruf bis zur Rente auszuüben. „In meinen 14 Jahren als Psychotherapeut hat die Formalisierung der Arbeit immer mehr zugenommen“, blickt van de Sand zurück. Es gab immer mehr Vorschriften und Dokumentationspflichten, die in immer weniger Zeit für die praktische Arbeit resultierten. Zudem kristallisierte sich bei dem Psychologen ein Wunsch heraus: „Ich will in meiner Arbeit mein eigener Herr sein“. Ein eigenes Gasthaus in Irland schien genau die richtige Idee zu sein.

Bis zur Auswanderung vergehen fünf Jahre

Von der Idee bis zur wirklichen Auswanderung vergingen fünf Jahre: Es musste das richtige Objekt gefunden und die Finanzierung gesichert werden. Es folgten zwei Jahre Handwerkerarbeiten und Abwicklung des Papierkrams in Irland.

Doch warum ausgerechnet Irland? „Meine Frau und ich machen dort jedes Jahr vier Wochen Urlaub“, erklärt van de Sand, „hier geht alles viel lockerer zu als in Deutschland“. Die verschiedenen Unterkünfte während der Reisen gaben ihm die Idee, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen. Besonders gut an seiner neuen Tätigkeit gefällt ihm der Kontakt mit Leuten aus den verschiedensten Ländern. „Als Psychotherapeut kriegt man die Leute in ihrer schlechtesten Verfassung zu sehen, im Urlaub hingegen in ihrer besten Verfassung“, zieht van de Sand einen Vergleich zu seinem vorherigen Beruf.

Betreiber einer Pension in Irland

Neben den umfangreichen Aufgaben, die der Alltag als Betreiber einer Pension mit sich bringt, hat van de Sand die Zeit gefunden, eine Idee, die er schon vor Jahren hatte, umzusetzen. Entstanden ist ein Roman, der sich mit folgender Frage beschäftigt: Was wäre geschehen, wenn Bob Dylan statt im Amerika des 20. Jahrhunderts im Italien der Renaissance gelebt hätte?

Wie er auf die Idee gekommen ist? „Ich bin seit 1984, als ich auf einem Konzert in Hamburg war, Fan von Bob Dylan“, erzählt der Autor. Da ihm der Auftritt so gut gefallen hat, befasste er sich danach näher mit den Songtexten und der Biografie des Sängers: „Dabei ist mir schnell aufgefallen, dass es eine Parallele zwischen den 60er-Jahren, in denen Dylan bekannt geworden ist, und der Renaissance gibt“. Zweieinhalb Jahre Arbeit stecken in seinem Roman, ein Jahr allein dauerte die bloße Hintergrundrecherche. „Sobald ich angefangen habe, hatte ich keinen Zweifel, dass ich es zu Ende bringe“, so van de Sand. Anzufangen war die größere Hürde: Er konnte den Kommentar seines Lehrers nicht vergessen, glaubte ihm, dass er nie ein Buch veröffentlichen würde. Obwohl er schon immer gerne Aufsätze und Artikel für Psychologiezeitschriften geschrieben hatte, dauerte es lange, bis er den Schritt zum eigenen Buch wagte.

Zweimal im Jahr in Celle zu Besuch

Wenn er nicht gerade schreibt oder Touristen betreut, ist der Autor noch regelmäßig in Celle zu Gast – meistens zwei Mal im Jahr, um seine Mutter zu besuchen. Die Residenzstadt gefällt ihm: „Ich fühle mich in Celle als Besucher wohl“. Aber auch eine dauerhafte Rückkehr liegt durchaus im Bereich des Möglichen. „Ich frage mich manchmal, ob wir als Rentner wieder nach Celle ziehen sollten“, erzählt van de Sand. Das Leben in Irland könnte mit steigendem Alter schwieriger werden, vor allem wegen der Abgeschiedenheit des Gästehauses und dem schwächelnden irischen Gesundheitssystem. Nach einer kurzen Pause fügt er schulterzuckend hinzu: „Aber ich bin noch zu jung, um jetzt schon zu viel darüber nachzudenken“. Celle als neue – alte – Heimat ist jedoch keineswegs ausgeschlossen.

Lebenslauf

11. Juni 1963

Geburt in Celle

1982

Abitur am Hölty-Gymnasium

1984 bis 1991

Psychologiestudium in Kiel

1991 bis 1992  Arbeit als Psychotherapeut in einer Hautklinik auf Borkum

1993 bis 2005

Arbeit als Psychotherapeut in einer Suchtklinik in der Eifel

2005

Auswanderung nach Irland,
um ein Gästehaus zu betreiben

2017

Veröffentlichung seines Buches „Robertos endlose Reise. Eine rollende Renaissance-Revue“

Von Vanessa Fillis

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