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Typen Pastor mit Leib und Seele
Mehr Typen Pastor mit Leib und Seele
08:59 23.01.2019
Auch wenn er schon im Ruhestand ist, hat Traugott Wrede am Sonntag in der Winser St. Johannes der Täufer Kirche den Gottesdienst übernommen. Quelle: Oliver Knoblich
Hermannsburg

Aufgewachsen in einem streng religiösen Elternhaus, wusste Traugott Wrede schon früh, was er werden wollte. Sein Vorname legte es ja vielleicht auch nahe, dass ihm seine Mitschüler in der Oberstufe den Spitznamen „Pastor“ gaben. Und Pastor war Wrede immer mit Leib und Seele, egal, ob ihm seelsorgerische oder akademische Aufgaben übertragen wurden.

Wrede wächst als jüngstes von sechs Geschwistern in Faßberg auf, der Vater arbeitet bei der Berufsfeuerwehr auf dem Fliegerhorst: „Ich hatte eine glückliche Kindheit. In Faßberg gab es viele Kinder, und wir haben viel Zeit in einem anliegenden Kiefernwald verbracht“, erinnert er sich. Zuhause herrschte die „eng-religiöse“ Atmosphäre der Fünfziger Jahre, wie Wrede es beschreibt. Aber es sei auch viel gesungen worden.

Die Nähe zur Religion verstärkt sich durch zwei junge Theologen: In Faßberg begeistert ein junger Pastor die Jugendlichen der Gemeinde, und im Religionsunterricht des Hermannsburger Christian-Gymnasiums versteht es eine Pastorin, auch die nicht religiösen Schüler für ihre Themen zu interessieren. „Sie hatte ein Gespür für die Umbruchsituation der 60er Jahre, außerdem wollten die 68er, dass von der Theologie die Menschlichkeit ins Zentrum gestellt wird“, berichtet Wrede.

Nach dem Abitur 1969 wird er als Theologe in spe vom Wehrdienst zurückgestellt und kann sogleich mit dem Studium in Göttingen beginnen. Es herrschen politisch wilde Zeiten an der Uni Göttingen: Als er schon wissenschaftlicher Mitarbeiter ist, erscheint 1977 in der AStA-Zeitung der Text eines „Mescalero“, der bei der Ermordung des Generalbundesanwalts durch die RAF seine „klammheimliche Freude“ angeblich nicht verhehlen kann. Wrede besitzt noch ein Original dieser Zeitung, aber nicht wegen des Buback-Artikels: „Umweltschutz war damals etwas für die die ältere Generation der Reformhaus-Ökos, und wir waren noch ziemlich technikgläubig, aber in dieser AStA-Zeitung gab es einen Artikel ,Zur Entwicklung der AKW-Bewegung‘. Das war das allererste Mal, dass ich mit diesem Thema in Berührung kam“, sagt Wrede.

Nach dem Vikariat übernimmt Traugott Wrede 1981 für acht Jahre eine Pfarrstelle in der Stadt Langen bei Bremerhaven: „Das war ein richtiger Kulturschock, von Göttingen nach Langen zu kommen“, erinnert er sich. Die Kirche ist ein Neubau, die Gemeindemitglieder freuen sich, wieder einen Pastor zu haben, und hoffen, dass der „Neue“ lange bleibt. Aber der „Neue“ hat viel Stress, nicht nur weil er Berufsanfänger ist: „Ich habe wie blöde gearbeitet, weil ich ganz allein drei Pfarrstellen mit 8000 Gläubigen bedienen musste.“ Aber er fühlt sich schließlich da wohl.

Viele Fußballspieler kirchlich getraut

Die Langener Kirche ist zwar neu und schön, aber von den Organisten und dem Gemeindevorstand wird bemängelt, dass sie nur über eine elektronische, aber keine „richtige“ Pfeifenorgel verfügt. Die Gemeinde und ihr Pastor gründen einen „Orgelbauverein“, um die rund 250.000 DM für eine neue Orgel durch eine Spendenaktion aufzutreiben. Wrede zieht gar mit Zylinder und Leierkasten durch die Straßen Langens.

Während des laufenden Projekts bittet seine Landeskirche ihn mehrfach, eine andere Stelle anzunehmen. Wrede will zwar nicht „auf ewig“ in Langen bleiben, aber diese Gemeinde erst verlassen, wenn die Finanzierung der Orgel gesichert ist. Als das soweit ist, sagt er zu, eine Stelle als Polizeipfarrer in Hannover anzunehmen. Doch das wird für ihn zu einem „tiefen emotionalen Schnitt.“

„Ich hatte viele Fußballspieler der ersten Herrenmannschaft kirchlich getraut und zu ihnen ein enges Verhältnis“, erzählt er. Doch während einer Veranstaltung zur 850-Jahr-Feier Langens kommentiert einer der Spieler seinen Weggang so: „Ich dachte, Sie leben mit uns!“ Man merkt ihm heute noch an, dass ihn diese Bemerkung des jungen Mannes tief traf und sich ihm schwierige Fragen nach der Beziehung zwischen Amt und Person stellten.

Polizeipfarrer will er aber nicht bis zur Pensionierung bleiben, nach sechs Jahren nimmt er eine Pfarrstelle in Winsen/Luhe an. Seit 1990 hat
er sich außerdem als Prüfer beim zweiten theologischen Examen engagiert, und das zieht eine überraschende Personalentscheidung nach sich: Anfang 2008 wird Wrede zum Rektor des Pastoralkollegs in Loc-
cum ernannt, die Amtseinführung wird von der damaligen Landesbischöfin Margot Käßmann vorgenommen.

Das Pastoralkolleg ist die zentrale Fortbildungsstätte der Landeskirche für ihre rund 2000 Pastoren.

Die Pflichtaufgabe des Kollegs ist, für die Kollegen eine berufsbegleitende Fortbildung zu bieten, beispielsweise in einwöchigen Seminaren. Neben theologischen Diskursen werden aber auch Veranstaltungen zu kreativen Techniken angeboten wie das Singen, Bildhauern oder das Lesen literarischer Texte. Wrede empfindet die Zeit in Loccum als die „glücklichste Zeit“ seiner beruflichen Tätigkeit. Als ein Highlight sieht er an, dass es ihm gelingt, den Schriftsteller Martin Walser für eine öffentliche Lesung und die Teilnahme an einem Seminar nach Loccum zu holen.

Mit 65 Jahren wird Traugott Wrede feierlich in den Ruhestand verabschiedet, und er zieht in seine „alte Heimat“ zurück: nach Hermannsburg. „Ich fühle mich der Südheide sehr verbunden, und ich liebe die Landschaft. Außerdem hat Hermannsburg eine gute Infrastruktur“, findet er.

Wrede hatte schon immer ein Faible für das Plattdeutsche, er spricht es auch, wenn auch nur „wie eine Fremdsprache“. Er predigte auch gelegentlich auf Plattdeutsch und arbeitete in der kirchlichen AG „Plattdüütsch in de Kark“ mit. Er ist Vorsitzender des entsprechenden Dachverbandes.

Diese Verbundenheit mit seiner Heimat will er vielleicht in Zukunft auch für ein politisches Engagement nutzen, denn ihn treibt Sorge um, dass der ländliche Raum „abgehängt“ werden könnte: „Wir müssen uns dafür stark machen, dass der ländliche Raum durch ein schnelles Internet, eine gute Verkehrsanbindung und andere Verbesserungen der Infrastruktur wieder attraktiv für junge Leute wird!“

lebenslauf

5. März 1951

in Faßberg geboren

AB 1961

Besuch des Christian-Gymnasiums Hermannsburg

1969

Abitur

AB 1969

Studium der Theologie in Göttingen,

1974

Examen
Anschließend Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft und Vikariat

1981

für acht Jahre Gemeindepfarrer in Langen (bei Bremerhaven)

AB 1989

Polizeipfarrer in Hannover

1995 bis 2007

Gemeindepfarrer in Winsen/Luhe

AB 2008

Leitung des Pastoralkollegs Loccum,

19. August 2016

Verabschiedung in den Ruhestand

2016

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