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Fußball regional Ausbruch aus dem tristen Alltag
Sport Fußball regional Ausbruch aus dem tristen Alltag
15:31 25.07.2011
Sven Schröter vom Kalandhof Quelle: Andre Batistic
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Celle Stadt

Straßenfußball – das bedeutet vier Mann pro Team auf einem 22 mal 16 Meter großen Court mit speziellem, hartem Kunststoff-Belag im Kampf um den Ball. „Dafür muss man spielerisch und konditionell gut drauf sein“, weiß Sven Schröter aus eigener Erfahrung. Der 31-Jährige ist fester Bestandteil der Straßenfußball-Mannschaft der Celler Obdachlosen-Einrichtung Kalandhof. Zusammen mit seinem Team spielte er Anfang des Monats bei der Deutschen Straßenfußball-Meisterschaft der Obdachlosen in Wiesbaden und wurde vom Bundestrainer in den Kader für den „Home-less World Cup 2011“ in Paris berufen. Dort treten vom 21. bis 28. August die 64 besten Straßenfußball-Mannschaften der Welt um den Pokal an.

„So richtig realisieren kann ich das noch nicht“, freut sich Schröter, der noch nie im Ausland war und „schon viel Negatives erlebt“ hat. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dem Talent aber nicht mehr: Schon vom 28. bis 31. Juli steht das Trainingslager der zehn besten Spieler Deutschlands in Gifhorn an. Dort wird mit Marko Rehmer sogar ein ehemaliger Fußball-Nationalspieler als einer der Trainingsleiter fungieren.

Dank seiner guten Leistung bei der Deutschen Meisterschaft steht Schröter bereits für den Acht-Mann-Kader für Paris fest. „Ich bin sehr ehrgeizig, ein Teamplayer und habe gekämpft“, erklärt sich Schröter seine Nominierung. Schon von klein auf betrieb er Sport und war immer für eine Partie Fußball zu haben. Für die WM hat er sich schon große Ziele gesetzt: „Wir wollen als Team auf jeden Fall besser abschneiden, als im letzten Jahr“, so Schröter. „Aber es soll auch Spaß machen und ich hoffe, dass ich noch etwas dazulerne und Erfahrung sammle.“

Ermöglicht wurde Schröter dies durch das große Engagement von Ulrich Räbiger vom Kalandhof, der die Straßenfußball-Mannschaft vor zehn Jahren ins Leben rief und als Trainer tätig ist. „Für die Leute ist es wichtig, aus dem tristen Alltag auszubrechen“, erklärt Räbiger. „Hier können die Spieler etwas erreichen und Erfolgserlebnisse sammeln.“ Trainiert wird meist einmal die Woche. In Vorbereitung auf die Meisterschaft fuhr das Team nach Hambühren, um unter Wettbewerbsbedingungen zu üben.

Zu den größten Erfolgen des Kalandhofes zählen der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2008 in Hannover sowie der Vize-Titel im vergangenen Jahr in Hamburg und der Sieg bei den Nordwestdeutschen Meisterschaften. Bei ihrer insgesamt fünften Teilnahme an der DM in diesem Jahr in Wiesbaden sollte es nicht für eine erneute Spitzenplatzierung reichen: Von 19 Teams wurde der Kalandhof 15. und schied bereits in der Gruppenphase aus. „Wir haben die stärkste Gruppe leider nicht überstanden“, so Räbiger, dessen Team viele leistungsstarke Spieler verließen. „Aber allein für Svens Erfolg hat sich unsere Reise schon gelohnt.“

Bei allen Erfolgen hat Räbiger aber noch einen Traum: Er möchte einmal die Deutschen Meisterschaften in Celle abhalten. Wohlwissend, dass dafür genug Raum zum Camping und spezielle Straßenfußball-Plätze zur Verfügung stehen müssen.

Von Andre Batistic