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Fußball regional Außenseiter schocken Favoriten
Sport Fußball regional Außenseiter schocken Favoriten
19:33 16.12.2018
Von Oliver Schreiber
Stefan Cohrs (links), Fußball-Abteilungsleiter des MTV Eintracht Celle, und CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber (rechts) ehrten den verdienten Sieger SV Dicle Celle. Quelle: David Borghoff
Celle

Davut Ekinci stand mitten im Pulk seiner ausgelassen feiernden Spieler und herzte jeden. Der Trainer des SV Dicle Celle war mächtig stolz auf seine Jungs, die soeben die siebte Auflage des Charity-Cups für sich entschieden hatten. „Wir sind wieder da“, meinte Ekinci schmunzelnd, nachdem sein Team das Finale der Außenseiter gegen Kreisligist TuS Hermannsburg knapp mit 2:1 für sich entschieden hatte. Der kurdische Klub schwimmt damit weiter auf der Erfolgswelle. Die Auflösungserscheinungen nach dem Abstieg aus der Kreisliga sind längst vergessen, nach zuletzt sieben Siegen und einem Remis in acht Spielen ist Dicle auch „draußen“ wieder auf Erfolgskurs. „Wir haben viele Spieler zurückgeholt und reaktiviert. Das zahlt sich jetzt aus. Ich bin vor allem stolz darauf, wie diszipliniert wir in der Defensive agiert haben“, meinte Ekinci.

Genau dies war der Schlüssel zum Erfolg, der eigentlich für seine Offensivkraft bekannte SVD kassierte beim Hallenfußballturnier des MTV Eintracht Celle zu Gunsten der CZ-Hilfsaktion „Mitmenschen in Not“ in der HBG-Halle die wenigsten Gegentreffer. Auch Finalgegner TuS Hermannsburg glänzte durch mannschaftliche Geschlossenheit und taktische Disziplin. „Glückwunsch an den SV Dicle. Meine Jungs haben ein tolles Turnier gespielt. Und das, obwohl wir viele Leistungsträger nicht dabei hatten. Ich bin superzufrieden“, sagte TuS-Coach Sievert Asmussen.

In den Halbfinalspielen zogen sowohl Dicle als auch Hermannsburg den beiden Favoriten und bis dato stärksten Mannschaften durch starke Abwehrarbeit den Zahn. Dicle bezwang die torhungrigste Riege des Turniers, Gastgeber MTV Eintracht, mit 2:0. Hermannsburg kassierte gegen Bezirksligist VfL Westercelle, der als einziges Team bis dato alle Partien gewonnen hatte, zwar durch Tom Schaper in allerletzter Sekunde den 1:1-Ausgleich. Im Neunmeterschießen bewiesen die Blau-Gelben dann aber Nervenstärke, verwandelten alle fünf „Neuner“, während ausgerechnet Schaper als einziger Westerceller an Keeper Johann Bäckermann scheiterte. VfL-Trainer Heiko Vollmer nahm‘s gelassen. „Natürlich hätten wir das Turnier gerne gewonnen. Aber wir haben uns gut für die kommenden Hallenturniere eingegroovt. Und es hat sich niemand verletzt, das ist das Allerwichtigste.“

Genau das war auch für Eintracht-Trainer Frank Weber das Entscheidende. „Alle sind gesund geblieben, also alles gut. Wir sind leider nach gutem Beginn etwas aus dem Rhythmus gekommen. Möglicherweise hatten wir sogar zu viele Spieler. Das ist ja auch für uns eher ungewöhnlich“, sagte Weber angesichts der schmalen Kader beider Herrenteams lächelnd. Sein Aufgebot bestand überwiegend aus Spielern der zweiten Mannschaft (Kreisliga), hinzu kamen Dennis Runge und später auch noch Tim Struwe sowie Moussa Doumbouya aus der Landesliga-Truppe. Kleiner Trost für den Turnierveranstalter: Er erzielte das erste und gleichzeitig schnellste Tor des Tages (Kai Meyer nach sieben Sekunden) und den einzigen Kopfballtreffer (Pascal Leihbacher).

Und im Neunmeterschießen um Platz drei avancierte MTVE-Aushilfskeeper Sven Bothfeld, eigentlich Feldspieler, zum Helden. Er wehrte drei Schüsse ab und sorgte so für den 3:0-Erfolg. Als Tjark Klindworth die Ehrung zum besten Torwart des Turniers entgegennahm, konnte sich Bothfeld einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. „Der Preis gehört eigentlich mir“, warf er Klindworth lachend entgegen.

Der bekam im Kasten der Celle Allstars mehr zu tun, als ihm lieb war. Trotz der prominenten Unterstützung der Regionalliga-Kicker Marvin Stieler und Ex-Profi Björn Lindemann scheiterte die „Mission Titelverteidigung“ krachend. In der „Remis-Gruppe“ – acht von zehn Duelle endeten unentschieden – gelang den Allstars kein einziger Sieg. „Eigentlich wollte ich für Sonntagmorgen ein Straftraining ansetzen. Aber die haben ja schon beim Turnier schlappgemacht, da hätte das wohl keinen Zweck gehabt“, meinte Trainer Eike Mach mit einem Augenzwinkern. Immerhin wendete Stieler im letzten Spiel der Allstars gegen die U17 des MTV Eintracht Celle mit einem späten Tor zum 2:2 nach 0:2-Rückstand noch eine Niederlage gegen die „Jungspunde“ ab.

Die Eintracht-Talente von Coach Emin Kiy zogen sich mehr als achtbar aus der Affäre. „Das war ein sehr guter Auftritt unserer U17. Generell bin ich mit dem Turnierverlauf sehr zufrieden. Wir haben viele Tore gesehen, die Mannschaften haben sich fair verhalten“, resümierte Jörg Klindworth, Sportlicher Leiter des MTVE, der sich noch einmal bei seinem Organisationsteam und den Gönnern bedankte. „Ohne Sponsoren und Helfer könnten wir eine solche Veranstaltung nicht stemmen.“

Top-Akteure: Drei Spieler stachen beim Charity-Cup besonders hervor. Torben Müller vom TuS Hermannsburg netzte insgesamt fünfmal ein und avancierte so zum besten Torschützen des Turniers. Einen Titel gab es für die Celle Allstars dann doch noch. Die Mannschaften und Trainer kürten Tjark Klindworth zum besten Torwart des Turniers. Zum besten Spieler wurde Philipp Garmann vom VfL Westercelle gewählt.

Torwette: Insgesamt fielen bei der siebten Auflage des Charity-Cups 92 Tore (ohne Neunmeterschießen). Die Teilnehmer und Zuschauer konnten auf diese Anzahl wetten und einen neuen Satz Autoreifen gewinnen. Bester Tortipper war Axel Herzberger, der sich über neue „Puschen“ für sein Fahrzeug freuen darf.

Unparteiische: Sie lagen auch ohne Videobeweis fast immer richtig: Sören Thalau, Yavuz Dag und Jan Lindner leiteten die 24 Partien souverän, die Spieler verhielten sich überwiegend fair.

Opferbereitschaft: Ihm tat jeder Schritt weh. Kais Manai von den Celle Allstars, in den vergangenen beiden Jahren jeweils bester Spieler des Turniers, quälte sich trotz schmerzhafter Bauchmuskelzerrung durch die Spiele. „Ich habe mir diese Verletzung schon vor längerer Zeit eingefangen. Mit Tabletten und Salbe ging es einigermaßen. Ich wollte unbedingt wieder bei diesem Turnier für den guten Zweck dabei sein“, erklärte der 46-Jährige. Zusammen mit seinem Kumpel Fahed Dermech hatte er zudem eine Einladung zum Bundesliga-Spiel zwischen Hannover 96 und Bayern München erhalten. „Wir hatten VIP-Karten, aber dieses Turnier ging für uns vor.“