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Fußball regional Enke-Freund aus Celle bestürzt: „Muss ein anderer sein“
Sport Fußball regional Enke-Freund aus Celle bestürzt: „Muss ein anderer sein“
15:00 13.06.2010
Von Oliver Schreiber
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Celle Stadt

Peter Timm Harling ringt um Fassung. „Die Nachricht war furchtbar. Ich war geschockt – wie wahrscheinlich alle. Meine erste Reaktion war: Das muss ein anderer Enke sein. Es war einfach nicht vorstellbar, dass Robert sich das Leben genommen haben soll“, erklärt der Geschäftsführer der Harling Mineralöle GmbH Celle. Harling zählte zum Freundeskreis von Robert Enke, die Familien waren gut bekannt.

Vom Freitod des Nationaltorwarts erfuhren er und seine Liebsten aus dem Fernsehen. „Natürlich ist man zuerst fassungslos und will das nicht wahrhaben. Aber nach und nach realisiert man das. Meine Jungs haben geweint. Und dann kommen Fragen, die man als Papa beantworten muss“, berichtet der Vater dreier Söhne mit stockender Stimme. In den Zimmern seiner Sprösslinge hängen handsignierte Trikots von Enke an der Wand.

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Der 43-Jährige kannte Enke seit 2004. Der Keeper war gerade von CD Teneriffa zu Hannover 96 gewechselt. Harling war sowohl geschäftlich als auch freundschaftlich mit den damaligen Profis Thomas Brdaric und Christoph Dabrowski verbunden. „Bei 96-Veranstaltungen und privaten Feiern haben wir uns kennengelernt, wir sind oft zusammen Essen gegangen“, erläutert Harling.

Noch am Tag des Selbstmordes hatte er Kontakt zu Enkes Ehefrau Teresa. „Es ging aber nur um Karten für ein Spiel“, so Harling. Mit dem 96-Keeper selbst hatte er zuletzt vor dessen bakteriellem Infekt gesprochen, der Enke den Nummer-Eins-Status in der deutschen Nationalelf gekostet hatte.

Des öfteren war Harling zu Gast auf Enkes altem Bauernhof nahe Neustadt am Rübenberge, den er über seine Firma mit Öl versorgte. „Robert war ein unglaublich gastfreundlicher und warmherziger Mensch mit einem sehr guten Draht zu Kindern. Ein sympathischer und ehrlicher Typ. Zudem ein außergewöhnlicher Fußballer, sehr zielstrebig“, schildert Harling seine Eindrücke. Anzeichen von Depressionen habe er nicht bemerkt, dazu sei der Kontakt nicht eng genug gewesen. „Ich habe gehört, dass er einen Abschiedsbrief verfasst hat. Ich hoffe sehr, dass dieser seiner Frau Teresa ein wenig hilft, ihren Schmerz zu verarbeiten. Mein Mitgefühl und auch das meiner Familie gehört Teresa und der kleinen Leila“, fährt Harling spürbar berührt fort.

Er hofft, dass mit dem Tabuthema Depressionen gerade auch im Spitzensport künftig offener umgegangen wird. „Der Druck wird immer größer, gerade auch durch Medien und Öffentlichkeit. Das muss man als junger Mensch erstmal verdauen“, so Harling.