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Fußball regional Fußball: Leere Plätze – leere Kassen
Sport Fußball regional Fußball: Leere Plätze – leere Kassen
15:05 13.06.2010
Leere Reihen dank Bundesliga-Übertragung. Davor haben auch die Celler Vereine Angst. Quelle: Archivfoto
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Celle Stadt

Jede Medaille hat zwei Seiten. Das weiß auch Jens-Holger Linnewedel. „Natürlich sind wir über die neuen Bundesliga-Spielzeiten nicht erfreut“, sagt der Vorsitzende des Niedersächsischen Fußball-Verbandes, Kreis Celle – und meint damit die 15.30-Uhr-Spiele am Sonntag. Dem neuen Abonnement-Angebot des Pay-TV-Senders Sky, für den der DFB Reklame macht, könne er aber durchaus etwas Positives abgewinnen: „Vielleicht hält die Übertragung im Vereinshaus die Besucher länger auf dem Platz. Dann würde die dritte Halbzeit verlängert und damit der soziale Austausch gefördert.“

Auf weite Kritik war die Abo-Aktion in den vergangenen Tagen bei den Amateurclubs gestoßen. Rund 27000 Vereine hatte der DFB angeschrieben und das spezielle Sky-Angebot für die Spiele am Sonntag unterbreitet – dem Hauptspieltag der Amateure. Auch die Celler Vereine hätten diese Schreiben erhalten, bestätigt Linnewedel. Und bei diesen macht sich jetzt ebenfalls Unverständnis breit.

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„Ich finde es generell nicht gut, dass man den Amateursport immer mehr an den Rand stellt“, ärgert sich TuS-Bröckel-Trainer Bernd Schäfer. „Es kann nicht sein, dass man immer nur an die Spitzenvereine denkt.“ Mit der Übertragung der Spiele im Vereinsheim spalte man die Zuschauer und animiere diese, vor dem Fernseher zu sitzen anstatt auf dem Platz zu stehen. „Wie soll das gehen?“, fragt Schäfer.

„Es handelt sich bei dem Abo um ein Beruhigungsangebot“, ist sich Lutz Koch, Trainer der ESV-Fortuna Damen, sicher. Dieses behebe aber nicht das grundsätzliche Problem der geänderten Spielzeiten. „Für viele Vereine im unteren Bereich geht es ans Existentielle. Wenn die Zuschauer nicht kommen oder ins Vereinshaus statt auf den Platz strömen, fehlen die Eintrittsgelder.“ Man selbst denke bereits darüber nach, die eigenen Spiele auf 13 Uhr zu verlegen. „Das wäre zumindest eine Möglichkeit“, so Koch.

„Natürlich bleiben jetzt viele Sonntags lieber auf dem Sofa, um sich die Bundesliga anzusehen“, weiß Thomas Jacob, Trainer TuS Oldau-Ovelgönne, zu berichten. Einen deutlichen Zuschauerrückgang habe er allerdings noch nicht bemerkt. „Aber die Saison ist noch jung und wir sind Aufsteiger, leben also von der Euphorie der Fans.“ Das Abo-Angebot sei für Vereine generell interessant, da man damit mehr Menschen in die Clubräume hole. Nur die Vorgehensweise der Anbieter sei fragwürdig: „Die brauchen eben jeden Kunden und gehen dafür über Leichen.“

Gemeint ist die zweifelhafte Tatsache, dass die Vereine dem Pay-TV-Sender für das spezielle Abo zum Preis von 49 Euro die Adressen der Mitglieder liefern sollen. „Ich bin mir absolut sicher, dass keinerlei datenschutzrechtliche Belange betroffen sind“, hatte DFB-Chef Zwanziger dieses Vorgehen kommentiert. „Nach dem Bundesdatenschutzgesetz ist die Weitergabe der Daten nicht zulässig“, widerspricht Michael Knaps, Pressesprecher des niedersächsischen Landesbeauftragten für Datenschutz. „Das sollten alle Vereine wissen.“

Von Birte March