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Fußball regional "Nordkorea hat Dreck am Stecken"
Sport Fußball regional "Nordkorea hat Dreck am Stecken"
17:24 13.07.2011
Eberhard Schulz hat als internationaler Schiedsrichter miterlebt, wie Nordkoreas Volleyballerinnen nach dem Gewinn der Bronzemedaille 1972 bei Olympia in München flüchteten, als die Aufforderung zum Dopingtest kam. Quelle: nicht zugewiesen
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Altencelle

„Nordkorea flüchtet vor Skandal“ – beim Lesen dieser Schlagzeile in der CZ-Ausgabe vom 8. Juli traf Eberhard Schulz aus Altencelle die Erinnerung wie ein Blitz. „Es war bei Olympia 1972 in München: Nordkoreas Damen gewann beim Volleyball im Spiel um Platz drei gegen Südkorea die Bronzemedaille“, rekapituliert Schulz. Der heute 79-Jährige war damals als internationaler Schiedsrichter bei dem Spiel dabei. Nach der Siegerehrung seien die Nordkoreanerinnen zum Dopingtest aufgefordert worden. „45 Minuten später war die Mannschaft auf einmal spurlos verschwunden“, so Schulz. Es habe sich dann herausgestellt, dass das Team in den Flieger Richtung Heimat gestiegen sei.

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Schulz spricht von einer „Duplizität der Ereignisse“. Die beiden Nordkoreanerinnen Song Jong Sun und Jong Pok Sim waren bei der Frauen-Fußball-WM in Deutschland vor einer Woche positiv auf ein anaboles Steroid getestet und kurzfristig aus der Aufstellung für das letzte Gruppenspiel in Bochum gegen Kolumbien (0:0) gestrichen worden. Der Weltverband FIFA hatte daraufhin nach dem Spiel die übrigen 19 Spielerinnen des Kaders zur Dopingprobe gebeten. Am Morgen danach verließ die Mannschaft Deutschland.

„Da kommen sofort Erinnerungen hoch“, sagt Schulz. Für ihn steht fest: „Nordkorea hat Dreck am Stecken. Es ist nicht das erste Mal, dass nordkoreanische Mannschaften – egal in welcher Sportart – nach der Aufforderung zum Doping-Test es vorzogen, zu verschwinden.“ Als Beispiel führt er das Gewichtheben an. Gerade beim Volleyball müsse man „Sprungkraft haben“, so Schulz, der selbst Spieler, Trainer sowie Schiedsrichter bei über 350 internationalen Spielen war. Er könne deshalb nur vermuten, dass die Nordkoreanerinnen damals in München ihrer Sprungkraft mittels Doping nachgeholfen hätten. „Warum hauen sie ab? Wenn man ein reines Gewissen hat, haut man nicht ab“, sagt Schulz. Südkorea und alle anderen Mannschaften seien zum Doping-Test erschienen. „Insgesamt waren die Spiele aber sauber“, sagt Schulz. Als Schiedsrichter habe er auf solche Dinge keinen Einfluss gehabt. Dafür wären Beobachter und Mitglieder der Medizinischen Kommission bei den Begegnungen zuständig gewesen.

„Nordkorea stand schon damals unter besonderer Beobachtung. Das hat sich bis heute nicht geändert“, sagt Schulz. So sei die nordkoreanische Spielerin Kim Jung-Bok damals nur „Josef“ gerufen worden. Aufgrund ihrer großen Sprungkraft und Schlaghärte sei der Verdacht aufgekommen, dass es sich bei ihr um einen Mann gehandelt hätte. Es kam zu einem Skandal, als Südkorea diesen schweren Vorwurf erhob. Das IOC verwies auf einen vorliegenden Test, der der Spielerin Weiblichkeit attestierte und wies den Protest ab, woraufhin Südkorea behauptete, nicht Kim Jung-Bok, sondern eine andere Athletin sei zum Test erschienen. Die Angelegenheit verlief im Sande.

Von Paul Gerlach