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Fußball überregional DFB-Turboangriff um Gnabry muss Estland-«Nuss» knacken
Sport Fußball überregional DFB-Turboangriff um Gnabry muss Estland-«Nuss» knacken
16:11 11.10.2019
Zurück im DFB-Training: Ilkay Gündogan (M). Foto: Bernd Thissen/dpa Quelle: Bernd Thissen
Dortmund

Dortmund (dpa) - Joachim Löw schützte sich mit der Kapuze gegen den Wind. Der von einer Grippe genesene Timo Werner trug ebenso eine wärmende Mütze wie Trainings-Rückkehrer Ilkay Gündogan und der zum Start der Vorbereitung auf das EM-Quali-Spiel in Estland nur joggende Stürmerstar Serge Gnabry.

Beim letzten Training in Dortmund passten sich die Nationalkicker schon mal an die rauen äußeren Bedingungen an, die sie auch am Sonntag zur späten Anstoßzeit um 21.45 Uhr Ortszeit (20.45 Uhr MESZ/RTL) im nur 15.000 Zuschauer fassenden Nationalstadion von Tallinn erwarten.

Der Gegner auf dem Platz sollte wenig Probleme bereiten. Erst im Juni deklassierte ein total offensiv ausgerichtetes DFB-Team um die jeweils zweimal erfolgreichen Angreifer Reus und Gnabry die Esten in Mainz mit 8:0. Es war ein Sommer-Fußballfest, das viel Spaß machte.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff mochte auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund zwar nicht wieder ein Schützenfest als Ziel ausrufen. Er benannte aber deutlich seine Erwartungshaltung. «Ohne hochnäsig zu sein: Wir müssen drei Punkte holen», erklärte Bierhoff: «Ziel ist, erst gar keine Zweifel aufkommen zu lassen. Wir sollten von der ersten Sekunde an deutlich machen, dass es eigentlich nur ein Ergebnis gibt und diese drei Punkte einsammeln.»

Ähnlich formulierte der Bundestrainer seine Erwartungen. «Gegen Estland wollen und werden wir gewinnen. Wir wollen die Punkte machen. Da gibt es überhaupt nichts anderes als Zielsetzung», erklärte Löw.

2:0? 3:0? 4:0? Oder sogar die Hinspiel-Gala toppen? Über die Höhe des Pflichtsieges beim Tabellenletzten der Gruppe C mochten auch die Offensivstars Gnabry, Reus und Kai Havertz nicht spekulieren. Das Trio alberte bei einer Kinder-Pressekonferenz im Deutschen Fußballmuseum auf dem DFB-Podium herum wie kleine, pubertierende Jungs, als sie auf Fragen der kleinen Fans antworteten. «Wir sind alle locker, lässig drauf», sagte Gnabry über die interne Stimmung.

Auf dem Platz soll es nur «locker», aber nicht «lässig» zugehen, sagte Gnabry. «Wir wissen, dass man den Gegner nicht unterschätzen darf. Wenn man einmal die Nuss geknackt hat, das erste Tor gemacht hat, öffnet sich das Spiel», glaubt Löws neuer Topstürmer.

Hauptaufgabe des Bundestrainers wird es sein, die nötige Spannung auch gegen die Nummer 102 der Weltrangliste zu erzeugen. Einbahnstraßen-Fußball wird erwartet. «Die Esten werden es sehr defensiv angehen», glaubt Außenverteidiger Lukas Klostermann. Bierhoff verlangt hohen Einsatz und große Laufbereitschaft: «Man weiß, dass Spiele manchmal komisch laufen können. Je länger man solchen Gegnern Luft zum Atmen gibt, umso schlechter ist es.»

Nach der «Weiterbildungsgeschichte» (Löw) beim 2:2 im Test gegen Argentinien hat sich die Personalsituation etwas entspannt. Angreifer Werner stieg nach einem grippalen Infekt ebenso wie der muskulär angeschlagene Mittelfeldspieler Gündogan ins Teamtraining ein. Das Duo soll am Samstag im Charterflieger nach Tallinn sitzen. Dort wird der Berliner Niklas Stark fehlen: Der Innenverteidiger, der zuvor wegen eines Magen-Darm-Infektes sein Länderspieldebüt gegen Argentinien verpasste, zog sich bei einer Trainingseinheit am Freitagvormittag im Teamhotel eine Verletzung am linken Unterschenkel zu, die genäht werden musste. Er ist bereits abgereist.

Nach der hohen Spielbelastung in den vergangenen Wochen absolvierte Erfolgsgarant Gnabry am Freitag nur ein reduziertes Programm. Der 24 Jahre alte Bayern-Angreifer soll in Tallinn aber wieder heiß laufen. Gnabry ist Löws neuer Fixpunkt in der Offensive. Aber der Mann mit der Topquote - elf Länderspiele, zehn Tore - gewinnt auch außerhalb des Platzes zunehmend an Bedeutung. «Er ist ein wichtiger Spieler, der sehr kommunikativ und sehr offen ist. Die Entwicklung ist erfreulich positiv», berichtete Bierhoff.

Der ehemalige Torjäger rühmt Gnabrys Stürmerqualitäten und dessen Effektivität. «Als Stürmer freut es mich, dass er die Tore macht, auch bei der ersten Gelegenheit», sagte Bierhoff. «Man merkt ihm an: Er hat Selbstvertrauen, er hat das Raum-Zeit-Gefühl, die entsprechende Schnelligkeit und ist einfach ein absolut positiver, guter Typ, der unserer Mannschaft gut tut.»

Mit dem eingeplanten Sieg gegen die Esten, die beim 0:0 in Weißrussland ihren ersten Punkt erkämpften und dabei viel Kraft ließen, würde Löws Team dem EM-Ticket noch näher kommen. Nach dem 3:1 der Niederlande gegen Nordirland liegen die drei Topteams in Gruppe C mit jeweils zwölf Zählern gleichauf.

Mit Platz eins «rechnen wir nicht mehr», sagte Bierhoff angesichts des verlorenen Direktvergleiches mit den Holländern. Aber es reicht ja auch der zweite Platz, um bei der EURO 2020 dabei zu sein. «Für uns ist es wichtig, die letzten drei Spiele zu gewinnen und sich zu qualifizieren», betonte Bierhoff.

Von dpa Von Klaus Bergmann und Jens Mende

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